Fan-Protest gegen Ticket-Sperre : Hansa-Fans: "Hier stirbt der Fußball"

Die Demo der Fans des FC Hansa Rostock ist entgegen der Befürchtungen friedlich verlaufen. Die Rostock-Fans verfolgten nach Abschluss der Proteste dann gemeinsam über Radio das Spiel.

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22. April 2012, 03:34 Uhr

Hamburg | Eine Demonstration Hunderter Fans des FC Hansa Rostock vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli ist am Sonntag ohne Zwischenfälle verlaufen. "Gerechnet haben wir mit anderen Auswirkungen", sagte ein Polizeisprecher im Anschluss. "Jetzt freuen wir uns, dass alles so friedlich gelaufen ist." Rund 1700 Rostocker waren vom Bahnhof Hamburg-Altona aus durch die Stadt gezogen. 310 von ihnen gelten als gewaltbereit. Die Hansa-Fans hatten gegen eine Kartensperre für das Spiel demonstriert.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot von mehr als 1500 Beamten aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen vor Ort. Unter den Einsatzkräften waren auch Spezialkräfte, wie etwa Sprengstoffexperten. Zudem waren mehrere Wasserwerfer in Stellung gebracht worden.Lediglich zwei Festnahmen habe es gegeben, sagte der Polizeisprecher: Ein Hansa-Fan habe in der Bahn mit einer Dose nach einem Hamburger Fußballfan geworfen. Ein zweites Mal griff die Polizei ein, als ein Demonstrant während des Protestmarsches einen Böller zündete.Einige der Fußball-Fans riefen: "Auf, auf in den Krieg" oder hielten Plakate mit Slogans wie "Ganz HH hat Angst vorm FCH" und "Hier stirbt der Fußball" hoch.
Sorge vor Krawallen
Die Veranstalter hatten auf dem rund zweistündigen Protestmarsch immer wieder zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen. Die Rostocker waren empört, weil die Behörden aus Sorge vor Krawallen dem FC St. Pauli untersagt hatten, die vorgesehenen 2500 Karten für das Zweitliga-Spiel am Sonntag um 13.30 Uhr an Hansa-Fans abzugeben.Das Hamburger Verwaltungsgericht hatte den geplanten Demonstrationszug zunächst verboten. Es hatte nur eine Kundgebung in der Nähe des Hauptbahnhofes erlaubt. Das Oberverwaltungsgericht erlaubte dann aber einen Demonstrationszug auf einer geänderten Route.Vor dem Anpfiff des Zweitliga-Spiels versammelten sich zudem rund 800 sogenannte Ultra-Fans des Hamburger Vereins vor dem Millerntor-Stadion.
Sicherheitskräfte hatten befürchtet, dass die beiden verfeindeten Fangruppen dort aufeinandertreffen und es zu Krawallen kommt. Auch dort blieb es aber zunächst friedlich.Vorsichtshalber wurde die Umgebung um das Millerntor-Stadion aber den ganzen Tag über zum Gefahrengebiet erklärt. An einigen Häusern hingen am Vormittag sogar Zettel, auf denen die Anwohner aufgefordert wurden, ihre Häuser "nur im Notfall" zu verlassen. Die Polizei erklärte, sie habe mit diesen Hinweisen nicht zu tun. Es handle sich um eine "Fälschung." Im Anschluss an ihren Protest wollten die Rostocker trotz Karten-Verbot das Spiel der Zweitlegisten verfolgen: Über einen Lautsprecher-Wagen vor dem Bahnhof-Altona wollten sie ihrem Stadionsender zuhören. Danach würden sie geschlossen nach Hause fahren, kündigten die Veranstalter an. Um Krawallen auf der Rückreise vorzubeugen, sperrte die Polizei die Zugänge zu den S-Bahnhöfen für die Hansa-Fans ab.
3:0-Endstand lässt Pauli-Fans hoffen
Nach dem Spiel kann der FC St. Pauli unterdessen weiter auf den direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga hoffen. Der Kiez-Club feierte am Sonntag einen 3:0 (1:0)-Pflichtsieg im Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten Rostock und profitierte zugleich vom 0:2- Patzer des Konkurrenten SC Paderborn in Karlsruhe.
Vor 24.000 Zuschauern im Millerntor-Stadion war Marius Ebbers mit seinen Saisontoren acht und neun (13./49. Minute) der Matchwinner der Hamburger. Fin Bartels (79.) besorgte den Endstand. St. Pauli (59 Punkte) verbesserte sich in der Tabelle hinter Fortuna Düsseldorf (60) auf Rang vier vor Paderborn (58) und peilt den Relegationsplatz an. Für Hansa wird es dagegen im sportlichen Überlebenskampf eng.

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