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Politik : Am Anfang ging es um Kohle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis die Europäische Union entstand, dauerte es viele Jahre.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2014 | 01:20 Uhr

Wo lebst du? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Du kannst etwa sagen, dass du in einer Stadt lebst. Oder in Deutschland. Oder: in der Europäischen Union, kurz EU.

Heute ist die EU ein Zusammenschluss von 28 Staaten. Es gibt ein gemeinsames Parlament und gemeinsame Gesetze. Viele Staaten teilen sich eine gemeinsame Währung, den Euro. Doch das war nicht immer so. Bis die EU zu dem wurde, was sie heute ist, dauerte es viele Jahre.

Mitgewirkt haben zu Beginn besonders zwei Männer. Der eine hieß Robert Schuman. Er war der Außenminister des Landes Frankreich. Der andere Mann hieß Konrad Adenauer. Er war damals deutscher Bundeskanzler. „Ohne diese beiden Männer würde es die EU vielleicht gar nicht geben“, sagt Wilfried Loth. Er ist Experte für die EU und hat sich mit ihrer Geschichte beschäftigt.

Er erzählt: Robert Schuman stellte vor vielen Jahren einen besonderen Plan vor. Frankreich wollte eine Gemeinschaft aus mehreren Ländern gründen. Sie hatte verschiedene Namen, unter anderem: Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Doch was war die Idee dahinter? Es ging damals hauptsächlich um die gerechte Verteilung von Kohle. Kohle wurde vor allem in Deutschland abgebaut, im Ruhrgebiet. Aus der Kohle kann man Stahl herstellen. Er ist zum Beispiel wichtig für Hochhäuser, Maschinen oder auch Waffen. „Wer viel Kohle und Stahl besitzt, hat auch immer viel Macht“, erklärt der Experte.

Frankreich und andere Länder wollten deshalb auch etwas von dem Rohstoff haben. Denn sie selbst hatten kaum Kohle. Diese war zu der Zeit besonders wichtig. Wenige Jahre zuvor hatte es nämlich einen schrecklichen Krieg gegeben. Deutschland hatte ihn angezettelt. Danach mussten viele Länder neue Straßen und Häuser bauen. Und dafür brauchten sie auch Kohle. Sie wollten, dass nicht nur Deutschland über die Verteilung der Kohle entscheiden kann – sondern eine Organisation. Diese sollte über den Staaten und deren Regierungen stehen. Sie sollte Entscheidungen treffen, an die sich die Staaten halten.

Konrad Adenauer machte damals etwas sehr Außergewöhnliches: Er stimmte der Idee zu. Auch wenn das andere Politiker in Deutschland gar nicht gut fanden. Doch Konrad Adenauer glaubte an den Plan – und an die Idee von Europa. Auch einige andere Länder glaubten daran. Wie zum Beispiel Belgien, die Niederlande und Italien. Auch sie machten bei dem Plan mit. Das war vor mehr als 60 Jahren. Es war ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserer heutigen EU.

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