Ausland : Ein mutiger Guaraní-Junge

Sein Vater ist sehr stolz auf ihn. Denn Werá setzt sich für die Ureinwohner ein. Er möchte auf die Probleme in seinem Dorf  aufmerksam machen.
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Sein Vater ist sehr stolz auf ihn. Denn Werá setzt sich für die Ureinwohner ein. Er möchte auf die Probleme in seinem Dorf aufmerksam machen.

Werá gehört zu den Ureinwohnern Brasiliens. Bei der WM-Eröffnungsfeier zeigte er ein Schild und demonstrierte damit für sein Volk.

shz.de von
28. Juni 2014, 04:27 Uhr

Werá lebt in Brasilien. Doch wenn er sich mit seiner Familie unterhält, verstehen ihn die meisten Brasilianer nicht. In Brasilien wird Portugiesisch gesprochen. Aber Werá redet meist in einer anderen Sprache. Sie nennt sich Guaraní.

Werá ist 13 Jahre alt und ziemlich groß für sein Alter. Er lebt in einem Dorf, das sich Krukutu nennt. Es ist ein kleines Dorf. Wer Werá besuchen will, muss auf einer Sandstraße durch den Urwald fahren. Palmen wachsen hier, Bananenstauden und Orangenbäume.

Mit seinen drei Geschwistern und seinen Eltern wohnt Werá auf einer Lichtung, ein Stück vom Dorfzentrum entfernt. Auf dem Grundstück stehen mehrere Häuschen. An einem ist eine große Satelliten-Schüssel befestigt. Seit einem Jahr wohnt Werá in seiner eigenen Holzhütte. Darin steht ein Bett, ein Schreibtisch und ein Schrank – und einige Paar Schuhe. Eines davon ist ein ganz besonderes: Werá hat es bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft getragen. Bei dem großen Fest durfte er nämlich mitmachen.

Werá war bei der Feier sehr mutig. Obwohl es nicht erlaubt war, hielt er ein rotes Banner in die Luft. Damit wollte er auf die Situation seines Volkes aufmerksam machen. Denn viele Brasilianer mögen die Guaraní nicht. Sie haben viele Vorurteile gegen die Ureinwohner. Werá und die anderen in seinem Dorf wehren sich dagegen. Sie möchten auch, dass die Brasilianer ihnen genügend Land zuerkennen. „Unser Land ist sehr klein“, sagt Werá. „Es reicht nicht zum Leben, weil wir nicht genügend anpflanzen können.“

Werás Vater ist nun sehr stolz auf seinen Sohn. Denn er hat dafür gesorgt, dass die Menschen ein bisschen mehr über Guaraní erfahren.

Viele wissen nicht einmal, dass es bei den Guaraní auch Schulen gibt. In Krukutu werden die Kinder bis zur fünften Klasse unterrichtet – auf Guaraní. Werá und seine Schulkameraden fahren jeden Morgen mit dem Bus in die weiterführende Schule ins Nachbardorf. „Nach dem Unterricht gehen wir oft schwimmen“, erzählt Werá. Krukutu liegt direkt an einem See.

Auch einen Bolzplatz gibt es im Dorf. Manchmal kickt Werá hier mit den anderen Kindern. Aber Fußball findet er gar nicht so toll. Lieber macht er Musik.

Fast jeden Tag spielt er auf seiner Geige. Werá hat es sich selbst beigebracht. Auf den ersten Blick sieht es seltsam aus. Denn Werá klemmt die Geige nicht zwischen Kopf und Schulter, sondern an die Taille. Aber wenn er spielt, hört man keinen Unterschied. Dann klingen Geigentöne durch den Urwald im Land der Guaraní.

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