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sh:z-Projekt : Bundesweit einmalig: Wie die Zeitung Flüchtlingskindern beim Deutschlernen helfen soll

vom

2100 Schüler können drei Monate lang die 21 Tageszeitungen des sh:z lesen. Schirmherr ist Innenminister Stefan Studt.

Büdelsdorf | Mehr als 50.000 Flüchtlinge sind allein im vergangenen Jahr nach Schleswig-Holstein gekommen. Rund ein Fünftel davon sind Kinder und Jugendliche. Was kann eine regionale Tageszeitung zu deren Integration beitragen? Diese Frage stand am Anfang aller Überlegungen zu dem bundesweit erstmaligen Projekt „Willkommen in Schleswig-Holstein“, für das am Donnerstag im sh:z-Druckzentrum Büdelsdorf der Startschuss fiel.

Dass die Kinder schnell Deutsch lernen, ist auch wichtig, damit sie sich untereinander verständigen können. Denn die Kinder kommen aus verschiedenen Ländern und haben verschiedene Muttersprachen. Außerdem trägt das Projekt dazu bei, das Miteinander zwischen Einwohnern des Landes und Flüchtlingen zu verbessern.

Unter der Schirmherrschaft von Innenminister Stefan Studt und finanziert aus den großzügigen Spenden unserer Leser werden landesweit rund 2100 Schüler aus 70 DaZ-Klassen (DaZ: Deutsch als Zweitsprache) ab dem 18. April für drei Monate kostenfreien Zugang zu den 21 Tageszeitungen des sh:z und des Beig-Verlags bekommen. Dazu begleitend gibt es von Experten speziell entwickeltes Unterrichtsmaterial zur Sprachförderung, das an die unterschiedlichen Kenntnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst ist.

Mehr als 50 Lehrkräfte besuchten gestern die Eröffnungs- und Informationsveranstaltung in Büdelsdorf. Integration müsse unbedingt geleistet werden, sagte Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler, die als Vertretung für den verhinderten Innenminister gekommen war, in ihrem Grußwort. Es sei ein entschlossenes und verantwortliches Handeln gefordert. „Allein im Jahr 2015 haben wir im Land 8000 Schüler integriert. Es hat funktioniert, die Schulen haben dabei Großartiges geleistet“, lobte sie.

Wenn nun eine Tageszeitung integrative Hilfe anbiete, dann übernehme man natürlich sehr gern die Schirmherrschaft. Die hohe Zahl der Teilnehmer sei erstaunlich. „Projekte wie dieses geben Anlass zur Zuversicht, hier wird nicht nur zugesehen, sondern gehandelt. Sie nehmen sich der Geflüchteten an, das kann nicht genug gewürdigt werden.“

Es sei die Aufgabe einer Zeitung, die Gesellschaft zusammen zu halten, sagte sh:z-Chefredakteur Stefan Hans Kläsener. Sprache helfe bei der Orientierung. „Es ist meine Überzeugung, dass es keinen besseren Orientierungspunkt gibt als eine Zeitung, die die Menschen an die Hand nimmt und ihnen erklärt, wie das Leben und der Alltag läuft.“ Das Projekt solle dabei helfen, dass es zwischen den Flüchtlingen und den Einwohnern des Landes zu einem vernünftigen Miteinander komme.

Der Unterricht in DaZ-Klassen sei eine große Herausforderung, sagt Acar Sabri, DaZ-Koordinator und Leiter einer Gruppe mit 16 Kindern und Jugendlichen am Schulzentrum Nord in Pinneberg. Das Niveau sei sehr unterschiedlich, einige Kinder seien zuvor nie an einer Schule gewesen. Er ist selbst als Jugendlicher aus der Türkei nach Deutschland gekommen, hat dann erst Deutsch lernen müssen und es anschließend als Fremdsprache studiert. „Ich weiß, wie das alles läuft, und das hilft mir jetzt bei meiner Arbeit.“ Von dem Projekt erhofft Sabri sich Inspiration und eine Abwechslung für seine Schüler. „Der Unterricht aus dem Buch ist irgendwann langweilig, die Zeitung könnte den Kindern Spaß machen. Vielleicht haben einige noch nie eine gesehen.“

Auch Christiane Wittstock ist DaZ-Koordinatorin, arbeitet seit fünf Jahren in diesem Bereich an der Grund- und Gemeinschaftsschule am Eiderwald in Flintbek bei Kiel. „Vor den vergangenen Sommerferien gab es bei uns noch acht DaZ-Schüler – jetzt sind es 42“, sagt sie. Die Bandbreite reiche von einem autistischen Sechsjährigen bis zu einer hochbegabten 16-Jährigen.  „Ich will, dass die Kinder lernen, über den Tellerrand hinaus zu schauen, ihre Region und das Land kennen zu lernen.  Dabei kann die Zeitung helfen. Deshalb finde ich das Projekt sehr gut.“

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erstellt am 18.Mär.2016 | 07:27 Uhr

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