„In Deutschland dauert alles etwas länger“

Windmühlenteile auf der Straße: Geduldsprobe für Spediteure und Autofahrer.
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Windmühlenteile auf der Straße: Geduldsprobe für Spediteure und Autofahrer.

Die Chefs dänischer Fuhrunternehmen ärgern sich über die deutsche Bürokratie bei Windmühlentransporten / Die Straße ist der günstigste Weg

shz.de von
26. Juni 2014, 11:02 Uhr

Für den dänischen Export führt kein Weg daran vorbei: Die Transportwege nach Europa führen durch Deutschland. Für den normalen Gütertransport in der Regel kein Problem, trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens, aber für den Schwerlasttransport ist die Fahrt durch Deutschland für Fuhrunternehmer wie Torben Rafn & Co. mit Schwierigkeiten verbunden.

„Um ganz sicher zu sein, dass wir aus Deutschland alle Genehmigungen auch zeitgerecht bekommen, fängt bei uns die Planung bei einem Schwerlasttransport 14 bis 16 Wochen vor der eigentlichen Abfahrt an“, erklärt Jan Rafn, Vertriebs- und Technischer Chef des Familienunternehmens in Sommerstedt bei Hadersleben.

„Alles dauert in Deutschland etwas länger. Wir müssen unter anderem Genehmigungen für die Transporte in allen Bundesländern einzeln einholen. Geht die Fahrt mit einem Schwertransport über 100 Tonnen durch Bayern, müssen unsere Fahrzeuge sogar durch den Tüv, obwohl sie schon in Dänemark geprüft worden sind. Dann werden unsere Fahrzeuge auf einem Parkplatz geprüft, was mit extra Zeit und Kosten verbunden ist, moniert der Logistiker.

Aber die dänischen Exporteure und ihre Fuhrunternehmer haben keine Wahl: Der Transport muss durch Deutschland. Oder?

„Die Probleme an der Rader Hochbrücke bedeuten, dass wir jetzt mit maximal 84 Tonnen über die Brücke fahren dürfen. Für viele unserer bisherigen Aufgaben bedeutet dies, dass wir entweder Umwege machen müssen oder unsere Kunden verschiffen ihr Schwergut und erreichen Deutschland über die Häfen Bremerhaven oder Rostock“, erklärt Rafn.

Aber das ist doch eine vernünftige Lösung? „Dänische Unternehmen haben sich schnell umgestellt und alternative Lösungen zur Brückenproblematik gefunden. Aber egal, wo man auf der Welt ist: Der Lkw-Transport ist am günstigsten – es sei denn die Transportwege sind sehr lang. Daher sind die Alternativen wesentlich teurer und die Kosten kann nur der Kunde tragen“, sagt Jan Rafn und weist darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit des dänischen Exports darunter leidet. „Darüber hinaus hat die Straße den großen Vorteil, dass das Straßennetz so feinmaschig entwickelt ist, dass es einfach die beste Transportlösung bietet“, meint der dänische Fuhrunternehmer.


Gute Verbindungen



In Dänemark haben sich die Verhältnisse für den Schwerlasttransport gewandelt. Der Dialog zwischen Branche und Behörden hat sich merklich verbessert.

„Die Behörden leisten Hilfestellung, wenn es darum geht, zum Beispiel von der Fabrik zu einem Hafen zu fahren – und sie sind bei den Lösungsmöglichkeiten sehr flexibel“, erklärt Jan Rafn. Er glaubt, dass die Behörden erkannt haben, dass viele Arbeitsplätze in Dänemark davon abhängig sind, dass auch bei der Logistik alles klappt.




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