Nach G20-Krawallen Zum Schanzenfest ist die Polizei in Alarmbereitschaft

Von Markus Lorenz | 18.09.2017, 16:49 Uhr

Linke Gruppierungen rufen zum Schanzenfest auf. Offiziell angemeldet ist das Stadtteilfest bei den Behörden nicht.

Rund zweieinhalb Monate nach den G20-Krawallen im Schanzenviertel rufen linke Gruppen zum berüchtigten Schanzenfest auf - ausgerechnet am Schauplatz der schweren Krawalle vom 7. Juli. In dem Internet-Aufruf einer Gruppierung mit dem Namen „Antirep-Fest“ heißt es: „Holen wir uns die Straßen nun gemeinsam komplett zurück und feiern, flohmarkten und informieren wir uns – wie gewohnt auf unseren Straßen unangemeldet!“

Das Schanzenfest 2017 soll am Sonnabend, 23. September, um 10 Uhr in den Straßen rund um die Rote Flora beginnen. Motto: „Gemeinsam gegen Repression! Gemeinsam für Beschuldigte, Verletzte, Zentren und Strukturen!“

Dass die Veranstalter auf eine Anmeldung bei den Behörden verzichten, hat Tradition bei dem Stadtteilfest. Dieses sorgt seit 1988 zumindest im Vorfeld immer wieder für Unruhe. In den meisten Fällen gab es einen friedlichen Verlauf mit Flohmarkt und Musik. In anderen Jahren nutzten linksextreme Gewalttäter und krawallsüchtige Jugendliche den Anlass aber, um nach Ende des Programms Barrikaden zu entzünden und Polizeikräfte anzugreifen.

Welchen Charakter das Schanzenfest in diesem Jahr annimmt, ist offen. Die Polizei macht keine Angaben dazu, mit wie vielen Kräften sie vor Ort sein wird. Aus Sicherheitskreisen wurde verlautet, dass nicht annähernd so viele gewaltbereite Autonome erwartet werden wie zum G20-Gipfel. Allerdings richten sich die Ordnungshüter auf die Anwesenheit einzelner potenzieller Krawallmacher ein.

Ein formelles Verbot der Stadtteilveranstaltung durch den Bezirk oder die Innenbehörde wird es - wie stets in den Vorjahren - nicht geben. „Wenn uns keine Anmeldung vorliegt, können wir auch nichts verbieten“, heißt es vom Bezirk Altona. So werden die Behörden das Fest dulden, zumindest so lange es friedfertig verläuft.

Das Aufmarschieren massiver Polizeikräfte im Viertel gilt als unwahrscheinlich, um mögliche linke Gewaltbereite nicht zusätzlich zu provozieren. In den Vorjahren hielten sich die Sicherheitskräfte mit größeren Einheiten im Hintergrund bereit.

Besonders geschützt werden dürfte in diesem Jahr die U-Haftanstalt am Holstenglacis, keinen Kilometer Luftlinie vom Schanzenviertel entfernt. Dort sitzen noch etwa 30 Personen ein, die im Laufe der G20-Randale festgenommen worden waren. Die Polizei rechnet mit Protestaktionen linker Gruppen vor dem Gefängnis.

Die oppositionelle CDU fordert den Senat auf, das Schanzenfest zu unterbinden. Unions-Innenexperte Dennis Gladiator: „Der Senat muss jetzt zeigen, wie ernst er es mit der Durchsetzung des Rechtsstaates nimmt.“ Auf keinen Fall dürfe die Schanze wie bei G20 zum rechtsfreien Raum werden. Gladiator: „Die Autonomen dürfen uns nicht mehr auf der Nase herumtanzen.“