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Kindernachrichten

21. Oktober 2017 | 16:04 Uhr

Religion : Eduard feiert Sukkot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein jüdischer Junge erzählt mir von seinem Leben als Jude.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2015 | 01:01 Uhr

Es ist 11 Uhr morgens, als ich den 15-jährigen Eduard treffe. Er hat ein blaues Hemd an und ein weißes Tuch – den Tallit. Auf seinem Kopf trägt er eine Kippa, eine Art Hut, die männliche Juden tragen. Eduards Religion ist nämlich das Judentum. Er ist sehr gläubig und stolz darauf. Er ist an diesem Tag extra vom Unterricht freigestellt, um in den Gottesdienst zu gehen – und um mit mir zu sprechen.

Christen feiern zum Beispiel Weihnachten und Ostern – dann haben alle in Deutschland schulfrei. Eduards Feiertage heißen unter anderem Chanukka, Rosch ha-Schana und Sukkot. An diesen Tagen haben jüdische Schüler frei. Auch Schüler anderer Religionen, wie zum Beispiel Muslime, bekommen für ihre Feiertage frei.

Am Montag beginnt wieder ein wichtiges Fest für Eduard: Das Sukkotfest. Man kann es in etwa mit dem christlichen Erntedankfest vergleichen. Die Juden feiern es, um ihrem Gott für die Ernte zu danken. Das Fest geht eigentlich sieben Tage lang, allerdings muss Eduard nicht sieben Tage schulfrei bekommen. Er und seine Gemeinde feiern nur am Mittwoch Sukkot. Dafür fahren sie extra nach Kiel, weil dort die Laubhütte aus Sträuchern und Laub aufgebaut wird, in der die jüdischen Gemeinden dann gemeinsam beten und essen werden.

In der jüdischen Gemeinde Flensburg gibt es in etwa 100 Juden, einschließlich ihrer Familien sind es 250. Überwiegend kommen sie aus Russland, wie auch Eduards Mutter.

Eduard wurde in Deutschland geboren. Mittlerweile geht er in die neunte Klasse und kann Deutsch, Russisch und ein bisschen Hebräisch, die Sprache der Juden. „Hebräisch ist verdammt schwer“, sagt Eduard. Zu Hause tüftelt er oft am Computer herum. Wenn jemand in der jüdischen Gemeinde ein Computerproblem hat, wird Eduard angerufen. Er bringt das ehrenamtlich wieder in Ordnung. Demnächst möchte er mal nach Israel, das Ursprungsland des Judentums. Dort hat er Verwandte, aber auch Freunde, die er aus Sommercamps in Berlin und Italien kennt.

Eduards Religion hat besondere Regeln, die er nicht verletzen darf. Er darf zum Beispiel kein Schweinefleisch essen. Das findet er aber nicht schlimm.

Die meisten Freunde von Eduard sind Christen. Doch die Religion ist im Freundeskreis kein großes Thema. Seinen Glauben lebt Eduard vor allem in der Gemeinde und in der Familie, zu Sukkot und anderen Feiertagen.

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