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Langes Warten auf die Flut : Juist-Fähre steckt fest – 650 Passagiere im Watt gefangen

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Der „Frisia II“ fehlt die „Handbreit unterm Kiel“: Die Juist-Fähre steckt fest und die Passagiere müssen unfreiwillig ihren Urlaub verlängern.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 16:32 Uhr

Norddeich | 650 Passagiere auf der Personenfähre „MS Frisia II“ haben am Dienstagfrüh nur die Hälfte der wenige Kilometer langen Strecke zwischen Juist und dem Festlandhafen Norddeich Mole geschafft. Dann fuhr sich die 63,5 Meter lange Fähre im Schlick fest. Fahrgäste und Besatzung müssen nun auf das nächste Hochwasser warten – und das kommt erst am Dienstagabend.

Dieses Warten wurde für viele an Bord lang. „Wir werden zwar verpflegt. Aber nach drei Stunden wurde auch das Wasser knapp. Es gab belegte Brötchen und Suppe“, berichtete Kathrin Lührs telefonisch von Bord der „Frisia II“. Die 26-Jährige wollte von ihrem Juist-Urlaub zurück aufs Festland. An Bord seien nur wenige Insulaner, die meisten Passagiere seien Urlauber. Auch viele Schwangere seien auf dem Schiff. „Das Service-Personal tut sein Bestes. Die können ja auch nichts dafür“, sagte Lührs.

Die „Frisia II“ war um 6.45 Uhr von Juist mit vier weiteren Schiffen der AG Reederei Norden-Frisia in Richtung Norddeich aufgebrochen. „Vier Schiffe haben es mehr oder weniger problemlos geschafft, die 'Frisia II' ist im Schlick aufgelaufen“, sagte der Fahrdienstleiter der Reederei, Ralf Ackermann. Die Lage sei nicht dramatisch; es besteht keine Gefahr, dass das Schiff kippt. „Wir brauchen nur die sprichwörtliche Handbreit Wasser unterm Kiel. Dann könnten wir uns mit Motorenkraft freischwimmen“, hofft Ackermann. „Da könnte das Hochwasser gerade so reichen.“

Allerdings drückt der kalte Ostwind seewärts, da fällt das Hochwasser schon mal niedriger aus. Es könnte also Millimeter-Arbeit werden, immerhin wiegt das Schiff einige hundert Tonnen.

Nicht nur der Weg von Juist ans Festland ist derzeit nur mit Glück zu bewältigen. Auch umgekehrt ist es schwierig. Einige Inselbewohner sind am Festland gestrandet. „Wir sind seit Sonntag hier. Die Flüge nach Juist sind komplett gestrichen. Wir warten nun auf Tauwetter“, sagte Gisela Reuter (58), die auf Juist als Verwaltungsangestellte arbeitet. Sie und ihr Lebensgefährte Ulrich Paul (65) hatten dabei noch Glück und bekamen ein Zimmer im Hotel Reichshof in Norden. Die Inselflieger, die bei normalen Wetterbedingungen fast stündlich den Fünf-Minuten-Flug von Norddeich nach Juist absolvieren, warten auf Wetterbesserung. „Derzeit geht nichts. Die Start- und Landebahn ist völlig vereist“, hieß es bei den Inselfliegern. Erst am Sonntag war wegen des Wintereinbruchs ein Intercity-Zug kurz hinter Norddeich steckengeblieben.

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