Mikrokredite im Problem-Stadtteil : Kiel-Gaarden: Aufschwung auf Pump?

Kiel-Gaarden - einst ein beliebter Stadtteil für Studenten und Künstler. Foto: grafikfoto.de
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Kiel-Gaarden - einst ein beliebter Stadtteil für Studenten und Künstler. Foto: grafikfoto.de

Das Kieler Ostufer soll wirtschaftlich und kulturell belebt werden. Dazu sollen Unternehmer im Problem-Stadtteil Gaarden Mikrokredite erhalten.

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05. Juli 2011, 12:22 Uhr

kiel | In keinem Kieler Stadtteil ist der soziale, kulturelle und ökonomische Unterschied größer im Vergleich zum gesamten Stadtgebiet als in Gaarden. Ob bei der Arbeitslosenquote, der Sozialgeldausgabenhöhe oder der Jugendkriminalität - bei all den Kriterien ist der Stadtteil auf dem Kieler Ostufer Spitze. Dennoch hat Gaarden weitaus mehr zu bieten als diese unrühmlichen Rekorde.
Neben dem Schwimmbad Katzheide, das jeden Sommer mehrere tausend Besucher anlockt, ist der neue Sportpark Anlaufpunkt für viele Sportler des gesamten Stadtgebiets. Wenngleich in den vergangenen Jahren in vielen sozioökonomischen Bereichen auch in Gaarden ein Aufschwung zu verzeichnen ist, gibt es immer noch etliche Problemfelder, die einer Stadtteil aufwertung entgegenwirken. "Segregation (u.a. Ausgrenzungsprozess von Bevölkerungsgruppen, Anm. der Red.) und Verarmung sind immer noch ein Trend in Gaarden", bestätigt Nico Sönnichsen, Referent für Lokale Ökonomie und Quartiersentwicklung der Stadt Kiel.
Mikrokredite von insgesamt 100.000 Euro
Um die Wirtschaft in dem Problem-Stadtteil anzukurbeln, sollen jetzt mit Hilfe von Mikrokrediten sowohl Existenzgründer als auch bereits sesshafte Unternehmer in Gaarden gefördert werden. Gemeinsam mit der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft wird die Stadt rund 20 Darlehen in Höhe von 300 bis 5000 Euro (Gesamtvolumen 100.000 Euro) zur Verfügung stellen. Kreditgeber ist die GLS Gemeinschaftsbank aus Bochum. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, wurde die Nutzung in Form von Wettbüros oder Glücksspielläden im Vorwege per Satzungsbeschluss ausgeschlossen. Koordiniert wird die Unternehmensförderung vor Ort vom neuen "Wirtschaftsbüro Gaarden", das ab 1. September seine Arbeit aufnehmen wird. "Wir wollen mit den Projekten die Bevölkerung in echte Arbeit holen", betont Sönnichsen. Bei einem Migrationsanteil von 46 Prozent wird es aber vor allem darauf ankommen, die Menschen sprachlich und emotional zu erreichen. Daher geht die Arbeit des Wirtschaftsbüros, das noch nach einer Fachkraft mit türkischen Sprachkenntnissen sucht, weit über die des reinen Finanziers hinaus. 690.000 Euro kostet das zunächst auf drei Jahre ausgerichtete Projekt, das mit 460.000 Euro vom Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" gefördert wird.
Um der Verelendung des Stadtteils entgegenzuwirken und Künstler und Studenten nach Gaarden (zurück-)zu holen, sind weitere Projekt in Planung. So soll die derzeit noch von ihrer Umgebung abgeschottete Technische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität geöffnet werden. Zudem soll über das Wirtschaftsbüro der Kontakt zu Eigentümern hergestellt werden, um durch Sanierungen die Wohnungsqualität zu verbessern.
(ts, shz)

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