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Umwelt : Der lebende Chemiebaukasten tief im Meer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie sind ziemlich komische Tiere. Sie haben keine Augen und keine Ohren. Und sie sehen eigentlich aus wie Pflanzen. Um was für Tiere es sich handelt? Um Schwämme! Für Forscher sind diese sonderbaren Tiere ziemlich interessant.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Erst eine Schicht Spezialklamotten, dann einen Taucheranzug, zwei Paar besonders dicke Handschuhe, Pressluft-Flaschen, eine Kamera und noch vieles mehr. Wenn sich Werner Müller auf die Suche nach seinen Lieblingstieren macht, braucht er manchmal ziemlich viel Ausrüstung. „Schwämme leben überall, wo es Wasser gibt – egal ob das Wasser kalt, warm, salzig oder süß ist“, sagt er.

Werner Müller ist Wissenschaftler und Taucher und erforscht seit vielen Jahren Schwämme. Diese Tiere gibt es schon sehr lange auf der Erde. Viele Millionen Jahre. Schwämme sind älter als die Dinosaurier. Für Menschen könnten sie sehr nützlich sein, glaubt der Experte: „Wir hoffen zum Beispiel, dass wir mit Schwämmen Wirkstoffe für neue Medikamente finden können.“

Werner Müller hat in seinem Labor schon jede Menge untersucht. Denn viele Schwämme können bestimmte Substanzen herstellen, wohl um sich gegen Feinde zu wehren. Sie haben so etwas wie einen eigenen Chemiebaukasten, mit dem sie sehr wirksame Abwehrmittel selber herstellen.

Dabei helfen ihnen Bakterien und andere Mikroorganismen, erklärt der Wissenschaftler Christian Wild. Weil Schwämme nicht schnell weglaufen können, halten sich viele wohl mit diesen Stoffen Feinde wie Fische oder Wasserschnecken vom Leib. Sie sind so für ihre Feinde giftig oder schmecken zumindest nicht. Die Forscher vermuten, dass man mit diesen Schwamm-Stoffen auch Krankheiten heilen könnte.

Die Forscher finden Schwämme aber auch noch aus anderen Gründen spannend. Zum Beispiel, weil sie im Vergleich zu anderen Tieren sehr einfach aufgebaut sind. Das heißt, dass Schwämme nicht so viele verschiedene Zellen brauchen, um zu leben. Weil Zellen so winzig sind, erkennen die Forscher das nur, wenn sie ein Stück vom Schwamm unter das Mikroskop legen.

Werner Müller wird seine Taucherausrüstung sicher noch oft anziehen, um im Meer oder in Seen nach Schwämmen zu tauchen. „Schwämme haben viele Millionen Jahre überlebt. Da können Menschen noch jede Menge lernen.“

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