Hamburg Baggerfahrer findet riesiges Hakenkreuz auf Sportplatz

Von Markus Lorenz | 21.11.2017, 16:19 Uhr

Das Nazi-Symbol lag in der Erde verbuddelt. Bei Bauarbeiten für eine neue Umkleidekabine kam es zum Vorschein.

Bloß keinen Wallfahrtsort für Neonazis zulassen: Nach dem Fund eines riesigen Hakenkreuzes im Erdreich eines Sportvereins in Hamburg-Billstedt, haben die Behörden die Anlage vorerst gesperrt. Alle Trainingseinheiten und Spiele seien bis auf Weiteres abgesagt worden, berichtete Joachim Schirmer, Vorsitzender der Sportvereinigung Billstedt-Horn, am Dienstag. Der Platzwart verwehrte am Mittag zwei jungen Männern in militärischer Tarnkleidung den Zutritt zum Gelände.

Ein Baggerfahrer hatte das vier mal vier Meter große und 1,20 Meter hohe Nazisymbol aus Beton bei Arbeiten für neue Umkleidecontainer neben dem eigentlichen Fußballfeld freigelegt. Das war am vorigen Freitag. Seither grübeln Politik und Verein, was sie mit dem Relikt aus finsterer Vergangenheit anfangen sollen. 

„Wir sind ein Arbeiterverein, den die Nazis verboten haben“

Wie genau das Hakenkreuz in den Billstedter Grund kam und warum es mehr als 70 Jahre unentdeckt blieb - der Vorsitzende der SpVgg Billstedt-Horn weiß es nicht. Der Verein habe mit den braunen Herrschern jedenfalls nichts am Hut gehabt. „Wir sind ein Arbeiterverein, den die Nazis verboten haben.“

Das kleine Fußballstadion an der Möllner Landstraße ist heute nach dem Nazi-Gegner Heinrich Klink benannt. Joachim Schirmer zeigt ein historisches Schwarz-Weiß-Foto unbekannten Datums, auf dem eine Art Gedenksäule mit einem speertragenden Athleten zu sehen ist. Das nun entdeckte Hakenkreuz diente dafür ganz offensichtlich als Fundament. „Das Denkmal wurde in den 1970er Jahre abgerissen“, weiß der Vereinsvorsitzende. Das mächtige Betonkreuz freilich blieb damals im Boden, später wuchs buchstäblich Gras über die Sache.

Geht es nach dem Billstedter CDU-Bürgerschaftsabgeordneten David Erkalp, dann wird das ungewöhnliche Fundstück für die Nachwelt erhalten. „Ich bin dagegen, das Hakenkreuz jetzt einfach zu zerschlagen.“ Erkalp kann sich vorstellen, das Relikt zu bergen und im Museum für Hamburgische Geschichte auszustellen - „als Zeugnis für eine ganz schlimme Zeit in Hamburg“.

Der Leiter des zuständigen Bezirksamts Mitte, Falko Droßmann, hat andere Pläne. Das Hakenkreuz solle dokumentiert, dann aber zerstört werden, schlug der SPD-Politiker vor. Die Fundstelle liegt auf städtischem Grund, der Verein ist lediglich Nutzer des Geländes. Nach Angaben der Kulturbehörde wird das Denkmalschutzamt eine Firma mit der fotografischen Dokumentation und Vermessung des Hakenkreuzes beauftragen. Danach, so heißt es aus der Behörde, werde das Nazisymbol zur „umgehenden Beseitigung“ freigegeben. Auch Joachim Schirmer wünscht sich: „Schnell weg damit.“