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Menschen : Dschawad verkauft Eis in Kabul

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dschawad ist zehn und lebt in Afghanistan. Er verkauft auf den Straßen der Stadt Kabul Eiscreme. Dabei hat er selbst erst ein einziges Mal ein Eis gegessen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 01:38 Uhr

Für viele Kinder in Kabul ist ein Eis etwas Besonderes. Kabul ist die Hauptstadt Afghanistans. Das ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es liegt auf dem Kontinent Asien. In Afghanistan herrscht außerdem Krieg.

Dschawad (Foto) ist zehn Jahre alt und Eisverkäufer in Kabul. Er und sein Bruder Bachtiar müssen ihre ganze Familie ernähren. Bachtiar ist 16 Jahre alt und auch Eisverkäufer. Die Familie ist sehr arm.

Dschawad hat in seinem ganzen Leben erst ein einziges Eis gegessen. Der Junge schiebt einen roten Wagen auf drei Rädern durch Kabul. In dem Behälter auf den Rädern ist es kalt. Damit das Eis nicht schmilzt – in Kabul kann es sehr heiß werden. In Kabul gibt es viele solcher Wagen.

Kaum ein Auto hält an, um Eis zu kaufen. Irgendwann stoppt ein Geländewagen. Die Männer darin winken Dschawad zu sich und bestellen vier Eis. Dafür bezahlen sie 160 Afghani – das ist die Währung in Afghanistan. Umgerechnet sind das 2,50 Euro. Davon darf Dschawad nur 25 Cent behalten. Den Rest bekommt die Firma, der der Eis-Wagen gehört.

Sein Bruder Bachtiar sagt: Er und Dschawad hätten in den letzten beiden Tagen zusammen umgerechnet knapp drei Euro verdient. Das ist auch in Afghanistan sehr wenig Geld. Gerade, wenn man eine Familie mit sieben Leuten ernähren muss.

Dschawad ist noch nie zur Schule gegangen. „Weil ich kein Geld habe, deshalb“, sagt er. Sein Vater könne nicht arbeiten. „Mein Vater ist alt. Ich weiß nicht genau, wie alt er ist. Nur, dass er sehr alt ist.“ Eigentlich träumt Dschawad davon, Ingenieur zu werden.

Den ganzen Tag verkauft er leckeres Eis, ohne selbst etwas davon zu bekommen. „Wenn wir Eis essen, müssen wir es bezahlen“, erklärt er. „Also können wir es uns nicht leisten, Eis zu essen.“ Ein Mal aber habe er ein Eis bekommen. Dschawad erinnert sich noch daran, wie gut es geschmeckt hat. Und er erinnert sich noch genau an den Geschmack: Es war ein Orangen-Eis.

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