Neuer Hafen für Segelschulschiff : "Gorch Fock" soll offenbar nach Flensburg

Hier könnte sie bald länger liegen: die 'Gorch Fock' im August 2010 am Anleger der Marineschule Mürwik. Foto: rtn
Hier könnte sie bald länger liegen: die "Gorch Fock" im August 2010 am Anleger der Marineschule Mürwik. Foto: rtn

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" soll offenbar bis Oktober nach Flensburg verlegt werden. An der Marineschule in Mürwik sollen dann Offiziersanwärter in den Masten trainieren.

shz.de von
21. Juni 2011, 11:14 Uhr

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" soll offenbar zur besseren Kadettenausbildung für zwei Monate von Kiel zur Marineschule Flensburg-Mürwik verlegt werden. Dort werde der neue Offizierslehrgang an Bord der Bark seine Segelvorausbildung erhalten, heißt es aus Marinekreisen. Die Kadetten sollen unter anderem im Hafen auch das Aufentern in die Masten trainieren. Geplant sei, dass die "Gorch Fock" bis vorerst Ende Oktober in Flensburg bleibe.
Der Windjammer soll zunächst als Ersatz für einen geplanten Übungsmast an Land dienen. Er wird zunächst nicht errichtet, weil der Betriebsschutz Einwände habe. Zudem fehlten auch noch die rund 600.000 Euro für die Maßnahme, heißt es in Medienberichten. Ein Sprecher konnte offiziell noch nichts bestätigen.
Königshaus an Bord des Schiffes
Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, hat am Montag das Segelschulschiff "Gorch Fock" besucht. Unter anderem führte die Crew des Dreimasters Königshaus das Setzen der Segel vor. Außerdem habe der Wehrbeauftragte während seines mehr als vierstündigen Besuchs an Bord Gespräche mit der Stammbesatzung des Ausbildungsschiffs geführt.
Er sehe, dass sich die Besatzung bemühe, die Sicherheit zu verbessern, sagte Königshaus. Er zeigte sich optimistisch, dass das Schiff nach Abschluss aller Untersuchungen weiterfahren werde. Für seinen Bericht warte er das Ergebnis der Havariekommission der Marine ab.
Abschlusstreffen der Havariekommission

Die Kommission ist unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu ihrer letzten Verhandlung in Kiel zusammengekommen. Bei der zweitägigen Sitzung sollen abschließend die Umstände des Todesfalls der Kadettin Sarah Lena Seele, die im November auf dem Segelschulschiff aus der Takelage gestürzt war, geklärt werden, sagte ein Marinesprecher in Glücksburg (Kreis Schleswig-Flensburg).
Der Bericht der Kommission werde voraussichtlich bis Ende Juni fertig sein und dem Marine-Inspekteur, Vizeadmiral Axel Schimpf, übergeben. Berichte der Havariekommission seien nicht mit Gerichtsurteilen vergleichbar, betonte der Sprecher. Im Vordergrund stünden vielmehr Empfehlungen, wie in Zukunft Unfällen vorgebeugt werden könne.
Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt
Die 25 Jahre alte Offiziersanwärterin war im November 2010 am zweiten Tag der Segelvorausbildung im Hafen von Salvador de Bahia (Brasilien) aus der Takelage gestürzt und gestorben. Medienberichten zufolge hatte die Kadettin sieben Mal auf- und abentern müssen. Die Mutter der Kadettin hatte Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Die Kieler Staatsanwaltschaft stellte nach monatelanger Prüfung am 9. Juni ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Nach Ansicht der Ermittler gibt es keine ausreichenden Anhaltspunkte für strafrechtlich zu bewertendes Fehlverhalten. Oberstaatsanwältin Birgit Heß ließ aber Kritik an den Ausbildungsregeln erkennen.
Neben den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und der Havariekommission befasst sich außerdem eine unabhängige Kommission im Auftrag des Verteidigungsministeriums mit der "Gorch Fock". Sie soll Empfehlungen über die seemännische Basisausbildung auf der "Gorch-Fock" geben. Voraussichtlich bis Ende Juli wolle die vierköpfige Kommission ihren Vorschlag dem Verteidigungsminister als Auftraggeber zukommen lassen, hatte deren Leiter, der Historiker und Sprecher des Beirats Innere Führung der Bundeswehr, Reiner Pommerin, im Mai angekündigt. Ob am Ende eine Empfehlung stehen wird, das Segelschulschiff beizubehalten oder nicht, ist offen.
(dapd, dpa, shz)

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