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Politik : „Eine bunte Welt ist besser als eine braune“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kina-Reporter stellen Fragen zum Thema Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2015 | 01:48 Uhr

Fragen zum Thema Flüchtlinge hat jeder von uns. Sechs Kina-Reporter sitzen bei Kaffee und Tee im Büro von Torsten Döhring. Der frühere Anwalt ist heute der Vertreter des Flüchtlingsbeauftragten von Schleswig-Holstein. Er hat sich bereit erklärt, mit uns über dieses sehr aktuelle Thema zu reden.

Unser Interview beginnt mit der Frage, warum gerade jetzt so viele Flüchtlinge nach Europa kommen, und wieso man nicht vorbereitet war. Herr Döring muss kaum überlegen. Er erklärt uns, dass der Bürgerkrieg in Syrien sich verschlimmert hat, und viele Menschen erst in letzter Zeit fliehen konnten. Auch hat sich die Gefahrenlage in Afghanistan und die Wirtschaftslage in den Balkanländern wieder verschlechtert. Man hatte in Europa zwar  mit mehr Flüchtlingen gerechnet, jedoch nicht mit einer so großen Anzahl. Was das betrifft, kann er allerdings keine genauen Angaben machen, da er nicht dafür zuständig ist.

„Was genau passiert eigentlich mit den Flüchtlingen, wenn sie hier ankommen?“, fragt Enya (14). Herr Döhring erzählt, dass die Flüchtlinge sich erst mal bei der dafür zuständigen Behörde registrieren lassen. Dann können sie einen Asylantrag stellen und darauf folgt die Anhörung. Bis entschieden wird, ob der Antrag angenommen oder abgelehnt wird, bleiben sie anfangs in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Die Bearbeitung des Antrags dauert im besten Fall ungefähr sieben Monate, wenn man Pech hat mehrere Jahre.


Auch wir können helfen


Inger (13) stellt die nächste Frage: „Auf welchen Ebenen wird den Flüchtlingen zurzeit geholfen?“ „Da gibt es hauptberufliche und ehrenamtliche Helfer“, erklärt er uns. Es sind aber zu wenig Angestellte für die Flüchtlingshilfe, deshalb sind Freiwillige im Moment sehr wichtig. Man kann ihnen jedoch nicht alles zumuten, da einiges auch Aufgabe des Staates ist.

Wir fragen ihn, wie wir Jugendlichen den Flüchtlingen helfen können, sich hier schneller einzuleben. Die beste Lösung sei, sie einfach in die Gesellschaft und den Freundeskreis aufzunehmen, denn es sind auch nur Menschen wie du und ich.


Aufklärung hilft gegen Fremdenhass


Wichtig ist uns auch das Thema Fremdenhass. Wir wollen wissen, wie er entsteht. Herr Döhring meint, dass es meistens eine rassistische Grundeinstellung ist, es jedoch auch andere Gründe geben kann. Um Fremdenhass zu verhindern ist es wichtig, die Menschen genau über die Situation aufzuklären. Es ist jedoch sehr schwierig, andere zu überzeugen, wenn sie an ihrer Meinung festhalten wollen.

„Der nächste Punkt, der uns interessiert“, beginnt Liv, „wäre, was passieren würde, wenn die Stimmung kippt?“ Herr Döhrings Vermutung lautet, dass die Gesellschaft sich spalten könnte, in die Menschen, die die Flüchtlinge akzeptieren und diejenigen, die sie nicht hier haben wollen. Um das zu verhindern, sollte schon jetzt so gut wie möglich zwischen den verschiedenen Einstellungen vermittelt werden.

Auf die Frage, wie er die Zukunft sehe, antwortet er überzeugt: „Gelassen.“ Die Flüchtlinge werden, anders als viele glauben, nur einen kleinen Teil der Bevölkerung von Schleswig-Holstein ausmachen. Außerdem gibt es sehr viele hilfsbereite Schleswig-Holsteiner, die mit Sachspenden helfen und Flüchtlinge betreuen.

Wir haben noch eine letzte Frage: „Möchten Sie den Menschen noch etwas mitteilen?“. Herr Döhring antwortet mit einem Satz, der uns immer in Erinnerung bleiben wird: „Eine bunte Welt ist besser als eine braune!“



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