TV-Kritik: "Wetten, dass..?" : Gottschalk stellt Jauch die Nachfolger-Frage

Michelle Hunziker sah ihrer letzten 'Wetten, dass..?'-Sendung an der Seite von Thomas Gottschalk mit Wehmut entgegen: 'Es wird hart für mich werden'. Foto: dpa
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Michelle Hunziker sah ihrer letzten "Wetten, dass..?"-Sendung an der Seite von Thomas Gottschalk mit Wehmut entgegen: "Es wird hart für mich werden". Foto: dpa

Thomas Gottschalk feierte seinen Abschied bei "Wetten, dass..?" mit gluckernden Toilettenspülungen, einer latent verwirrten Michelle Hunziker und einem Antrag an Günther Jauch.

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04. Dezember 2011, 09:48 Uhr

Friedrichshafen | Thomas Gottschalk war sich für nichts zu schade. Nach verlorenen Wetten tanzte er Schwanensee im Tutu oder ließ sich als menschliche Wurst im Senf versenken. 24 Jahre lang amüsierte er das ZDF-Publikum - zynismusfrei und meist familientauglich. Nach einem Abschied auf Raten gab Gottschalk am Samstagabend seine allerletzte "Wetten, dass..?"- Vorstellung, feierte unverhohlen seine Sendung und sich selbst.
"Ich bin ohnehin der letzte Clown, der unterwegs ist", läutete der inzwischen 61-Jährige den Abend ein, "Berlusconi ist weg, Gaddafi ist weg…" – und Gottschalk wechselt immerhin den Sender, ab Januar wird er im Vorabend-Programm der ARD zu sehen sein. "Ich blicke auf eine lange, fast möchte ich sagen große Karriere zurück", bilanziert der Moderator nach 151 Sendungen seinen ZDF-Erfolg und bekennt: "Ich bin ‚Wetten, dass..?’" Die Grenze zwischen Größenwahn und Selbstironie ist bei Gottschalk fließend.
Die Sensation auf dem Sofa: Übernimmt Günther Jauch?
Trotzdem gerät der Abend locker-unterhaltsam, Modeschöpfer Karl Lagerfeld plaudert mit Schauspieler Til Schweiger und Hollywood-Star Jessica Biel. Und dann die Sensation: Thomas Gottschalk bietet Günther Jauch die Moderation von "Wetten, dass..?" an. Der ehemalige Radio-Kollege ist offensichtlich perplex. "Hätte meine Antwort einen verbindlichen Charakter für das ZDF?", fragt er. Jauch erbittet 24 Stunden Bedenkzeit und lädt Gottschalk spontan zu seinem RTL-Jahresrückblick am Sonntagabend ein. Dort will Jauch seine Entscheidung bekannt geben - das bringt Quote. Ob die Nachfolge-Frage bei "Wetten, dass..?" sich damit erledigt hat, bleibt jedoch unklar.
Klar jedenfalls ist, dass die Wetten am Samstagabend trotz aller Abschiedsgesänge im Zentrum stehen und das Publikum bei Laune halten. 50 Turner springen beispielsweise per Salto auf einen zwei Quatratmeter großen Tisch und finden dort aufeinander gestapelt Platz. Ein Mountainbike-Radler fährt schneller als Snowboard-Olympia-Sieger Gian Simmen. Und ein Herr mittleren Alters kann 20 WCs am Spül-Geräusch unterscheiden. "Für Männer ab 50 werden Toiletten immer wichtiger", erläutert er die Wett-Idee, sein Tonfall erinnert an den eines Weinliebhabers: "Diese zieht ein bisschen nach", kommentiert er mit kraus gezogener Stirn ein Spülgeräusch, "und blubbert so schön". Die 50 Turner werden Wettkönige und müssen sich das gewonnene Auto "demokratisch" teilen, alle Wetten des Abends gehen als gewonnen durch
Michelle im durchsichtigen Kleid? - Aber nein...
Weniger konzentriert als die Kandidaten schwebt Gottschalks Co-Moderatorin Michelle Hunziker über die Bühne: Zum Abschied hat sie "Thommy" ein paar Verse gedichtet, verhunzt jedoch den Schlussreim. Und als sie den Talkgästen Kuchen auffüllt, wirft sie gleich mehrere Gläser um. Gewohnt adrett präsentiert sich die Hunziker im golddurchwirkten Kleid dennoch. "Durchsichtig?!" Aber nein…
Bei der Klo-Wette fragt Gottschalk seinen Gast Dirk Nowitzki: "Pinkelst du eigentlich im Stehen?" Der 2,13-Mann antwortet promt: "Ja." - "Und triffst du?" Scherze wie diesen bringt der Showmeister wie immer zielsicher und beiläufig; die Zuschauer lieben ihn dafür. Der Mann des Abends wahrt die Fassung, überzieht seine Sendezeit ein letztes Mal; Schuld sind heute die stehenden Ovationen des Publikums. Thomas Gottschalk lächelt, bedankt sich artig - und geht.

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