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Theaterstück : Bühne frei für Störtebeker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Hamburg läuft im Schmidt Theater ein spannendes Kindermusical über den berühmten norddeutschen Piraten.

„Wer immer nur tut, was er schon kann, bleibt nur das, was er schon ist“, sagt der kleine Nikolaus Störtebeker, der sich später den Vornamen Klaus gibt. Im Hamburger Schmidt Theater im Stadtteil St. Pauli hatte jetzt ein Stück Premiere, das sich vor allem mit der Jugend des späteren Piraten befasst. Der Pirat Störtebeker hat vor ungefähr 600 Jahren gelebt und war in Norddeutschland eine Legende. Er war berüchtigt dafür, dass er zusammen mit anderen Piraten die Schiffe von reichen Kaufleuten plünderte, um den Armen etwas von der Beute abzugeben. Dafür wurde ihm am Ende sogar der Kopf abgeschlagen. Das Theaterstück, das jetzt in Hamburg bis Anfang Januar zu sehen ist, zeigt diese grausamen Szenen aber nicht.

Dafür erfährt man, von vielen Liedern begleitet, welche Abenteuer der junge Störtebeker in seiner Kindheit erlebt hat und wie er überhaupt zum Piraten wurde.

Weil er am Nikolaustag geboren wird, wird er Nikolaus genannt. Ohne Eltern muss er sich bei Zirkusleuten durchschlagen, die man früher Gaukler nannte. Ihr Anführer, der bösartige Hieronymus, ist schon bald hinter ihm her. Doch Nikolaus kann fliehen und macht Bekanntschaft mit einer sprechenden Ratte namens Justin. Die Leute hatten damals Angst vor Ratten, weil sie die Pest verbreiteten. Die Pest war eine Infektionskrankheit, an der im 14. Jahrhundert viele Millionen Leute in Europa gestorben sind. Als Nikolaus auf ein Piratenschiff gelangt, haben dort auch alle Angst vor der Ratte. Im Stück ist Justin aber eine lustige Stoffratte, die sich auch mal mit einem Kopftuch verkleiden muss. Die Piraten bringen Nikolaus lustige Lieder bei. Sie haben es vor allem auf reiche Kaufleute abgesehen, die nie genug bekommen können. Einer dieser habgierigen reichen Leute ist ein Herr Pfeffersack. Dem stehlen Nikolaus, die Ratte und ein mutiges Mädchen namens Theo nachts heimlich einen Schlüssel. Der führt sie glatt zu einer geheimnisvollen Schatztruhe. Mit viel Glück schaffen sie es, den betrügerischen Herrn Pfeffersack an den Büttel auszuliefern. So nannte man damals nämlich die Polizei.

Die Schauspieler haben sich mit tollen Szenenbildern und witziger Pantomime viel einfallen lassen. Das Piratenschiff mit den Masten und dem Ausguck ist besonders gut gelungen. In einer Szene wird ein riesiges blaues Tuch aufgespannt. Das soll den Fluss darstellen, in den Nikolaus einmal auf der Flucht hineinspringt. Die Piraten schlüpfen einmal sogar in Frauenkleider, um ein Schiff von der Hanse auszutricksen. So nannte man damals ein Bündnis von reichen Kaufleuten, die ihre Waren auf See transportieren lassen.
Die sieben Schauspieler haben sich einige Mitmachaktionen einfallen lassen. Einmal dürfen die Zuschauer eine „La Ola Welle“ wie im Fußballstadion machen und einmal ein großes Schiff aus Stoff über ihren Köpfen balancieren. In einem lustigen Lied über ein „Stachelswiien“ gibt es sogar einen kleinen Kurs im norddeutschen Dialekt Plattdeutsch. Man erfährt, wie es auf dem Hamburger Fischmarkt zuging und welche Bräuche sie Piraten hatten. Der junge Störtebeker ist am Schluss auch einer von ihnen. „Nur weil man klein ist, heißt das nicht, dass man nicht alles erreichen kann“, stellt der mutige Pirat fest, der von Benjamin Zobrys gespielt wird.

Der Berliner Schauspieler hat auch die Choreographie entwickelt. Er hat sich also ausgedacht, wie sich die Schauspieler auf der Bühne bewegen, wie sie tanzen und wo sie stehen bei den einzelnen Szenen. Für den Text, die Musik und die Regie sind drei Leute verantwortlich, die vorher schon Kindermusicals wie den „Räuber Hotzenplotz2 für das Schmidt Theater geschrieben (Spielbudenplatz 24–28; Hamburg) haben.

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erstellt am 02.Nov.2014 | 14:25 Uhr

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