Terror-Alarm in Australien : Geiselnahme in Sydney: Fünf Menschen frei

Ein bewaffneter Mann stürmt ein Café, nimmt Geiseln und lässt sie eine Fahne mit Allah-Spruch halten. Seine Motivation bleibt zunächst unklar.

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15. Dezember 2014, 11:04 Uhr

Sydney | Bei einer Geiselnahme in der australischen Metropole Sydney hat sich auch nach acht Stunden keine Lösung abgezeichnet. Ein bewaffneter Geiselnehmer hielt am frühen Montagabend (Ortszeit) immer noch eine unbekannte Zahl von Geiseln in einem Café fest. Polizeiexperten verhandelten weiter mit ihm, sagte die stellvertretende Polizeichefin Catherine Burn. Es gebe inzwischen Erkenntnisse, was der Mann wolle - Einzelheiten nannte sie aber zunächst nicht. Auch zur Identität des Mannes machte sie keine Angaben.

Sie bestätigte, dass fünf Leute aus dem Café entkamen - ob sie freigelassen wurden oder flüchteten, ließ Burn offen. Zunächst waren drei Männer aus dem Gebäude gerannt, zwei Stunden später zwei Frauen, darunter eine Frau mit einer Schürze des Cafés. Einer der Freigelassenen war im Krankenhaus. Er sei aber in guter Verfassung, wie ein Krankenhaussprecher sagte. Nach Angaben von Burn wurde niemand verletzt. Die Polizei setze alles dran, die Situation friedlich zu Ende zu bringen.

Der Geiselnehmer hatte am Montagmorgen zwei Frauen gezwungen, eine schwarze Fahne in das Fenster des Cafés zu halten. Darauf stand in weißer Schrift das muslimische Glaubensbekenntnis. Der Polizeichef hatte zuvor betont, dass noch nicht sicher sei, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund habe. Es handelte sich aber nicht um die Fahne der im Irak und in Syrien aktiven Terrormiliz Islamischer Staat. Die Bedeutung der Fahne werde noch untersucht, sagte Polizeichef Andrew Scipione. „Wir prüfen noch, welche Motivation dahinter steckt. Wir wissen noch nicht, woher der Mann kommt.“

Das Gebiet am Martin Place im Geschäftsviertel von Sydney ist weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Gebäude wurden geräumt. Einige Bürogebäude in unmittelbarer Nähe des Lindt Chocolat Cafés wurden aber abgesperrt und die Angestellten gebeten, dort auszuharren.

Die australische Anti-Terror-Polizei ist nach einem Überfall mit Geiselnahme in Sydney im Großeinsatz. „Es handelt sich um mindestens einen bewaffneten Täter, der eine unbekannte Zahl von Geiseln festhält“, sagte Scipione am Montag bei einer Pressekonferenz. Es gebe keinen direkten Kontakt mit dem Geiselnehmer. Nach Angaben von Premierminister Tony Abbott gab es Anzeichen für eine politisch motivierte Tat. „Dies ist ein sehr beunruhigender Vorfall“, sagte er.

In dem Café sollen sich mehr als ein Dutzend Geiseln befinden. Der Chef von Lindt in Australien, Steve Loane, sprach von möglicherweise 40 bis 50 Gästen und Mitarbeitern in dem Café. Polizei-Verhandler stünden jetzt in Kontakt mit dem Täter, sagte sie. „Das mag eine Weile dauern“, sagte Burn. Oberste Priorität sei es, den Zwischenfall friedlich zu beenden.

Der öffentliche Verkehr wurde in Sydney weiträumig umgeleitet. Die Flugsicherung dementierte Medienberichte, wonach der Luftraum über Sydney gesperrt worden sei. „Wir tun alles, um dies zu einem friedlichen Ende zu bringen“, sagte Scipione. Die Polizei sei auf solche Einsätze vorbereitet.

Fernsehsender filmten den Geiselnehmer durch ein Fenster des Cafés. Auf dem Video war ein Mann mittleren Alters mit grauem Bart und einem Kopftuch zu sehen, auf dem offenbar arabische Schriftzeichen standen. Der Mann trug einen schwarzen Rucksack. Laut Süddeutsche forderte der Mann außer der IS-Flagge ein Gespräch mit dem Premierminister. Zudem habe er vier Bomben deponiert.

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