Hamburg Polizei erschießt Randalierer

Von Peter Wüst | 02.06.2008, 07:50 Uhr

Sie wollte den Mann nur in Gewahrsam nehmen. Dann jedoch griff der 38-Jährige nach der Dienstpistole der Polizistin - und eine weitere Beamtin schoss.

Nach heftigem Widerstand eines 38-Jährigen hat am Freitagabend eine 41-jährige Polizeibeamtin von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen müssen. Der Täter hatte zuvor einer weiteren Beamtin eine Dienstpistole entwendet.
Gegen 19.20 Uhr waren zwei Funkstreifenwagen in den Neubergerweg gefahren. Ihr Auftrag: einen 38-jährigen Hamburger in Gewahrsam zu nehmen, um ihn einem Amtsarzt vorzuführen. Der 38-Jährige war am Freitag mehrmals in Hamburg-Langenhorn durch Gewalttaten aufgefallen.So hatte er in den Nachmittagsstunden in einem Kindergarten in
Langenhorn grundlos eine Kindergärtnerin angegriffen und diese zu Boden gestoßen. In einem Supermarkt, ebenfalls in Langenhorn, attackierte er eine Verkäuferin. Daraufhin fahndeten Polizeibeamte nach dem Mann, um ihn in Gewahrsam zu nehmen und amtsärztlich untersuchen zu lassen.
Im Flur der Hauses lagen diverse abgerissene Uniformteile
Die Beamten hatten mehrmals die Anschrift des Verdächtigen im Neubergerweg aufgesucht, den 38-Jährigen jedoch nie angetroffen. Nachdem der Mann am Abend in seine Wohngruppe zurückgekehrt und dort gewaltsam eingedrungen war, wurden zwei Funkstreifenwagen dorthin entsandt. Im Wohnungsflur griff der 38-Jährige die Polizeibeamten sofort massiv an. Es kam zu heftigen Widerstandshandlungen. Den Polizeibeamten gelang es nicht, den tobenden Mann trotz Einsatz von Pfefferspray zu überwältigen. Die Polizeibeamten wurden dabei durch Schläge verletzt.
Später stellten Kriminalbeamte bei der Spurensicherung in der Wohnung fest, dass es zu einer erheblichen Auseinandersetzung gekommen sein muss - denn: Im Flur der Hauses lagen diverse abgerissene Uniformteile der eingesetzen Beamten.
Die Situation eskalierte846
Im Verlauf der Auseinandersetzung gelang es dem 38-Jährigen einer Polizeibeamtin
deren Dienstpistole zu entwenden. Die Situation eskalierte, und eine weitere Beamtin (41) musste von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen. Der 38-Jährige wurde getroffen und zog sich mit der entwendeten Dienstpistole in die Wohnung zurück. Die Beamten postierten sich vor dem Haus und forderten zur Unterstützung das Mobile Einsatzkommando (MEK) an.
Um 20.20 Uhr drang das MEK in das Reihenhaus ein und fand den Mann leblos und stark blutend am Boden liegend vor. Er wies im Bauchbereich eine mutmaßliche Schussverletzung auf. Um 20.30 Uhr stellte ein Notarzt den Tod des Mannes fest. Eine Obduktion sollte am nächsten Tag folgen.Die entwendete Dienstpistole wurde in der Wohnung sichergestellt.
Er hatte seit einigen Tagen keine Medikamente mehr eingenom
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Der 38-Jährige war seit 1993 erheblich psychisch erkrankt und auf Medikamente eingestellt. Aufgrund der schweren Erkrankung war er bereits in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt behandelt worden. Er wohnte zuletzt in einer betreuten Wohngruppe. Nach Zeugenangaben hatte er seit einigen Tagen keine Medikamente mehr eingenommen und war deshalb extrem aggressiv.
Die eingesetzten Beamten kamen zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. Sie wurden vom Kriseninterventionsteam betreut und konnten bislang noch nicht zum geschehen befragt werden. Wie es dem 38-Jährigen gelingen konnte, an die Dienstwaffe der Beamtin zu gelangen, ist bislang noch unklar.