Neue und alte Kennzeichen : Heimatliebe auf dem Nummernschild

Traum vom Insel-Kennzeichen: SY-LT.
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Traum vom Insel-Kennzeichen: SY-LT.

Die Diskussion um alte und neue Autokennzeichen weckt Emotionen - auch im Norden. Eckernförde (ECK) will sein Zeichen zurück. Der Verkehrsminister unterstützt Ramsauers Pläne.

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22. August 2012, 10:50 Uhr

Eckernförde | Heimatliebe auf dem Nummernschild: Bei Kfz-Kennzeichen sollen Kreise und Städte freiere Hand bekommen - vor allem, um verschwundene Kürzel wiederzubeleben. Das Ansinnen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) stößt auf ein geteiltes Echo. So unterstützt Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) die Idee, dass die Kommunen in Eigenregie alte Autokennzeichen wiederaufleben lassen oder sogar neue einführen dürfen. Aber: "Ich möchte nicht, dass mehr Bürokratie entsteht und hohe Verwaltungsgebühren genommen werden", sagte Meyer gestern. Insofern gebe es noch Fragezeichen bei der Umsetzung. Das Landeskabinett in Kiel werde sich die Pläne genau anschauen, "aber vom Grundprinzip würden wir es gern befürworten und unterstützen". Dies gelte besonders für die Wiedereinführung alter Kreiskennzeichen wie Eckernförde (ECK) oder Eutin (EUT). Die entsprechende Verordnung Ramsauers soll der Bundesrat im September billigen.
Die Stadt Eckernförde will ihr altes Kennzeichen ECK wieder haben. "Wir sehen das als ein Instrument des Stadtmarketings, das die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt stärken kann", sagte Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel. Wer in Eckernförde oder in den Gemeinden des Altkreises Eckernförde wohnt, soll künftig bei der Zulassungsstelle des Kreises Rendsburg-Eckernförde wählen dürfen, ob er auf dem Nummernschild "ECK" oder "RD" haben möchte. Auch der Bürgermeister von Oldenburg im Kreis Ostholstein, Martin Voigt, kann sich eine Wiederbelebung des alten Kennzeichens "OLD" vorstellen. Eine Umfrage des Fachbereichs Tourismusmanagement der Hochschule Heilbronn habe eine breite Zustimmung der Bürger dazu ergeben. "Ich kann mir vorstellen, dass die Stadtvertretung dem zustimmen würde", so Voigt. Das alte Kennzeichen ist seit der Zusammenlegung der Kreise Oldenburg und Eutin zum Kreis Ostholstein im Jahr 1970 dem Kennzeichen "OH" gewichen.
"Der Kreis Nordfriesland ist eine Einheit"
In Nordfriesland hingegen hatte es der Kreistag bereits Mitte Juni einstimmig abgelehnt, die früheren Kennzeichen HUS, NIB und TÖN wieder einzuführen. Gleiches gilt für mögliche neue Unterscheidungszeichen für zuzulassende Fahrzeuge. Ausgangspunkt für den Beschluss des Kreistages war ein Antrag der Stadt Niebüll auf Wiederzulassung des Kennzeichens NIB. Der Kreis Nordfriesland war 1970 aus den alten Kreisen Südtondern, Husum und Eiderstedt mit den Kennzeichen NIB für Niebüll, TÖN für Tönning und HUS für Husum entstanden. "Der Kreis Nordfriesland ist eine Einheit", sagte der Kreis-Sprecher Hans-Martin Slopianka. Die solle auch nach außen dokumentiert werden. Skeptisch ist auch Bürgermeisterin Petra Reiber von der Insel Sylt. "Bei uns wird jeder scharf darauf sein, das Sylt-Kennzeichen an seinem Wagen montieren zu können, was uns sicher jede Menge Arbeit machen würde", sagt sie - und findet, dass der Verkehrs minister sich um Wichtigeres zu kümmern habe. Nämlich: "Einen zweigleisigen Ausbau der Strecke Hamburg-Westerland."
Kritisch sieht auch der Deutsche Landkreistag die Liberalisierung der Kennzeichenvergabe. Anstatt eine Stärkung regionaler Identität zu bewirken, führe die geplante Änderung des Kennzeichenrechts vielmehr "zu einem Kennzeichenwirrwarr", warnte Landkreistags-Präsident Hans Jörg Duppré in einem Schreiben an die Ministerpräsidenten. Das Zusammenwachsen in Kreisen, die bei Gebietsreformen geschaffen wurden, dürfe nicht "durch eine erneute Kennzeichentrennung konterkariert" werden.

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