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Deutschland & Welt

19. Oktober 2017 | 17:19 Uhr

Prozess : Haftstrafe für Autobahnschützen

vom

Er war der Schrecken der Fernstraße: Ein heute 58-Jähriger soll jahrelang auf Lkw geschossen haben. Am Donnerstag fiel das Urteil.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 09:56 Uhr

Würzburg | Der Autobahnschütze aus der Eifel, der von seiner Fahrerkabine aus immer wieder auf andere Lastwagen geschossen hat, ist zu zehn Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Das Landgericht Würzburg sprach den 58 Jahre alten Fernfahrer am Donnerstag schuldig wegen vierfachen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Der Mann hatte aus Frust zwischen 2008 und 2013 mehr als 700 Mal während der Fahrt auf die Ladung von Kollegen geschossen. Dabei trafen seine Kugeln auch Autos. In einem Fall war eine Autofahrerin von einem Querschläger am Hals schwer verletzt worden.

Der Angeklagte hatte die Schüsse zugegeben und beteuert, er habe immer nur auf die Anhänger geschossen und nie jemanden verletzen wollen. Er war trotz jahrelanger Ermittlungen erst gefasst worden, nachdem das Bundeskriminalamt an mehreren Autobahnabschnitten die Kennzeichen aller vorbeifahrenden Autos erfasst und mit den Tatzeiten abgeglichen hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat für den Fernfahrer zwölf Jahre Haft gefordert. Er habe „Roulette mit dem Leben anderer Verkehrsteilnehmer“ gespielt. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Sie hält die massenhafte Erfassung von Autokennzeichen für gesetzeswidrig. Zu Beginn des Prozesses waren dem Fernfahrer 171 Fälle zur Last gelegt worden, darunter fünf Fälle des versuchten Mordes. Am Ende des Verfahrens wurden fast 50 davon eingestellt.

Die Chronologie des Falls

Juli 2008: Der erste Beschuss eines Autotransporters wird festgestellt, bis Ende des Jahres werden neun Fälle bekannt. Anfang 2009: Die Fallzahlen steigen deutlich.

August 2009: Das Bundeskriminalamt richtet die „AG Transporter“ ein, um die Polizeiarbeit zu koordinieren. Bislang sind 127 Fälle bekannt.

10. November 2009: Auf der Autobahn 3 bei Würzburg schlägt eine Kugel durch die Fahrerscheibe des Autos einer Geschäftsfrau. Die 40-Jährige wird von Projektilsplittern in den Hals getroffen und lebensgefährlich verletzt. Bundesweit sind schon 248 Fälle bekannt.

1. Februar 2010: Als zwei Männer mit ihrem Kleintransporter einen Autotransporter überholen wollen, trifft ein Schuss die Scheibe der Fahrertür. Das Projektil tritt durch das Beifahrerfenster wieder aus. Die Insassen erleiden Schnittverletzungen vom splitternden Glas.

Juli 2011: Die Ermittler lassen an Tankstellen und Raststätten entlang der betroffenen Routen Fahndungsplakate anbringen und loben eine Belohnung von 27.000 Euro aus.

Juni 2012: Der Täter verwendet erstmals statt einer Kleinkaliberwaffe eine Pistole des gefährlicheren Kalibers neun Millimeter.

Oktober 2012: Das BKA richtet die Sonderkommission „Transporter“ ein. Dort ermitteln unter Federführung der Bundesbehörde Polizisten aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

20. November 2012: Mittlerweile sind mehr als 700 Fälle bekannt. BKA-Präsident Jörg Ziercke warnt in einer Pressekonferenz: „Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert!“ Die Belohnung wird auf 100.000 Euro erhöht.

3. Dezember 2012: Die Ermittler beginnen, an sieben Autobahnabschnitten automatisch Kennzeichen zu erfassen und diese auszuwerten, wenn in der fraglichen Zeit Schüsse fallen.

April 2013: Bei einer Serie von Schüssen ist klar, dass der Lastwagen des Täters binnen 18 Minuten eine Kamera passiert haben muss. Das führt die Beamten auf die Spur eines Fernfahrers aus der Eifel.

23. Juni 2013: Polizisten nehmen den Tatverdächtigen in der Eifel fest. Die Fahnder finden in einer Hecke zwei Waffen sowie mehrere 100 Schuss Munition. Der Mann gibt die Schüsse zu.

11. August 2014: Unter großem öffentlichen Interesse beginnt am Landgericht Würzburg der Prozess gegen den 58-Jährigen.

Mitteilung BKA zur Festnahme, Juni 2013

BKA-Chronologie zum Fall Teil 1, Juni 2013

BKA-Chronologie zum Fall Teil 2, Juni 2013

Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zur Kennzeichenerfassung

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