zur Navigation springen

Gefährliche Youtube-Streiche : Grusel-Pranks: Clown-Terror in Frankreich

vom
Aus der Onlineredaktion

Gefährlicher Trend: In Flensburg erschrecken Maskierte mit einer Kettensäge Passanten. In Frankreich gibt es erste Festnahmen wegen aggressiver Clowns, die Fußgängern an dunklen Orten auflauern.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 17:06 Uhr

Flensburg/Paris | Vor etwa einer Woche erlebte eine 24-Jährige auf ihrem Nachhauseweg in Flensburg einen Albtraum. Gegen zwei Uhr morgens geht sie mit einer anderen Frau die St.-Jürgen-Treppe hinauf. Ein Mann ruft flehend nach Hilfe, als er blutüberströmt aus einer Hecke hervorkriecht. Die beiden bleiben erst stehen. Dann fliehen sie panisch. Nicht ohne Grund: Plötzlich tritt ein Mann mit Kittel - ebenfalls blutüberströmt - aus dem Schatten und wirft eine Kettensäge an. Er trägt eine weiße Maske, die sein Gesicht komplett verdeckt. Dann sind Schreie zu hören. Von den Frauen. Als die 24-Jährige die Treppe runterrast, stürzt sie und verletzt sich. Sie kann sich aufrichten und rennt weiter. Das Video ist bei Youtube zu sehen.

Auch andererorts sorgen die sogenannten Prank-Videos für Angst und Schrecken. In Frankreich warnen die Behörden dieser Tage vor Clowns. Ein auf Youtube mittlerweile 29,5 Millionen Mal geklicktes Video zeigt einen maskierten Clown, der mit einem Holzhammer oder einer Kettensäge bewaffnet in einer dunklen Garage, einer Unterführung oder einem Park auf „Opfer“ wartet. Die Szenen ähneln sich: Kommen Passanten vorbei, schlägt der Clown zum Beispiel mit dem Hammer auf eine Puppe ein, Kunstblut spritzt. Die geschockten Passanten reagieren in Panik und fliehen. Spätestens dann, wenn der Clown auf sie zurennt. Für den Youtube-Zuschauer ist klar, was in den Szenen passiert, den Fußgängern aber wird ein übler Streich gespielt. Man kann nur erahnen, was für einen Schreck die Leute im Video bekommen. Nicht zuletzt kann es, wie im Fall des Flensburger Kettensägenstreiches, auch zu Verletzungen kommen.

Unter dem Namen DM Pranks haben die Macher des Clown-Pranks, Diego und Matteo, bereits mehrere ähnliche Videos ins Netz gestellt. Die Bilder aus Italien geben einen Eindruck dessen, was derzeit dort und in Frankreich auf nächtlichen Straßen passiert.

Die französische Polizei reagiert nun auf den Trend. Mehrere Gruppen von Clowns sind in den vergangenen Tagen festgenommen worden. Grund für die Festnahmen: Sie besaßen Schlagringe und Schlagstöcke. Die Waffen sowie die Störung der öffentlichen Ordnung kamen dazu. Im südfranzösischen Ort Adge hatte die Polizei am Samstag 14 verkleidete Jugendliche vorübergehend festgenommen. In der Nacht zu Sonntag wurde in Montpellier ein 35-Jähriger von einer Person im Clownskostüm und zwei Komplizen mit einer Eisenstange brutal attackiert. 30 Schläge musste der Mann einstecken. Das Trio wurde gefasst.

In Nordfrankreich wurde in der vergangenen Woche ein 19-Jähriger zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er bedrohte in einem Clownskostüm Passanten mit der Nachbildung eines langen Messers, berichtet das Internetportal „20min.ch“. Seither warnt die Polizei in Frankreich auf ihrer Internetseite vor den aggressiven Clowns. Bürger sollen die Polizei rufen, sobald ein Clown gesehen wird.

Wie auch in Flensburg distanzieren sich die in Frankreich über Facebookgruppen organisierten Jugendlichen von exzessiver Gewalt, es gehe um Spaß. Im Video ist davon jedoch nicht viel zu erkennen. Von Aufhören ist nicht die Rede. Auf den Seiten wird massiv dazu aufgerufen, selbst in ein Kostüm zu steigen.

Auch die Youtube-Stars Vitaly Zdorovetskiy und Nick Santonastasso haben sich kürzlich zu einem Prank hinreißen lassen. Santonastasso kam ohne Beine und mit nur einem Arm zur Welt. In dem Prank wird er von Zdorovetskiy scheinbar mit der Kettensäge verstümmelt. Wieder ist das Ziel des Videos, Passanten zu erschrecken.

Die „Pranks“ (Streiche) sind ein Phänomen, das vor allem in den USA und Großbritannien an Halloween bekannt geworden ist. Das Erschrecken von Leuten soll witzig für die Zuschauer sein und die Betroffenen bloßstellen. Das Problem: Die aktuell bekannt werdenden Fälle sind keine witzigen Streiche mehr. Sie spielen vielmehr mit der Todesangst von nichtsahnenden Bürgern. Ein Clown, der in der Dunkelheit mit einem schweren Hammer offenbar einen Menschen erschlägt und einen danach verfolgt, ist für die wenigsten Beteiligten lustig.

Die Reaktionen auf die Videos sind daher auch vielfach negativ. So auch im Falle des Flensburger Videos.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen