Internet-Phänomen : Kann ein Kettenbrief den Facebook-Algorithmus überlisten?

Der Algorithmus, auf dem Facebook beruht, ist streng geheim. Foto: Imago/Omar Marques
Der Algorithmus, auf dem Facebook beruht, ist streng geheim. Foto: Imago/Omar Marques

Das Gerücht, dass Facebook nur noch Beiträge von 25 Freunden anzeigt, hält sich hartnäckig. Kann ein Kettenbrief helfen?

shz.de von
23. August 2018, 11:48 Uhr

Hamburg | Der Erfolg von Facebook beruht auf dem streng geheimen Algorithmus des Netzwerks. Niemand weiß, wie genau Facebook den Newsfeed – die Start- und Neuigkeitenseite eines jeden Nutzer – zusammensetzt. Besonders in den vergangenen Jahren hat die Gewichtung einzelner Beiträge für viel Ärger bei den Nutzern gesorgt: zu viele Posts von professionellen Seiten und zu wenig von "echten" Freunden, so der Vorwurf.

Ein Kettenbrief behauptet, dieses Problem beheben zu können. Bereits seit Beginn des Jahres taucht dieser Post immer wieder auf und wird fleißig verbreitet. "Ok, ich springe auch auf den Zug und ändere diesen Facebook Algorithmus, da ich merke, dass ich nicht mehr so viele Posts meiner Freunde sehe", mit diesen Worten beginnt der Beitrag. Danach folgt die Anleitung, wie man den Algorithmus überlisten könne: Man müsse einfach nur den Post auf seine eigene Seite kopieren und dann seine Freunde bitten, diesen zu kommentieren.

Der Text des Kettenbriefs:

"Ok, ich springe auch auf den Zug und ändere diesen Facebook Algorithmus, da ich merke, dass ich nicht mehr so viele Posts meiner Freunde sehe. Nachdem ich dies allen meinen Freunden mitgeteilt hatte, zeigte mein Newsfeed eine ganze Reihe neuer Posts meiner Freunde. Ich habe nie bemerkt, wie viele Beiträge vorher nicht gezeigt wurden.

Hier ist erklärt, wie man vermeidet, von den gleichen 25 FB-Freunden und niemand anderem zu hören. Dieser Post erklärt, warum wir nicht alle Beiträge von unseren Freunden sehen. Komisch, ich dachte, wenn ich dir auf Facebook folgen würde, würde ich sehen, was du postest. Leider nicht mehr. Der Newsfeed zeigt zuletzt nur noch Beiträge von denselben wenigen Leuten, etwa 25, immer wieder die gleichen, weil Facebook einen neuen Algorithmus hat.

Das System wählt die Leute aus, die den Beitrag lesen werden. Allerdings würde ich gerne für mich selbst entscheiden, daher bitte ich euch alle um einen Gefallen - Wenn du diese Nachricht liest, lass mir einen kurzen Kommentar, ein "Hallo", einen Aufkleber, was immer du möchtest da. Ansonsten wählt Facebook, was mir angezeigt wird.

Zögere nicht den Text zu kopieren und zu posten, damit du mehr Interaktion mit all deinen Kontakten hast und das System umgehen kannst. Halte deinen Finger irgendwo in diesem Post und "copy" erscheint. Klicke auf "Kopieren". Gehe dann auf deine Seite, starte einen neuen Beitrag auf deiner Seite und füge den Text ein. "

Reaktion von Facebook

Der Kettenbrief spielt auf ein Gerücht an, dass bereits seit einigen Monaten kursiert: Angeblich zeigt Facebook nur noch Beiträge von rund 25 Freunden an. Gegenüber der "Washington Post" dementierte ein Sprecher des Unternehmens die Nachricht bereits im Februar 2018. "Wir sortieren den Newsfeed danach, wie relevant der jeweilige Beitrag für Sie sein könnte, und obwohl wir einige Aktualisierungen vorgenommen haben, die die Anzahl der Posts, die sie von Ihren Freunden sehen, erhöhen könnten, ist Ihr Newsfeed nicht auf 25 beschränkt."

Auch wenn Facebook sich nicht auf 25 Freunde begrenzt: Das Unternehmen wird nicht verraten, warum es uns manche Posts anzeigt und andere nicht. Das wird sich auch nicht dadurch ändern lassen, dass man einen Beitrag eines Freundes einmal kommentiert.

Einstellungen anpassen

Doch man ist als Nutzer nicht völlig machtlos: Es gibt bei Facebook in den vergangenen Jahren immer mehr Einstellungen, die einem eine Mitgestaltung des eigenen Newsfeeds ermöglichen. Über die Hilfe-Seiten des Unternehmens findet man dazu alle relevanten Informationen. Man kann zum Beispiel manche Freunde priorisieren und nervige Bekannte, die bei einem Gewinnspiel nach dem anderen mitmachen, aus dem Newsfeed verbannen ohne ihnen die Freundschaft zu kündigen.

Generell gilt: Umso aktiver man selbst auf der Plattform ist, um so besser kann der Algorithmus einen verstehen und passende Beiträge aussuchen.

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