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US-Reisewarnung : Karneval und Terrorangst – Dügida-Aktivisten ändern Pläne

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Die Kölner Karnevalisten sagen ihren Charlie-Hebdo-Wagen ab. In Düsseldorf wollen sich Rechtsextremisten unter das Narrenvolk mischen. Die Vorfreude auf den Straßenkarneval ist in 2015 getrübt.

Düsseldorf | Die US-Regierung hat für ihre Bürger eine Reisewarnung herausgegeben – auch für den Rosenmontag in Düsseldorf, wo wieder Hunderttausende den Höhepunkt des Straßenkarnevals feiern wollen. An diesem Tag sollten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zwei Dinge zusammenkommen: zum einen der politisch gewohnt bissige Rosenmontagszug der Narren, die sich von den islamistischen Anschlägen von Paris nicht einschüchtern lassen wollen. Zum anderen hatten Rechtsextremisten der anti-islamischen „Dügida“ eine Demonstration geplant.

Das US-Außenministerium riet im Zusammenhang mit der Demo, größere Menschenmengen zu meiden. Am Dienstag änderten die Rechtsradikalen plötzlich ihre Pläne. Statt zu demonstrieren, wollen sie sich „als Mohammed, als Terroristen, Salafisten verkleidet“ unter die Zuschauer des Rosenmontagszuges mischen. Damit kamen sie dem geplanten Verbot der Demonstration durch die Polizei zuvor. „Am Rosenmontag spricht viel für einen polizeilichen Notstand“, hatte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) argumentiert.

Vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht hatte sich bislang aber die Dügida auf ganzer Linie durchgesetzt, nicht einmal die Demonstrationsroute bekam die Polizei verlegt. Wegen einiger Dutzend rechter Anti-Islam-Demonstranten bricht seither jeden Montagabend rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof der Verkehr zusammen.

Man habe für die Kostümierung schon reichlich Sprengstoffgürtel-Attrappen besorgt, frohlockte Dügida. Hinter den Provokationen der Dügida, von der sich die sächsische Pegida distanziert hat, stecken laut Verfassungsschutz Strippenzieher aus dem Umfeld der rechtsextremen Pro NRW. Die Splitterpartei hat bereits vor drei Jahren Gewaltausbrüche von Islamisten in Solingen und Bonn provoziert.

Das Comitee Düsseldorfer Carneval bemüht sich mit seinem Präsidenten Josef Hinkel um Normalität: Es gebe keine besondere Bedrohungslage für den Rosenmontagszug, betonte Hinkel noch am Montag. „Wir können keinem verbieten, sich den Rosenmontagszug anzuschauen“, sagte Karnevalssprecher Hans-Peter Suchand zu den neuen Plänen der Rechtsextremisten. „Randalierer wird die Polizei entfernen.“

Die Düsseldorfer Wagenmotive bleiben bis Rosenmontag traditionell geheim. Wagenbauer Jacques Tilly hat schon Osama bin Laden, Salafisten und andere religiöse Eiferer, aber auch Rechtsradikale auf die Schippe genommen. Doch auch er ist bemüht, die Dinge nicht eskalieren zu lassen: „Ein Mohammed fährt auf jeden Fall nicht mit, ich bin doch nicht lebensmüde.“ Und der Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval drückt es so aus: „Gott und der Prophet sind tabu, aber Bodenpersonal geht immer.“

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erstellt am 10.Feb.2015 | 17:12 Uhr

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