Ärztehonorar : "Ich werde meine Kassenzulassung zurückgeben"

Ärzte aus ganz Schleswig-Holstein ziehen Konsequenzen aus den Honorarankündigungen der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie wollen ihre Kassenzulassung zurückgeben.

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12. Dezember 2008, 11:21 Uhr

Dr. Eberhard Wenzel (42), Hals-Nasen-Ohrenarzt in Husum: "Die Nachricht, dass über die Einführung des Einheitlichen Bewertungsmaß stabs 2009 die Budgets neu eingeteilt werden, hat zur Verunsicherung bis hin zur Panik geführt. Dabei wird es in der Ärzteschaft Gewinner und Verlierer geben - wer auf welcher Seite steht, wird sich erst im Januar zeigen."

Gerhard Marioth, Facharzt für Radiologie, Itzehoe: "Wenn das so kommt, werden wir Ende nächsten Jahres einen Haufen Pleiten erleben. Eine strukturschwache Region wie den Kreis Steinburg trifft die Entwicklung besonders. In den nächsten drei Jahren sind dort 28 von 88 Hausärzten im Rentenalter. Wer will sich hier noch als Arzt niederlassen?"

Eberhard Hoffmann, Hautarzt, Rendsburg: "Ich habe im nächsten Vierteljahr bis zu zwei Drittel weniger. Das reicht nicht, um die Praxis aufrecht zu erhalten. Es ist politisch vorgegeben, dass möglichst viele Fachärzte in die Insolvenz gehen."

Dr. Johannes Kandzora, Kinderarzt aus Neumünster befürchtet, dass auch in Neumünster einige Praxen aufgeben müssen, falls sich an der Regel nichts ändert. Außerdem vermisst er die Transparenz: "Wo ist das Geld geblieben?"

Dr. Michael Weiß, Allgemeinmediziner aus Gelting (Kreis Schleswig-Flensburg):

"Es macht sich großer Frust breit. Derzeit ist meine Praxis rund um die Uhr besetzt. Künftig müssen wir uns überlegen, ob wir das aufrecht erhalten können. In den nächsten Jahren werden die Abschläge mit Sicherheit noch drastischer. Folge: Die Ärzte auf dem Land werden platt gemacht."

Dr. Thomas Blanck, Internist, Westerland:

"Ich war geschockt von der Mitteilung. Für mich bedeutet das 22 Prozent weniger Umsatz pro Quartal, wenn es dabei bleibt. Damit komme ich in einen Bereich, der gerade noch die Kosten deckt."

Markus Thoböll, Oldenswort (Kreis Nordfriesland): "Uns als Gemeinschaftspraxis trifft es nicht so hart, aber einen Einschnitt werden wir auch haben. Ich plädiere für integrierte Verträge direkt mit Krankenkassen, in denen ein fester Betrag pro Patient und Quartal festgelegt ist."

Dr. Ingolf Paluch, Internist, Wyk auf Föhr: "Ich habe zuerst auch gedacht, damit kann niemand leben. Die Verunsicherung bei den Ärzten ist groß. Keiner kann was Genaues sagen. Bisher ist nur klar, dass das sogenannte Regelleistungsvolumen in manchen Fällen um 20 bis 30 Prozent niedriger ausfallen wird, als bisher. Doch das macht nur 70 Prozent der Einnahmen aus."

Dr. Roland Klockenhoff, Allgemeinmediziner, Keitum auf Sylt: "Ich weiß noch nicht, ob mir weniger bleiben wird als zuvor. Daher werde ich vorerst auch keine Konsequenzen ziehen."

Karl-Heinz Adler, Allgemeinmediziner, Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde): "Es ist eine Riesensauerei. Ich brauche einen Nebenjob, um überhaupt noch Geld zu verdienen. Es ist bedauerlich, dass wir uns das gefallen lassen. Es gibt keinen Zusammenhalt zwischen Ärzten."

Dr. Hans-Joachim Miertsch, Augenarzt aus Eckernförde und Mensch des Jahres 2006: "Wir rechnen mit einem um 20 Prozent geringeren Honorar. Wir werden zwar niemanden entlassen, aber auch nicht die beiden neuen Kräfte einstellen wie geplant."

Dr. Andreas Brüning aus Friedrichstadt (Kreis Nordfriesland): "Es ist eine Katastrophe. Die Versorgung wird schlechter. Ich ziehe für meinen Teil die Konsequenzen, das heißt die Sprechstunden werden eingeschränkt, und ich werde mir andere Betätigungsfelder suchen."

Dr. Hans Irmer, Kreisbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Stormarn: "Die Bescheide, die vielen Ärzten aufstoßen, sind nur vorläufig. Bei mir beträgt die Kürzung 40 Prozent."

Dr. Helmut Scholz, Allgemeinmediziner, Rendsburg: "Ich bin mit einem Minus von zehn Prozent noch relativ glimpflich davon gekommen."

Norbert Bräutigam (60), Allgemeinmediziner in Schönwalde (Ostholstein):

"Unsere Einkommen sind seit Jahren nicht gestiegen. Die Vorabinformationen über die Honorarreform haben mich erschreckt, aber ich hoffe, dass dies nicht das letzte Wort ist."

Dr. Karl Rabe (55), Allgemeinmediziner, Leck (Nordfriesland): "Die Erhöhung ist Augenwischerei. In den Praxen kommt nichts an. Für die Patienten bedeutet das eine deutliche Verschlechterung, wenn als Folge Praxen in der Fläche schließen müssen oder die Ärzte die Konsequenz ziehen und weniger arbeiten."

Dr. Michael Renner, Radiologe und Vorsitzender der KV in Pinneberg: "Bei mir glühen die Telefondrähte. Augenblicklich befürchten wir in einzelnen Bereichen Abschläge um bis zu 50 Prozent - das wäre für viele Kollegen existenzvernichtend, denn die goldenen Zeiten im Gesundheitswesen sind lange vorbei."

Carl Culemeyer, Allgemeinmediziner, Ascheffel bei Eckernförde: "Die Zahlen sind existenzbedrohend. Wenn die genaue Berechnung kommt, kann ich entscheiden, ob ich gleich aufhöre oder nicht."

Dr. Falk Buettner, Allgemeinmediziner, Eckernförde: "Ich befürchte Einkommenseinbußen zwischen 15 und 20 Prozent. Das war der letzte Tritt - ich werde meine Kassenzulassung so schnell wie möglich zurückgeben."

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