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Kommentar : Hauptsache billig: Bald fährt die Bahn nur noch Fernbus

vom
Aus der Onlineredaktion

Die neue Konkurrenz setzt der Deutschen Bahn arg zu. DB reagiert mit billigen Bussen. Ein Kommentar zum Ende der Schiene.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 16:52 Uhr

Hamburg | Es geht langsam zu Ende mit der Eisenbahn in Deutschland. Das schwindende Licht der Nachtzüge ist nur das erste Kapitel in diesem politisch gewollten Verfall.

Im März verkündete die Deutsche Bahn noch die „größte Kundenoffensive in der Geschichte“. Doch der Qualitäts-Vorstoß half dem Schienenriesen weniger als erwartet und liegt jetzt bei den Akten. Es ist der Siegeszug der Fernbus-Konkurrenz, der DB schwerer zu schaffen macht als man zuvor öffentlich zugegeben hätte.

Flixbus und Co. luchsen dem hochsubventionierten Staatskonzern in hohem Maße Fahrgäste ab. Laut der „Stuttgarter Zeitung“ liegen die Mindereinnahmen durch die neue Konkurrenz in diesem Jahr im dreistelligen Millionenbereich. Fast 39 Prozent der Fernbus-Kunden verzichteten demnach in den ersten acht Monaten auf den Kauf einer DB-Fahrkarte.

Kritiker hatten ebendies kommen sehen: Der (2013) liberalisierte Fernbus-Markt diene der Schwächung des Schienenverkehrs – was letztlich zugunsten der Staatskasse, der Straße und der Automobilkonzerne gehe, hieß es. Über den Fernbus werde die Eisenbahn mit dem Ex-Daimler-Mann Rüdiger Grube an der Spitze als Hauptkonkurrent des Autoverkehrs abgeschafft. Ganz so, wie es in den USA schon vor Jahrzehnten geschehen sei. Politiker und Manager blieben bei ihren Beteuerungen, die Schiene werde unter der neuen Konkurrenz auf der Straße nicht leiden.

Wie reagieren die Bahner nun auf diese Herausforderung? Sie investieren nicht etwa in die Schiene, Routen und Service, sondern verlegen ihr Geschäft im verbissenen Preiskampf ebenfalls auf die Straße  – und suchen damit die Rettung ihres Monopols in der inneren Konkurrenz. Mit Berlin Linienbus, Kielius und Co. hat die Bahn inzwischen nur noch einen Marktanteil von neun Prozent auf der Straßen-Fernstrecke. Der neue IC Bus soll günstige grenzüberschreitende Verbindungen ansteuern, die Berlin-Routen werden massiv häufiger frequentiert.

Die Deutsche Bahn hat kapituliert. Ihr Kernprodukt wird mit dem Discount-Angebot für die Straßen unweigerlich weiter in Richtung Luxusgut entwickelt. Das kann eigentlich nur schief gehen, denn Luxus kann das Auto besser. Somit geht die letzte terrestrische Konkurrenz des Automobils in Deutschland mittelfristig von dannen. Bahn und Menschheit leben dann vollends auf der vollgestopften Straße. Schlecht für Umwelt, Gesundheit, Klima und Verbraucher.

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