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eine lebende Statue : Den ganzen Tag stillstehen und dabei Geld verdienen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Keine einzige Bewegung. Minutenlang. Katja Lukic kann das super. Sie arbeitet als lebende Statue.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2016 | 18:54 Uhr

In hellem Silber leuchtet die Figur auf dem Bürgersteig in der Sonne. Regungslos steht sie da und guckt auf die vorbeigehenden Menschen hinunter.

Ein Mann bleibt neugierig stehen, dann wirft er etwas Geld in die Dose vor der Statue. Plötzlich bewegt sie sich! Stück für Stück, fast wie ein Roboter. Ein Zwinkern mit den Augen, ein kleines Lächeln – dann wird sie wieder starr wie ein Stein.

Ist das etwa ein Mensch oder eine Statue mit Technik? Man muss genau hinschauen, um den Unterschied zu erkennen. Die Frau in dem Kostüm heißt Katja (Foto). Die 47-Jährige arbeitet schon seit 15 Jahren als lebende Statue. Doch wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen Beruf? Katja war ursprünglich mal Erzieherin. Bei einer langen Reise durch Spanien sah sie das erste Mal Straßenkünstler, die sich als Statuen verkleideten. So wollte sie auch ihr Geld verdienen.

Sie nähte sich ihr eigenes Kostüm, bemalte es mit silberner Farbe und stellt sich auf große Plätze oder volle Straßen. Sie lebt in der Stadt Hamburg in Norddeutschland.

Heute braucht sie nur zwanzig Minuten, um sich in eine Statue zu verwandeln. Sie schminkt sich und schlüpft in ihr Kostüm. Das lange Stillstehen lässt sie sehr überzeugend wirken. Für manche Bewunderer macht Katja aber gerne eine Ausnahme. „Kleinen Kindern winke ich auch mal zu“, erklärt sie. Denn wenn Kinder anhalten und sie bestaunen, freut sie sich am meisten. Sie findet: Kinder können etwas, das Erwachsene oft nicht mehr können. „Sie lassen sich von einer Statue wirklich verzaubern“, sagt Katja.

Erwachsene wollen meist eher wissen, wie viel sie verdient oder wie lange man für das Kostüm braucht. Kinder stellen jedoch viel bessere Fragen. „Etwa ob ich Füße habe – die sieht man nämlich nicht“. Oder was sie mache, wenn sie gerade mal nicht als Statue unterwegs sei.

So richtig arbeitet Katja nämlich nur in den Sommerferien und an Feiertagen als lebende Statue. Da ist besonders viel los auf den Straßen – und es kommt mehr Geld in ihrer Dose zusammen.

Auch zur Weihnachtszeit ist Katja als Statue zu sehen. Dann allerdings mit beheizbaren Handschuhen und warmer Unterwäsche aus Wolle. Den Rest des Jahres schreibt sie Bücher, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

Reich werde man als Statue auf der Straße nicht, erzählt Katja. Trotzdem liebt sie es.

Nach einem ganzen Tag als lebende Statue ist Katja übrigens ziemlich kaputt. Das Stillstehen ist doch anstrengend. Abends freut sie sich dann auf ihr Sofa.

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