Menschenskinder : Die Kinder von Liuku

Die Lisu-Kinder in der chinesischen Stadt Liuku haben ihre eigene Sprache.
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Die Lisu-Kinder in der chinesischen Stadt Liuku haben ihre eigene Sprache.

Kina-Reporter Sebastian unterstützt in China ein Projekt, das Minderheiten-Schüler fit für die Zukunft macht.

shz.de von
25. November 2016, 01:55 Uhr

Liuku – die Stadt am Nujiang, dem „wütenden Fluss“. Ungefähr eine Tagesreise mit dem Bus habe ich von meinem Standort in Pu’er dorthin gebraucht.

Seit acht Jahren schon werden dort deutsche Freiwillige von meiner Organisation „Baumhaus“ hingeschickt. Vor einigen Jahren wurde eine Freiwillige darauf aufmerksam, dass Kinder im Schulalter dort tagsüber Plastikflaschen auf den Straßen sammelten, anstatt die Schule zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass sie aus sehr armen Familien mit vielen Kindern kommen und deshalb das Geld für die Schule nicht reicht.

Also wurde ein Projekt aufgebaut, bei dem Paten in Deutschland jeweils für ihr Kind Schuluniform und Bücher bezahlen. Insgesamt werden jetzt 57 Kinder auf diese Weise unterstützt.

In Liuku gehören die meisten Menschen der Lisu-Minderheit an. Einige der Kinder sprechen nur Lisu und kein Chinesisch. Deshalb wurde in diesem Jahr zum fünften Mal eine Sommerschule organisiert, bei der ich geholfen habe. Die bereits unterstützten Kinder und ihre kleineren Geschwister waren in den Ferien einen Monat zusätzlich in der Schule und hatten Unterricht bei chinesischen und deutschen Freiwilligen.

Bei den ganz Kleinen geht es erstmal darum, ihnen etwas Chinesisch beizubringen und sie auf den Schulalltag vorzubereiten. Für die älteren wird der Stoff des letzten Schuljahres noch einmal wiederholt und gefestigt. Einige dieser Kinder, die am Anfang nicht einmal die Schulsprache, also Hochchinesisch sprechen konnten, sind jetzt die besten in ihrer Klasse. Durch die Bildung haben sie langfristig auch die Chance, aus ihrer jetzigen Armut herauszukommen.

Seit ich dieses Projekt betreut und relativ viel mit den Kindern zu tun hatte, habe ich nun das Gefühl, in meiner Zeit in China wirklich etwas Sinnvolles bewirkt zu haben.

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