Kultur : Die Kunst der Kopie

Shalin (17) hat das Bild „Katrine“ kopiert, das die Malerin Käte Lassen im Jahr 1919 gemalt hat. Der Stil des Bildes gefiel ihr, weil es etwas von einem Comic hat. „Das ist mein Stil“, sagt die Schülerin.
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Shalin (17) hat das Bild „Katrine“ kopiert, das die Malerin Käte Lassen im Jahr 1919 gemalt hat. Der Stil des Bildes gefiel ihr, weil es etwas von einem Comic hat. „Das ist mein Stil“, sagt die Schülerin.

Abmalen kann so schwer sein. Flensburger Schülerinnen machen aus Bildern alter Künstler etwas Neues.

shz.de von
08. Januar 2015, 01:35 Uhr

Die feinen Gräser, die auf dem Bild zu sehen sind, konnte Shalin so nicht malen. „Ich habe gemerkt, dass ich den Pinselstrich nicht so dünn hinkriege“, sagt die 17-Jährige. Deshalb hat sie sich überlegt, wie die Gräser bei ihr aussehen sollen – und eine Lösung gefunden. Sie nahm einen breiteren Pinsel und malte das Bild etwas weniger natürlich, mehr wie einen Comic.

Shalin geht in eine Kunstklasse an der Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg. Ihre Kunstlehrerin Elke Wolny hatte ihr und ihren 19 Mitschülerinnen die Aufgabe gegeben, Bilder abzumalen. Ein Bild abmalen, also kopieren, das ist nicht unbedingt Kunst. „Mir geht es bei dieser Aufgabe darum, dass die Schüler sich mit dem Stil und dem Handwerk eines Künstlers beschäftigen und üben, zu malen“, sagt Elke Wolny.

Ein Bild abmalen – kein Problem, dachten die Schülerinnen, als sie in die Kunstausstellung „Kinder, Kinder!“ auf dem Flensburger Museumsberg gingen und sich jede ein Bild aussuchte. In der Ausstellung sind Darstellungen von Kindern aus sechs Jahrhunderten zu sehen.

Alisha hat einen Ausschnitt aus einem Bild aus dem Jahr 1852 gewählt. „Ich fand das Mädchen so niedlich“, sagt die 16-Jährige. Das Bild sieht fast wie ein Foto aus – doch gerade das macht die Aufgabe so schwierig. „Ich habe mir das erst leichter vorgestellt. Doch es ist so detailliert gemalt“, sagt Alisha.

„Unsere Bilder sind meist nicht so geworden wie die Originale“, stellt Katharina fest. „Das Mädchen, das ich gemalt habe, sieht zum Beispiel so aus, als hätte es zu lang in der Sonne gestanden.“ Malen hat halt auch viel mit Handwerk zu tun – und da haben die Schülerinnen gemerkt, dass sie noch einiges lernen können.

Doch das spornte auch ihre Kreativität an. Shalin veränderte ihr Bild auch, indem sie zum Beispiel die Halskette des Kindes wegließ. „So wirkt das Mädchen etwas offener“, sagt sie. Die Schüler von heute haben ein anderes Bild von Kindern als Künstler vor hundert oder mehr Jahren und ihre Gedanken dazu eingebracht. So sind statt Kopien doch auch ganz neue Kunstwerke entstanden.

> Die Ausstellung „Kinder, Kinder!“ ist noch bis 11. Januar in Flensburg auf dem Museumsberg zu sehen.

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