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Im Watt : Die Seepocke kommt ins Schwitzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alle reden über Klimawandel. Doch was sind die Folgen für die Tierwelt? Darum geht es in der neuen Kina-Serie „Klimawandel im Wattenmeer“.

„Du hast es hier aber kuschelig warm. Mach mal ein bisschen Platz da. Hier will ich auch sitzen“, sagt die Australische Seepocke. „Kuschelig warm nennst du das?“, antwortet die Gezeitenseepocke. „Ich wünschte, ich hätte mein Haus woanders gebaut. Hier ist das so schwül, da mag man ja kaum noch seine Fangarme ausstrecken“, sagt sie.

So könnte sich eine Unterhaltung zwischen zwei Meerestieren anhören, die den Klimawandel in der Nordsee erleben. Wenn sie sich denn unterhalten könnten. Doch dass die Seepocken eine Sprache haben, ist eher unwahrscheinlich. Die kleinen Lebewesen haben andere Stärken.

Dass Seepocken überhaupt Tiere sind, ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Sie sehen aus wie winzige Kalkberge, die auf Steinen, Schneckenhäusern oder Muschelschalen sitzen. Dicht an dicht siedeln sie sich dort an, denn nur so können sie sich vermehren.

Unter den Seepocken gibt es keine Männer und Frauen. Jede Seepocke ist ein Zwitter, also beide Geschlechter in einem. Trotzdem braucht es immer zwei Tiere, die zusammen Kinder bekommen können. Fachleute sagen scherzhaft, dass Seepocken den längsten Penis der Welt haben, denn er ist bis zu zehn Mal so lang wie das Tier selbst, damit es eine Nachbarpocke befruchten kann.

Die Eier wachsen im Kalkpanzer der Seepocke heran, bevor sie als Larven ins Meerwasser ausbüchsen. Dort schwimmen sie einige Zeit umher, bis sie einen geeigneten Platz finden, an dem sie sich niederlassen können. Sie stürzen sich kopfüber zum Beispiel auf eine Muschel und heften sich dort an. Sie legen sich auf den Rücken und fangen an, ein Kalkhaus um sich herum zu bauen. Wenn sich die Seepocke einmal für einen Baugrund entschieden hat, zieht sie nie wieder um. Sie geht auch nicht auf die Jagd, sondern fährt einfach ihre Fangarme aus, um winzige Tierchen aus dem Wasser zu fischen, das Plankton. Das frisst sie am liebsten.

Die kegelförmigen Kalkhäuser bieten den Seepocken guten Schutz gegen Feinde, aber auch gegen Wärme und Kälte. Deshalb können sie gut im Wattenmeer überleben, wo sich bei Ebbe und Flut im Laufe der Jahreszeiten ihre Umgebung immer wieder verändert.

Trotzdem ist es den Seepocken nicht egal, wenn sich das Klima verändert. Im Laufe der vergangenen 50 Jahre hat sich das Wasser der Nordsee im Durchschnitt um 1,7 Grad erwärmt. Und Forscher befürchten, dass es in den nächsten Jahrzehnten noch wärmer wird.

Das ist schön, um darin zu baden. Doch wie es der Seepocke damit geht, kann man im Schülerlabor des Multimar Wattforums beobachten. Bei einem Experiment beobachten wir die Seepocken bei 10, bei 18 uind bei 32 Grad Celsius. In der Kälte fahren die Seepocken ihre Fangarme nur ab und zu aus. Bei 18 Grad schnappen sie fleißig nach Futter. Bei 32 Grad hingegen haben sie ihre Fangarme komplett eingezogen. Es ist zu warm. Deshalb müssen sie nicht gleich sterben. Doch wir setzen sie schnell zurück in das Becken mit der richtigen Temperatur, damit sie wieder an Futter kommen. Wenn das Meer zu warm würde, könnten die Seepocken nicht einfach an einen anderen Ort ausweichen.

Ein besonderes Problem ist aber die Fortpflanzung. Forscher haben beobachtet, dass sich die Gezeitenseepocke, die hier zu Hause ist, weniger vermehrt, wenn es wärmer wird. Die eingewanderte Australische Seepocke hingegen mag es kuschelig und vermehrt sich erst, seit es im Winter nicht mehr so kalt wird – und macht sich in der Nordsee breit. Die Seepocken kommen eigentlich gut miteinander aus, auch wenn sie sich nicht unterhalten können. Aber die Probleme, die die Erwärmung der Einheimischen bereitet, können sie nicht wegdiskutieren.

Paulas Forschertipp:

Hast du schon mal eine Seepocke auf der Jagd gesehen? Nein? Oft findest du sie am Meer oder in Häfen, dort, wo  Muschelbänke sind. Oder im Multimar Wattforum. Die Fangarme kannst du sogar ohne Lupe beobachten.

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erstellt am 14.Aug.2014 | 01:19 Uhr

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