Mitmachen : Die Kinder-Uni geht an Bord

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Kina-Reporterin Lina entdeckt auf der Insel Föhr, wie man in den Ferien mit viel Spaß etwas lernen kann.

shz.de von
11. August 2018, 01:43 Uhr

,,Achtung, der Anker fällt!“ Skipper John von Eitzen zieht an der Winde, und die eiserne Kette fällt herab. Gespannt beugen sich fünf Mädchen und zwei Jungen über die Reling des nachgebauten Traditionsseglers ,,Ronja“ im Hafen von Wyk auf Föhr. Dann dürfen Marion (11) und Jeanne (10) an der Winde drehen und den Anker wieder hochziehen. ,,Der ist ja ganz schön rostig!“, stellt Carina (11) fest. Skipper John, der die ,,Ronja“ vor zwanzig Jahren selbst gebaut hat, versucht den Kindern mit dem Expeditionskurs ,,Was geht ab an Bord?“ von der Kinder-Uni Föhr die alte Navigationstechnik und die Schönheit der Traditionssegler näherzubringen.

 

Johns Lebensgefährtin Katja Wendt misst mit Thea (9) auf alte Art die Wassertiefe im Hafenbecken. ,,Früher hatten die Segler keine modernen Messgeräte und mussten sich selber Methoden zum Messen der Wassertiefe überlegen, sowie dieses Seil hier.“ ,erklärt Katja Wendt. Dabei lässt Thea langsam ein langes Seil, an dem unten ein Bleigewicht hängt, langsam von der Reling runter. Immer nach einem Meter hat das Seil einen Knoten. Luisa (11) und Carina zählen laut die Anzahl der Knoten mit ,,Eins, zwei…zweieinhalb Meter ist das Hafenbecken bei Ebbe tief!“

Die Kinder-Uni auf Föhr bietet auch dieses Jahr in den Sommerferien wieder ein buntes Programm mit interaktiven Vorlesungen für Kinder von fünf bis 14 Jahren zum Thema Leben auf Föhr, Watt, Landschaft, Kultur und Kunst an. 

 

In der Mitte des Traditionsseglers, in dem sich früher auf den alten Fischerbooten das Wasserbassin zum Transport der Fische und Austernmuscheln befand, setzen sich alle Kinder im Kreis. Skipper John von Eitzen zieht eine Seekarte und einen alten Kompass heraus. Damit zeigt er den Kindern, welche Informationen sich alle auf einer Seekarte befinden. ,,Wo liegt denn Föhr?“ fragt John von Eitzen in die Runde. Alle Kinder zeigen gleichzeitig auf eine rundere Form in der Karte. Auf der Seekarte gibt es viel zu entdecken. Vor allem die eingezeichneten Wracks und die Sandbänke faszinieren die Kinder am meisten. ,,Sind die Sandbänke nicht bei Ebbe gefährlich?“ ,,Was bedeuten die grünen Punkte auf der Karte?“ ,,Sind die roten Striche Wanderwege?“ Die Kinder bestürmen den Skipper mit Fragen. Nach und nach beantwortet er sie alle. ,,Warum hast du eigentlich ein altes Schiff gebaut, und kein modernes?“, will Leon (9) wissen. Schmunzelnd meint der Skipper: ,,Es  gibt einfach genug moderne Schiffe, und ich finde die alten Traditionssegler einfach viel schöner.“ Darüber sind sich alle einig.

 

Am Schluss dürfen die Kinder alle noch selbstständig in die Kajüten hineinklettern und alles genau angucken. Michael (11) bringt es Spaß, mit der Kinderuni Neues zu lernen. Auch Thea gefällt die Kinderuni sehr gut. Sie hat schon zwei von den 120 Veranstaltungen dieses Jahr besucht. ,,Mir hat der Kurs ,Was geht ab an Bord?' sehr gut gefallen. Ich habe gelernt, wie man einen Anker hochzieht und wie ein Schiff von Innen aussieht.“

 

Manche Kinder haben ihre Eltern zu dieser Aktion mitgebracht, einige kamen alleine. Auch die Erwachsenen, wie Thomas Schmitt finden die Uni interessant und abwechslungsreich für Kinder. Viele Eltern kommen gerne mit zu den Veranstaltungen, da sie selber das Thema interessant finden. Doch Erwachsene dürfen nicht bei allen Kursen mitkommen. ,,Kinder stellen andere Fragen als Erwachsene und in der Kinder-Uni sollen die Kinder die Chance haben, ihre eigenen Fragen erklärt zu bekommen“, begründet Gila Rotermund, Kinder-Uni-Projektleiterin bei der Föhr Touristik.

Die Kinder-Uni auf Föhr gibt es schon seit 2010. Die Idee dafür kam von der Nachbarinsel Sylt, die auch so eine Einrichtung hat. Auf Sylt gibt es allerdings nur Vorlesungen und keine Forschungstouren. ,,Vorlesungen alleine finden wir ein bisschen zu wenig für uns, denn wir haben auf dieser Insel unheimlich viele Leute, die gerne etwas zeigen, machen und tun. Und warum sollten wir nicht dieses Wissen nutzen und die Leute ansprechen, ob sie etwas Spezielles für Kinder machen“, erklärt Gila Rotermund. 2017 besuchten die meisten Urlauber die Veranstaltung Weltnaturerbe und Wattenmeer, denn diese Veranstaltung wurde am häufigsten angeboten. Damit die Kinder sich wie echte Studenten fühlen und ein Andenken für Zuhause haben, gibt es bei jeder Kindervorlesung einen Kinder-Uni-Ausweis mit Namen.

Der Föhr Tourismus versucht bei der Auswahl der Vorlesungen bekannte Dozenten wie Meeno Schrader, NDR Fernsehwettermoderator und Professor.  Mojib Latif, einen der weltweit führenden Klimaforscher aus Kiel, zu gewinnen, die kindgerechte Vorträge ausarbeiten. In Kooperation mit vielen anderen Partnern wie Feuerwehr, Küstenschutz, Museen, Einheimischen und Personen, die sich auf Themen spezialisiert haben, wird ein buntes, spannendes und vielseitiges Programm liebevoll ausgearbeitet. Da nennt sich zum Beispiel eine der Vorlesungen „Wie Muscheln kuscheln und Schnecken schlecken“. Dieser fantasievolle Kursname spricht die Kinder besser an.

 

2017 besuchten über 1800 Kinder die Föhrer Uni. Bis September dieses Jahres werden weitere junge Forscher und Forscherinnen auf Föhr ausgebildet. Alle sind schon gespannt auf das neue Programm im Sommer 2019.


 

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