G20-Gipfel in Hamburg Feuerlöscher, Molotowcocktails, Zwillen: Polizei zeigt Arsenal der Linksautonomen

Von Markus Lorenz | 04.07.2017, 14:00 Uhr

Die Polizei präsentierte ein Waffenarsenal. Autonome aus Europa sind nach HH unterwegs. Die Polizei ist alarmiert.

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Die Polizei hat im Vorfeld des Hamburger G20-Gipfels bei Linksextremisten eine Reihe gefährlicher Gegenstände und Waffen beschlagnahmt. „Das zeigt: Militanz beim G20-Treffen ist nicht nur Theorie, sondern sehr real“, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Dienstag bei der Präsentation der Asservate. Sie waren in den vergangenen zwei Wochen bei Durchsuchungen in Hamburg und Rostock sichergestellt worden.

Den Fahndern fielen mehrere Dutzend Gegenstände in die Hände, die ihrer Überzeugung nach nur dem einem Zweck dienen sollten: Gipfelteilnehmer und Polizisten in Hamburg gezielt anzugreifen. Zu den sichergestellten Beweisstücken gehören Feuerlöscher, die mit einem Bitumengemisch gefüllt waren. Mutmaßlich sollten Polizisten damit besprüht und anschließend angezündet werden. Die dafür nötigen Bengalos wurden ebenfalls entdeckt.

Interview vor G20-Gipfel

Politikexperte: Gewalt kann eskalieren, aber Polizei wird relativ hart durchgreifen

Meinung – dpa
Welche Bedeutung hat der G20-Gipfel für Linksextremisten? Der G20-Gipfel ist das Ereignis des Jahres für die Linken und vor allem für die Linksextremen, weil sie meinen, sie wollten global und lokal den Kapitalismus angreifen. Es wird gegen Trump demonstriert, die Kurden gegen Erdogan - da hat man alle Themen gebündelt an einem Ort. Der Vorteil für die linke Szene ist, dass sie sehr breit mobilisieren kann. Viele Personen und Gruppen kommen aus unterschiedlichen Motiven nach Hamburg. Auf jeden Fall wollen sie es den Herrschenden mal richtig zeigen.

Wie weit sind die linksextremen Gruppen bereit zu gehen? Sie haben Feindbilder. Da gehören tatsächliche oder vermeintliche Neonazis und Rechte dazu, Funktionäre und Mitglieder der AfD, Burschenschaftler, sämtliche Herrschaftsträger, Politiker, Banker usw. Man sieht bei einzelnen Übergriffen, dass man diesem Personenkreis auch Gewalt zufügt, am Beispiel der AfD oder der Burschenschaftler. Man betont, dass man unter der Schwelle des Tötens bleiben will, dass man die Leute bloß „verkloppen“ will - aber man hat überhaupt kein Problem damit, das zu rechtfertigen. Das sind eben alles Neonazis, Rassisten, Sexisten, Faschisten. Wo sich die Gelegenheit ergibt, werden auch Polizisten direkt angegriffen. Man sieht sie nicht mehr als Menschen, sondern als Büttel des Systems oder Bullenschweine an.

Wie wird die Polizei vorgehen? Die Hamburger Polizei gilt nicht gerade als zart besaitet. Die wird relativ hart durchgreifen, zumal die Bundestagswahl vor der Tür steht und die SPD-geführte Stadt es sich nicht leisten kann, dass linksextreme Gewalttäter das Heft des Handelns in der Hand haben. Ich denke, dass man alle Gewaltaktionen im Keime ersticken will, ob es jedoch klappt, vermag ich nicht einzuschätzen.



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Zudem fanden die Ermittler Flaschen mit brennbaren Flüssigkeiten sowie Böller. In der Kombination ließen sich daraus Molotow-Cocktails herstellen, erläuterte der Polizeipräsident. Die Wirkung solcher selbstgebastelter Sprengsätze demonstrierte die Polizei in einem Film. Die Aufnahmen zeigen, wie ein Böllerbrandsatz einen Schutzhelm zerfetzt. Auch andere der beschlagnahmten Gegenständen lassen sich als tödliche Waffen einsetzen, etwa Messer, Baseballschläger, Schlagstöcke sowie große Zwillen samt Stahlkugeln. 

Besonders bemerkenswert war ein Fund am 22. Juni in Hamburg-Othmarschen, wo zwei bekannte Berliner Linksextreme auffielen. Der Klein-Lkw neben ihnen war voll mit verdächtigen Utensilien. LKA-Mann Jan Hieber: „In dem Kleintransporter befand sich auch eine Winterstreugutkiste, die vermutlich als Waffendepot gedacht war.“ Dazu entdeckten die Fahnder Sturmhauben, Latexhandschuhe, Reizgas sowie ein Spezialgerät namens „Jammer“. Mit dem Störsender lassen sich Handysignale unterdrücken, um eine Ortung zu verhindern. 

Die Fahndungserfolge sieht Hieber als Spitze des Eisberges. Er vermutet: „Das ist nur ein winziger Bruchteil dessen, was noch irgendwo lagert, und was die Täter ab Donnerstag in Hamburg einsetzen wollen.“

Der Polizeipräsident sprach von einem „Höchstmaß an krimineller Energie“ bei gewalttätigen Linken. Die deutsche Autonomenszene wird nach seinen Worten zudem Unterstützung von ausländischen Gesinnungsgenossen erhalten. Laut Meyer befinden sich Extremisten aus Skandinavien, der Schweiz und Italien bereits auf dem Weg nach Hamburg.

Er sagte, dass in den vergangenen Tagen „Bewegungen der autonomen Szene Richtung Hamburg zu beobachten gewesen sind“. Aktivisten aus Skandinavien, der Schweiz und aus Italien spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle, so Meyer. „Hier geht es ja wohl nicht um Sitzblockaden, sondern um massive Angriffe“, ergänzte er.

mit dpa