Tiere : Ein Waschbär im Schuhkarton

Clemens kümmert sich um ein Waschbären-Baby.
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Clemens kümmert sich um ein Waschbären-Baby.

Clemens hat im Wald ein Waschbären-Baby entdeckt. Jetzt wohnt Wugg bei ihm im Wintergarten. Aber wer junge Wildtiere findet, muss vorsichtig sein.

shz.de von
11. Juni 2014, 04:31 Uhr

Nanu, was ist denn das? Bei Familie Schieck versteckt sich ein ungewöhnliches Tier im Katzenkorb. Es hat ein borstiges Fell, eine spitze Schnauze und vier geschickte Pfoten mit langen Fingern. Ein bisschen sieht es so aus, als hätte es eine Maske auf. Denn seine Augen sind von schwarzem Fell umgeben. Bei den Schiecks wohnt gerade ein kleiner Waschbär. Aber so ein Wildtier gehört doch eigentlich in den Wald – was macht der Waschbär im Haus?

„Ich war mit Oma im Wald spazieren. Da haben wir einen ganz kleinen Fellhaufen auf dem Weg gefunden“, erzählt Clemens. „Oma hatte ihre Brille nicht auf. Die dachte erst, das wäre ein Igel.“ Doch der Achtjährige und seine Oma hatten ein Waschbären-Baby vor sich!

Die beiden hatten den Eindruck, dass das Tier völlig entkräftet war. Vielleicht hatte es seine Mama verloren, dachten sie sich. Deswegen entschied Clemens sofort: Sie müssen dem Tier helfen.

Opa Schieck setzte den Waschbären in einen Schuhkarton und gab ihm ein bisschen Katzen-Milch aus einer Pipette. „Danach hat er sich lange ausgeschlafen“, sagt Clemens. „Hätten wir Wugg nicht mitgenommen, wäre er bestimmt gestorben.“ Wugg – so hat Clemens den kleinen Waschbären genannt.

Ihm scheint es bei Familie Schieck richtig gut zu gehen. Seine Augen hat er längst aufgemacht und gewachsen ist er auch schon. Einen Kilo wiegt er jetzt. Kein Wunder, denn Wugg hat viel Hunger und trinkt eine ganze Menge Milch. „Morgens hat er immer besonders viel Hunger“, sagt Clemens. „Da kaut er mit seinen spitzen Zähnen so lange an meinen Fingern herum, bis er endlich seine Nuckel-Flasche bekommt.“

Noch tobt Wugg durch den kleinen Wintergarten der Familie. Dort nagt er am liebsten auf seiner Spielzeug-Maus herum. Ab und zu faucht er auch. Und wenn ihn Clemens streichelt, dann schnurrt Wugg wie eine Katze.

Doch auch, wenn Wugg furchtbar niedlich ist – Waschbären sind keine Haustiere. „Wenn Wugg groß ist, müssen wir ihn auswildern“, sagt Clemens. Aber ob der kleine Bär alleine Futter findet? Seine Mama hat es ihm ja nicht zeigen können. „Waschbären, die zu sehr an Menschen gewöhnt sind, lernen nur schwer, allein zu überleben“, erklärt der Experte Andreas Kinser. Die Tiere lernen dann zum Beipiel nicht, wo sie am besten Futter finden. Und es gibt noch ein Problem: 

Ein Waschbär, der bei Menschen aufgewachsen ist, könnte später nicht mit Artgenossen klarkommen. Denn er hat ja nicht gelernt, wie er mit ihnen umzugehen hat.

Wugg sollte deswegen später lieber nicht in die freie Natur gelassen werden, sagt Andreas Kinser. Besser wäre da etwa ein Tierpark. Außerdem rät der Experte: Wer ein junges Wildtier findet, sollte es erst mal besser nicht mitnehmen. Denn es könnte sein, dass die Mutter noch in der Nähe ist und zurückkommt, um ihr Kind zu holen.

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