Unterwegs : Die blaue Zeit

Ein Tag nördlich des Polarkreises: Das Licht bleibt hinterm Horizont.
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Ein Tag nördlich des Polarkreises: Das Licht bleibt hinterm Horizont.

Kina-Reporter Luis lebt im Norden Norwegens gerade monatelang in der Dunkelheit. Doch viele Norweger finden diese Zeit sehr gemütlich.

shz.de von
30. November 2016, 03:28 Uhr

Ab Ende November geht die Sonne in Tana nicht mehr auf. Die Leute hier sagen dazu einfach nur, dass es gemütlich ist und ich höchstwahrscheinlich sehr müde sein werde. Mit Letzterem hatten sie Recht, aber mit der Gemütlichkeit bin ich mir noch nicht so sicher.

Während ich diesen Text schreibe, ist die Sonne gerade für die ersten Male in diesem Winter nicht mehr aufgegangen. Nur in der Schulzeit gibt es noch ein wenig Dämmerungslicht.

Aber dafür gibt es im Sommer eine genauso lange Zeit, in der die Sonne überhaupt gar nicht mehr untergeht. Das ist ähnlich wie in Deutschland, wo wir im Sommer mehr Licht haben und im Winter weniger. Nur hier, oberhalb des Polarkreises, ist das stärker zu merken. Es ist aber nicht so schlimm, wie es vielleicht klingt. Überall in der Stadt sind Laternen und in den Häusern gibt es Licht. Und nach einer Weile gewöhnt man sich auch daran.

Aber trotzdem ist es immer noch jedes Mal ein bisschen komisch, wenn man aus der Schule kommt, und es aussieht, wie in der Nacht. Es gibt aber auch gute Sachen an der dunklen Zeit, die hier in Nord-Norwegen „Blåtid” (gesprochen: Blohtied) genannt wird, was so viel wie „blaue Zeit“ bedeutet. Der Name kommt daher, weil in dem Restlicht tagsüber alles aussieht, als würde es blau schimmern. Gut daran ist, dass man die Polarlichter nun besser beobachten und leichter einschlafen kann.

Insgesamt habe ich es mir ein wenig schlimmer vorgestellt, als ich im August hierher gekommen bin. Allerdings habe ich ja auch noch ein wenig mehr als zwei Monate von der „Blåtid“ vor mir.

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