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Veröffentlichung der Meinungsumfrage des DOSB : Hamburg vor Berlin: 64 Prozent für Olympia 2024 in der Hansestadt

vom

Zwei deutsche Städte ringen um den Zuschlag für eine Bewerbung um die olympischen Sommerspiele 2024. Eine Meinungsumfrage zeigt eine erste Tendenz.

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2015 | 15:05 Uhr

Hamburg liegt im innerdeutschen Wettstreit um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 mit 64 Prozent Bürgerzustimmung gegenüber 55 Prozent in Berlin vorn. Dies geht aus einer Forsa-Umfrage hervor, deren Ergebnisse der Deutsche Olympische Sportbund am Dienstag via Twitter verbreitete.

Darin wurden repräsentativ 1500 Einwohner der beiden Städte telefonisch zu ihrer Meinung über die Bewerbungspläne gefragt. Seit September 2014 wuchs in beiden Städten die Olympia-Zustimmung deutlich. Auf die Frage zu den Olympia-Plänen hatten sich vor einem halben Jahr 53 Prozent der Hamburger und 48 Prozent der Berliner für eine Bewerbung ausgesprochen. Gleichzeitig sank in diesem Zeitraum in beiden Metropolen die Zahl der Menschen, die das Projekt ablehnen: in Hamburg von 44 auf 32 Prozent, in Berlin von 49 auf 39 Prozent.

Zudem wurde die Frage gestellt: „Unabhängig von ihrer persönlichen Meinung: Glauben Sie, dass die Mehrheit der Berliner/Hamburger eher für oder gegen eine Bewerbung der Stadt um die Austragung der Olympischen Spiele ist?“ Hier glaubte die Hälfte der Berliner (50 Prozent) an eine Mehrheit. Im September waren es 44 Prozent. In Hamburg waren es 77 Prozent, die von der Mehrheit in ihrer Stadt ausgingen, nachdem es im September 56 Prozent gewesen sind. 81 Prozent der Berliner und 82 Prozent der Hamburger würden eine deutsche Bewerbung begrüßen, heißt es in der Pressemitteilung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte zu den Umfrageergebnissen: „Wir freuen uns über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen und vor allem auch darüber, dass es in beiden Städten Zuwächse bei der konkreten Bewerberfrage gab. Wir haben vor Ort gespürt, dass sich das Meinungsklima positiv entwickelt hat. Nun haben wir eine gute Grundlage für den weiteren Entscheidungsprozess.“

Hamburgs Oberbürgermeister Olaf Scholz sieht in den Ergebnissen ein positives Signal: „Olympische Spiele werden da stattfinden, wo sie gewünscht sind. (...) Die heute vorgelegten Zahlen sind ein Schritt hin zu einer deutschen Olympia-Bewerbung. Sie sind auch ein großes Kompliment für alle, die den Traum von Spielen an Alster und Elbe wahr machen wollen und dafür hart arbeiten - vom Sportsenator über die Kammern, Verbände und Sportvereine bis hin zu allen Hamburgerinnen und Hamburgern, deren mannschaftsdienlicher Einsatz in den letzten Wochen und Monaten viele bewegt hat. (...) Ich wünsche mir, dass Deutschland 2024 Olympische und Paralympische Spiele ausrichtet. Hamburg wäre sehr geehrt, wenn der deutsche Sport uns beauftragt, sich für unser Land um Spiele zu bewerben.“

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg sieht die Umfrageergebnisse als Vertrauensvorschuss. „Es kommt klar zum Ausdruck, dass die Hamburger Olympische Spiele in ihrer eigenen Stadt wirklich wollen, und dass sie diese Mammutaufgabe Hamburg auch zutrauen“, sagte CDU-Fraktionschef André Trepoll am Dienstag. „Dieser Vertrauensvorschuss ist zugleich wertvolles Kapital, aus dem eine große Verantwortung erwächst.“ Bis zu einer Volksbefragung sollte die Zustimmung weiter steigen.

Für Fußball-Idol Uwe Seeler bedeutet das Ergebnis der Umfrage: „Dann ist das ja an und für sich schon entschieden. Hamburg ist prädestiniert für Olympia und bereit, die Spiele durchzuführen.“

Hamburgs Olympia-Botschafter, der Unternehmer Alexander Otto, sagte, die Aktionen der vergangenen Monate hätten das Thema zum Stadtgespräch werden lassen und damit ihr Ziel erreicht. „Das Ergebnis zeigt, dass viele Menschen, die anfänglich noch zurückhaltend auf die Spiele reagiert haben, sich ein eingehenderes Bild gemacht haben und jetzt positiv gestimmt sind.“

Das klare „Ja“ der Hamburger könne dem DOSB die Sicherheit geben, dass auch in einem Referendum eine Bewerbung der Hansestadt bestätigt werde, erklärte der Olympia-Beauftragte der Handelskammer, Reinhard Wolf.

Michael Stich, Wimbledonsieger von 1991: „Ein tolles Ergebnis. Das zeigt, dass die Hamburger absolut hinter Olympia stehen. Und die Berliner deutlich weniger. Jetzt müssen wir hoffen, dass der DOSB das bei seiner Entscheidung auch berücksichtigt.“

Auch aus dem nördlichsten Bundesland kommen positive Worte: „Schleswig-Holstein steht bereit mit 100 Prozent Begeisterung! Wir freuen uns über die große Unterstützung der Hamburger Bürgerinnen und Bürger für Olympia im Norden“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig in Kiel. Schleswig-Holstein habe in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zugesichert, Hamburg zu unterstützen und international zum Erfolg zu verhelfen.

„Das Rennen um Olympia zwischen Hamburg und Berlin ist noch nicht entschieden. Die Umfrage ist nur ein Teil des Entscheidungsprozesses. Sie zeigt aber, dass auch die Berliner Bevölkerung unsere Stadt weiter im Wettbewerb um die Austragung der Spiele in Deutschland sieht und bereits jetzt große Teile der Stadtgesellschaft über die Verbände der Wirtschaft und des Sports hinaus hinter der Bewerbung stehen“, sagte der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.

Der DOSB wird im 16. März die Vorentscheidung treffen, ob er mit Hamburg oder Berlin in den Wettbewerb um die Austragung Olympischer Spiele 2024 gehen wird.

Nach dem Debakel mit München bei der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022, die durch ein Bürgervotum zu Fall gebracht wurde, wollte sich der DOSB absichern und die Bevölkerung schon vor der endgültigen Kandidatenauswahl am 21. März ins Boot holen. „Wir möchten natürlich nur dort hingehen, wo Olympia auch wirklich gewollt ist“, stellte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper klar. Er schränkte allerdings ein: „Das ist ein sehr wichtiges, aber nicht das alles entscheidende Kriterium. Dazu gehört natürlich auch die Unterbringung, das olympische Dorf, die Vision, die damit verbunden ist, die Nachnutzung.“

Sollte die Entscheidung für Hamburg oder Berlin fallen, ist dies noch keine endgültiger Zuschlag für die Olympischen Spiele 2024. Auch Rom und Boston haben offiziell eine Bewerbung angekündigt. Die Städte Nairobi, Casablanca sowie Paris, Sankt Petersburg, Kiev, Budapest, Istanbul und Baku erwägen ebenfalls Bewerbungen für 2024 und 2028. Der Fahrplan für die Bewerbung bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Sommer 2017 in Lima (Peru):

15. September 2015: Anmeldung der Kandidatur

15. September: Der DOSB und die Ausrichterstadt melden beim Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) die Kandidatur für die Ausrichtung der XXXIII. Olympischen Spielen an.

7.-9. Oktober 2015

IOC-Seminar zur Information der Bewerberstädte für Olympia 2024.

29. November 2015: Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel

Am 29. November müssen die Einwohner der Stadt in einem Referendum über eine Olympia- Bewerbung abstimmen. Gleiches gilt für Hamburgs Segel-Partner Kiel.

8. Januar 2016: Bewerbungsunterlagen

Abgabe der ersten Bewerbungsunterlagen beim IOC. Das sogenannte Mini Bid Book der Bewerberstädte wird rund 80 Seiten umfassen.

April/Mai 2016

Das IOC-Exekutivkomitee wählt die Kandidatenstädte aus.

5.-21. August 2016: Olympia in Rio

Die Kandidatenstädte nehmen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro am Beobachterprogramm des IOC teil.

Januar 2017

Alle Kandidatenstädte müssen die entscheidenden Bewerbungsunterlagen und Garantieerklärungen beim IOC einreichen.

Februar/März 2017

Besuch der IOC-Evaluierungskommission in den Kandidatenstädten.

Juni 2017

Veröffentlichung des IOC-Evaluierungsberichtes.

Sommer 2017

Die IOC-Session wählt in Lima/Peru die Olympia-Stadt für die Sommerspiele 2024.

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