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Unterwegs : 3000 Gäste auf einer Hochzeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei einem großen Fest durfte Kina-Reporter und Gastschüler Luis im Norden Norwegens dabei sein. So eine Riesenfeier hatte er noch nicht erlebt.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 01:09 Uhr

Wenn du jemals auf einer großen Hochzeit in Deutschland gewesen bist, dann weißt du bestimmt wer alles eingeladen wird. Die Verwandten und einige Freunde und Bekannte – das können schonmal ein paar hundert Gäste sein. Bei einer traditionellen samischen Hochzeit, wie ich sie gerade hier in Nordnorwegen erlebt habe, nimmt das ganze allerdings etwas größere Ausmaße an. Rund 3000 Gäste wurden für die Feierlichkeiten erwartet, und weil mein Gastvater der Großcousin der Braut ist, wurden wir auch eingeladen.

Wir starten früh nach Kautokeino, die vielleicht samischste Stadt der Welt – denn die meisten Einwohner sind Sami. Und der Ort hat auch eine besondere Geschichte, weil hier vor rund 150 Jahren ein Aufstand der Volksgruppe stattfand.

Nur wenige Minuten nach der Ankunft in Kautokeino werden wir von den drei Tanten meines Gastvater entdeckt. Sie schütteln nur kurz besorgt die Köpfe und beginnen, ohne irgendetwas zu sagen, unsere Koften, die traditionelle samische Kleidung, zu richten. Nach ein paar Minuten Ziehen und Zupfen bedanke ich mich auf samisch und sage, dass es genug ist. Vor allem für die ältere Generation von traditionellen Samen ist es sehr wichtig, wie die Koften aussehen. Allerdings bedeutet das auch, dass man, wenn man nichts sagt, dort für immer stehen kann.

Die drei Tanten fangen an zu flüstern. Ich bekomme ein ungutes Gefühl, weil sie auf verschiedene Leute zeigen und ich immer wieder meinen Namen höre. Mein Gastvater erklärt mir, dass die Tanten mir jetzt ein Mädchen aussuchen, mit dem ich in der Brautfolge gehen soll. Die Brautfolge ist eine lange Kette aus allen Unverheirateten über 15, 16 Jahren, die angeführt werden von der Braut und ihrem Trauzeugen. Die Folge geht durch die ganze Stadt, damit alle, auch die nicht in der Kirche Platz haben, einen Blick auf die Braut werfen können.

In der Kirche wartet dann der Bräutigam und das Paar kann sich das Jawort geben. Die engsten Verwandten versammeln sich für ein Gruppenfoto, und alle setzen sich in Bewegung zu der Stadthalle, wo dann auch die eigentliche Feier beginnt. Es gibt ein traditionelles Rentierfleischgericht und mit der Zeit kommen mehr und mehr Leute, und die große Halle füllt sich mit Menschen. Mit der Zeit wird auch die Stimmung etwas lockerer und es werden lustige Geschichten vom Brautpaar auf der Bühne erzählt, Leute fangen an zu joiken, eine traditionelle samische Art zu singen, und sie tanzen in einem großen Kreis um die frisch Verheirateten herum.

Als wir nach Hause kommen, sind wir erschöpft, und es geht schon fast wieder die Sonne auf, in Kautokeino allerdings wird noch zwei Tage weiter gefeiert.

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