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Besuch in Tondern : Hochzeit im Königreich: Warum Deutsche so gern in Dänemark heiraten

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Kaum Bürokratie, aber viel Romantik: In Dänemark boomt der „weiße“ Tourismus. Ein Ortsbesuch in Tondern, wo die Standesbeamtin Deutsch spricht und der Seniorenclub die Trauzeugen stellt.

Tomasz Taporowski spreizt Daumen und Zeigefinger mehrere Zentimeter weit auseinander. „So dick ist der Stapel Papiere von deutschen Behörden“, schimpft der aus Polen stammende Bräutigam im Standesamt der dänischen Kleinstadt Tondern. Auch nach Monaten hätten die deutschen Behörden die Geburtsurkunde nicht anerkannt, daheim in Bayern habe er deshalb nicht heiraten können, sagt er. Eine Viertelstunde später ist der 41-jährige Bauunternehmer getraut.

„Hier in Dänemark geht es schneller, unkomplizierter“, erzählt Taporowski, der seit 1995 in München lebt. Seit zehn Jahren ist er mit Dagmar Hartung (47) liiert, die beiden haben zwei gemeinsame Kinder. „Die Probezeit ist vorbei“, scherzt er. Laut Stadtverwaltung heiraten hier pro Jahr rund 1700 internationale Paare wie sie. Tondern, knapp über 7500 Einwohner, ist das Las Vegas des Nordens.

Auf die dänische Standesbeamtin Claudia Brandt (41) warten nach dem Münchner Paar an dem Tag noch sechs weitere. Die Eheleute stammen unter anderem aus Bosnien, Syrien oder dem Kongo - und fast alle leben in Deutschland. Mal fehlt es an der nötigen Ehefähigkeitsbescheinigung aus dem Ausland, mal an der Geburtsurkunde, funktionierende Verwaltung gibt es in einigen der Herkunftsländer nur noch bedingt. Falls dann alles da ist, laufen oft Fristen aus - eine Befreiung von der Ehefähigkeitsbescheinigung vom jeweiligen Oberlandesgericht gilt beispielsweise nur wenige Monate.

Blumenhändlerin Christine Lassen profitiert wie so viele Unternehmer und Hoteliers in Tondern von den lockeren dänischen Ehegesetzen. Ein paar fertige Brautsträuße hat sie immer auf Vorrat. „Manche kommen rein und rufen “beeilt euch„“, erzählt die 64-Jährige. Falls ihre Kunden nicht genügend Geld für einen eigenen Fotografen haben sollten, schießt sie kostenlos auch ein paar Hochzeitsbilder - im Garten des Blumenladens, mit den Smartphones der Brautleute.„Es ist toll, die Paare mit ihren verschiedenen Nationalitäten zu sehen“, erzählt Brandt, die auch auf deutsch traut. Sie ist eine von insgesamt vier Standesbeamten. „Wir respektieren die verschiedenen Traditionen, etwa dass der Bräutigam mir manchmal nicht die Hand geben will“, sagt sie. Mitbringen müssen die Paare nur wenig. Erweiterter Melderegisterauszug, Pass und falls nötig Visum genügen meist zur Anmeldung wenige Tage vor der Trauung.

Das frisch gebackene deutsch-polnische Ehepaar ist zufrieden. „Für uns privat haben wir schon längst Hochzeit gefeiert und uns auch unsere Namen tätowieren lassen“, erzählt die Ehefrau. Die Urkunde wollen sie sich in Deutschland anerkennen lassen - und dann einen gemeinsamen Namen führen. „Hartung natürlich, das klingt Deutsch, nach Qualität“, sagt Taporowski. Wenn die Ehe nach dem Recht des ausländischen Staates und auf dessen Rechtsgebiet gültig geschlossen wurde, „wird diese Ehe in Deutschland anerkannt“, versichert Ralph Minor, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten.

Dass bei der Eheschließung alles mit rechten Dingen zugeht, dabei hilft mitunter auch Bundespolizist Bernd Andersson. Sollten die dänischen Behörden Zweifel an den Dokumenten haben oder eine Scheinehe vermuten, wenden sie sich über die dänische Polizei an das gemeinsame Zentrum der deutschen und dänischen Polizei in Pattburg. „Von denen, die heiraten, sind die allermeisten unbedenklich“, sagt der 51-Jährige. Das Zentrum unterstütze die dänischen Behörden, dass etwa die Überprüfung der Dokumente oder die Geschichte des Paares schneller laufe, sagt er. „Manche deutsche Ausländerbehörden empfehlen sogar die Heirat in Dänemark.“

Der Hauptkommissar kennt aber auch Fälle, wo etwa eine junge, schöne Frau mit einem viel älteren, wenig attraktiven Mann zum Heiraten über die Grenze kam. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass es sich um eine Prostituierte handelte, die durch die Ehe einen Aufenthaltstitel bekommen wollte. Blumenhändlerin Lassen erinnert sich manchmal auch an alte Männer mit jungen Thai-Frauen.„Bei uns gibt es keine arrangierten Ehen“, betont

Tonderns neuer Bürgermeister Henrik Frandsen. „Bei uns gelten die gleichen Gesetze wie in ganz Dänemark.“ Den Ruf als Hochzeitsmekka habe man dank der Grenzlage. Eine Werbekampagne soll weitere Hochzeitstouristen aus Deutschland hierher locken, die Paare bringen Umsatz - auch wenn sie seit 2014 nicht mehr zwingend mindestens drei Nächte dort wohnen müssen. Der örtliche Seniorenklub stellt regelmäßig Trauzeugen.

Warum sind dann wie für Dagmar Hartung und Tomasz Taporowski die bürokratischen Hürden in Deutschland so hoch? „Es geht darum, sicherzustellen, dass jemand nicht schon woanders verheiratet ist“, sagt ein Sprecher des Bundesjustizministeriums. Änderungen daran seien nicht geplant.

Für das pittoreske Tondern, wo auch Prominente wie der dänische Prinz Joachim oder Rudolf Augstein geheiratet haben, könnte das weitere internationale Hochzeitspaare bescheren. Denn auch dank sozialer Medien lernen sich Standesbeamtin Stenger zufolge immer mehr Menschen aus verschiedenen Ländern kennen. „Die Welt ist kleiner geworden.“

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erstellt am 19.Jun.2016 | 09:44 Uhr

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