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Kinder-Uni : Auf Walfang mit elf Jahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spannende Geschichten in der Kinder-Uni auf Föhr: Zum Beispiel die des kleinen Jens Jacob, der zur See fuhr, um seine Familie zu versorgen.

Auf der Insel Föhr, ganz oben links in Schleswig-Holstein, gibt es im Sommer eine Kinder-Uni, wo ihr in den Ferien tolle Sachen lernen könnt. Zum Beispiel wie eine Windmühle funktioniert und woher die Löcher im Käse kommen. Richtige Experten erzählen euch Geschichten, und ihr könnt fragen, was ihr wissen wollt.

14 Urlaubskinder waren jetzt im Friesenmuseum. Am Eingang steht ein riesiger Walkiefer. Es gibt dort ganz viele Walfangsachen anzugucken, wie Harpunen, Boote, Zähne und ein ganz altes Haus, wo vielleicht auch mal ein Kapitän drin wohnte.

Frau Klenk-Steinert hat einen tollen Vortrag gehalten. Und sie hat erzählt, dass damals auch schon Kinder mit zum Walfang gefahren sind. Stimmt das? War der Föhrer Junge Jens Jacob Eschels wirklich schon mit elf Jahren auf einem gefährlichen Walfangschiff? Ja. Die Eltern von Jens Jakob waren sehr arm. Also mussten alle in der Familie mit anpacken. Jacobs Vater fuhr auch auf dem Schiff. Seine Mutter hatte natürlich große Angst.

Aber sie musste sich zuhause um die Geschwister und das Haus kümmern. Damals, vor 350 Jahren, blieben die Frauen ganz allein auf der Insel zurück. Und die Männer waren von Februar bis Oktober zum Walfang unterwegs. Jens Jacob hat später ein Buch darüber geschrieben, deshalb wissen wir heute so gut über sein Leben Bescheid.

War es weit bis zu den Walen? Vier bis sechs Wochen haben die Schiffe gebraucht, um bis nach Grönland und Spitzbergen zu segeln. Motoren gab es noch nicht. Der Wind, die Stürme, das war eine ganz gefährliche Fahrt.

Wie wurden die Tiere gefangen? Jedes der großen Schiffe hatte vier bis fünf kleine Schiffe, die Schaluppen, an Bord. Wenn sie den Blas sahen, wie die Wasserfontäne, die der Wal auspustet, heißt, fuhren sie schnell hin. Dann warf ein starker Mann die Harpune nach dem Tier.

Die war unglaublich schwer, circa fünf bis acht Kilo. Wenn sich die Widerhaken im Fleisch festgebohrt hatten, dann schlug der Wal wild mit der Flosse, und die Walfänger mussten aufpassen, dass er nicht ihr Boot traf. Weil an der Harpune ein langes Seil war, konnten die Tiere nicht entkommen.

Ist trotzdem mal eins entwischt? Ist passiert. Wenn die Tiere unter eine Eisscholle tauchten, dann konnte das Boot ja nicht hinterher. Also musste man das Seil durchschneiden. Der Wal schwamm weg, und alle Arbeit war umsonst.

Wie viele Wale hat man denn gefangen? Manchen Sommer fingen die Männer und Jungen 10 bis 15 Tiere. Walfängerkönig aber war wohl ein Mann von Föhr. Er fing in seinem Leben tatsächlich 373 Wale. Das sind mehr Wale, als das Jahr Tage hat. Unvorstellbar. Er war reich und sehr glücklich. Deshalb nannte man ihn den glücklichen Matthias.

An der Kinder-Uni und überall auf der Insel kennt man seine Geschichte. Wale sind tolle Tiere. Es gibt zwei Arten: Zahn- und Bartenwale. Der Pottwal zum Beispiel hat Zähne und frisst Fische. Er kann stundenlang unter Wasser bleiben und über hundert Jahre alt werden. Bartenwale, wie der Blauwal, den sie vor Grönland gejagt haben, haben Barten statt Zähne. Die sehen aus wie ein herunterhängender Kamm. Damit filtern sie kleinste Tierchen aus dem Wasser.

Was war eigentlich das Wertvollste an den Walen? Das Öl aus den fetten Speckschichten. Die waren über 50 Zentimeter dick. Sie wurden mit scharfen Messern abgeschält und mit einer Winde an Bord gezogen. Dann kamen sie in Fässer und wurden später an Land ausgekocht. Weil es noch keine Elektrizität gab, brauchte man das Fischöl für alles, was hell sein musste: Für Kerzen zuhause, Laternen in der Stadt und Leuchttürme auf dem Meer.

Werden Wale heute noch gejagt? Nein. Als der Strom kam, brauchte man den Tran nicht mehr. Heute ist Walfang verboten. Aber nicht überall. Die Inuit in Grönland dürfen Wale fangen, weil sie dort, wo sie leben, ganz alleine sind und fast nichts anderes zu Essen haben. Alle anderen Länder nicht. Aber leider halten sich nicht alle dran. Hier geht's zur Kinder-Uni auf Föhr: www.foehr.de/kinder-uni

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erstellt am 10.Aug.2017 | 03:43 Uhr

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