zur Navigation springen

Fragen und Antworten : „Hooligans gegen Salafisten“: Was sind die Hintergründe?

vom

Verletzte Polizisten und zerstörte Fahrzeuge: Eine Demonstration von der Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ sorgte am Sonntag für einen Großeinsatz. shz.de erklärt, worum es bei „Hooligans gegen Salafisten“ geht.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 12:56 Uhr

Köln | Bei einer Kundgebung von gewaltbereiten Hooligans in Köln ist es am Sonntag zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte mehrere Wasserwerfer ein und ging auch mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Angreifer vor. Eine solche Eskalation der Gewalt habe es in Nordrhein-Westfalen lange nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher. shz.de erklärt, worum es bei der Aktion „Hooligans gegen Salafisten“ geht.

Was ist der Grund für die Demonstration?

Die Hooligans hatten sich versammelt, um gegen Salafisten zu demonstrieren. Mindestens 4000 gewaltbereite Fans von teils verfeindeten Fußballclubs hatten sich mit Rechtsextremen als „Hooligans gegen Salafisten“ zusammengetan.

Die Kundgebung in Köln war von einem Funktionär der Anti-Islam-Partei Pro NRW angemeldet worden, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Der Veranstalter hatte 1500 Personen zu einer friedlichen Demonstration angemeldet - es kamen mindestens 4000. Sie reisten nach Angaben der Bundespolizei teilweise von weither an.

Wer sind die „Hooligans gegen Salafisten“?

Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind eine Bewegung, die sich im Internet gebildet hat und sich über soziale Netzwerke organisiert. Neben gewaltbereiten Fußballfans werden auch Rechtsextreme der Bewegung zugerechnet. Das Bundesinnenministerium beobachtet sie nach eigenen Angaben wegen der hohen Gewaltbereitschaft unter den Sympathisanten seit einiger Zeit verstärkt.

Nach Einschätzung von dem nordrhein-westfälische Gewerkschaft der Polizei-Landesvorsitzenden Arnold Plickert hat die Bewegung ein klares Ziel: „Der Kampf gegen den Salafismus ist nur ein Alibi - man will die Gewalt ausleben.“

Warum eskalierte die Situation?

Als die Hooligans durch die Stadt zogen, kam es zu heftigen Ausschreitungen.  Aus ihren Reihen wurden „Ausländer-raus“-Rufe angestimmt.  „Demonstranten haben massiv Polizisten attackiert“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir haben Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer eingesetzt, um die Situation schnell in den Griff zu bekommen.“

Demonstranten hätten am Ebertplatz Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper auch auf die Beamten geschleudert, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Polizei war mit rund 1000 Einsatzkräften vor Ort. 17 mutmaßliche Gewalttäter kamen in Gewahrsam.

Gab es Verletzte?

Mindestens 44 Beamte von Landes- und Bundespolizei wurden verletzt, einer davon schwer. Aufseiten der Demonstranten ist ein Mensch verletzt worden.

 

Wann war die Demo beendet?

„Die Demonstration ist vom Veranstalter abgebrochen worden. Aber die ehemaligen Teilnehmer haben sich geweigert, das Veranstaltungsgelände zu verlassen“, sagte Jäger. Die Polizei habe dann - auch unter Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern - alle zum Hauptbahnhof geleitet.

Wenig später eskalierte die Lage auch dort. Demonstranten versuchten, das abgesperrte Bahnhofsgebäude zu stürmen. Hooligans seien erneut auf Beamte losgegangen und hätten mit Stühlen und Fahrrädern auf sie geworfen. Die Polizei setzte auch dort Wasserwerfer ein.

Als sich die Lage etwas beruhigte, eskortierte die Polizei die Demonstranten in kleinen Gruppen durch den Bahnhof zu ihren Zügen, damit sie aus Köln abreisen konnten. Auch dabei kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit Einsatzkräften. „Das Gewaltpotenzial war insgesamt wahnsinnig groß, es herrschte eine sehr aggressive Stimmung der Polizei gegenüber“, sagte der Sprecher.

Gab es eine Gegendemonstration?

Ja. Es kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemonstration unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ zusammen - unter ihnen war die Kölschband Brings.

 

Wie bewertet die Polizei den Zusammenschluss von Hooligans und Rechtsextremen?

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält den Zusammenschluss von Hooligans und Rechtsextremen wie am Sonntag in Köln für eine äußert gefährliche Entwicklung. „Wenn sich diese Gruppe jetzt verfestigt und noch wächst, dann haben wir aus meiner Sicht eine neue Qualität der Gewalt“, sagte der nordrhein-westfälische GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert der Nachrichtenagentur dpa.

 

War es die erste Demonstration?

Es sei erschreckend, welchen Zulauf die sogenannten „Hooligans gegen Salafisten“ in den vergangenen Wochen bekommen hätten, sagte Arnold Plickert von der GdP. Vor einigen Wochen habe die Gruppe noch mit wenigen Dutzend Teilnehmern in Mannheim und Essen demonstriert. In Dortmund kamen Anfang Oktober schon mehr als 300 Teilnehmer, die sich vor allem über soziale Netzwerke im Internet organisierten. „Und jetzt haben wir hier in Köln schon 4500 gehabt“, sagte Plickert. Sollte sich das Bündnis in dieser Form festigen, könnten das die Einsatzkräfte der Polizei in NRW parallel zu den ohnehin vielen großen Einsätzen etwa bei Fußballspielen nicht mehr leisten.

 

Wie schätzen Politiker die Lage ein?

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat vor einer falschen Toleranz gegenüber der rasch wachsenden Salafistenszene gewarnt. „Vielleicht ist die Dynamik der Entwicklung vor dem Hintergrund des IS-Terrors in Syrien und im Irak unterschätzt worden“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses der „Passauer Neuen Presse“ (Montag). Wenn man in der Vergangenheit darauf hingewiesen habe, dass man es hier mit einer sehr ernsten Gefahr zu tun habe, sei einem reflexartig Islamophobie vorgeworfen. „Ich hoffe, dass jetzt mehr Realismus herrscht.“

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hatte am Samstag in einem rbb-Interview vor einem rasanten Anwachsen der Salafistenszene in Deutschland gewarnt. Sie umfasse bereits mehr als 6300 Menschen, zum Jahrensende könnten es bereits 7000 sein. Vor wenigen Jahren habe man erst 2800 Anhänger gezählt.

Bosbach sagte der Zeitung: „Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist. Aber alle Terroristen, die Deutschland zuletzt bedroht haben, hatten Kontakt zur salafistischen Szene.“ Deutschland sei ein tolerantes Land, „aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht an der falschen Stelle tolerant sind“. Gegen den Salafismus müsse mit einer „Kombination von Prävention und Repression“ vorgegangen werden.

Bosbach forderte, auch Werbung für eine terroristische Vereinigung unter Strafe zu stellen. Dies lehnt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ab.

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert