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Aktion Arschloch! : Gegen Rechts: „Schrei nach Liebe“ zurück in die Charts

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Die private Initiative „Aktion Arschloch!“ will den Die-Ärzte-Klassiker „Schrei nach Liebe“ zurück in die Radios und Charts zu bringen. Das Lied von 1993 richtet sich gegen Neonazis.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 16:00 Uhr

„Schrei nach Liebe“ ist das vielleicht bekannteste Lied der Band Die Ärzte und wurde 1993 als erste Single nach der Wiedervereinigung der Gruppe veröffentlicht. Mit dem Song positionierte sich die Band erstmals deutlich gegen politisch-rechte Einstellungen und Neonazis.

Nach dem Erscheinen der Single 1993 wurde der Song zunächst von einigen Radiosendern als niveaulos betrachtetet, da im Refrain das Wort „Arschloch“ gerufen wird. Trotzdem oder gerade deshalb gewann das Lied schnell an Beliebtheit und wurde zur bis dahin erfolgreichsten Single der Band.

Die „Aktion Arschloch!“ hat sich nun das Ziel gesetzt, den Ohrwurm wieder in die Radios, die deutschen Charts und damit das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Damit möchte der Initiator ein Zeichen setzten gegen den Rassismus, die sich momentan in den Protesten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland, zum Beispiel im sächsischen Heidenau, zeigt.

„Ich möchte einfach ein Zeichen gegen die in Deutschland grassierende Fremdenfeindlichkeit setzen“, sagte der Initiator Gerhard Torges aus Georgsmarienhütte dem Tagesspiegel. „Ich möchte das Thema stärker in die Medien bringen. Das Lied der Ärzte hat es schon einmal geschafft, ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen - vielleicht kann es erneut das Denken und das Verständnis der Menschen ändern und etwas bewegen.“

Er ruft dazu auf, den Song bei  iTunesGoogle PlayAmazonMediaMarkt oder direkt bei Die Ärzte zu kaufen und zu bewerten, ihn sich bei Radiosendern oder in Clubs zu wünschen, das Video auf YouTube abzuspielen und andere ebenfalls zum mitmachen aufzufordern. Außerdem ruft Aktion Arschloch! dazu auf, Flüchtlingen zu helfen, etwa durch Geldspenden.

Obwohl die Aktion erst seit vier Tagen läuft, kann sie schon einige Erfolge verzeichnen: Die Single steht in Amazons „Aufsteiger des Tages“- Ranking auf Platz drei und vier (weil sie auf zwei verschiedenen Alben veröffentlicht wurde), bei Google Play in mehreren Kategorien unter den Top 5 und die Facebook-Page hat inzwischen über 8500 Fans. Die Zahl steigt rasant. Auch Delta Radio und andere Radiosender haben sich bereits beteiligt und „Schrei nach Liebe" gespielt.

Ähnliche Aktionen waren bereits früher erfolgreich, so wurde zum Beispiel vor kurzem mit Raoul Haspels „Schweigeminute“ Spenden für gemeinnützige Zwecke gesammelt. 2009 kletterte „Killing in the Name“ von Rage Against The Machine aus dem Jahr 1992 überraschend an die Spitze der britischen Charts, nachdem online dazu aufgerufen wurde den Song zu kaufen. Es hatte sich abgezeichnet, dass, wie in den Jahren zuvor, die Single des aktuellen X-Factor-Gewinners der Weihnachtshit des Jahres werden würde. Dies wollten Kritiker der Castingshow verhindern. Die Idee verbreitete sich rasend schnell und „Killing in the Name“ erzielte einen neuen Rekord für die höchste Downloadzahl eines Lieds in einer Woche. Die Band spendete darauf hin einen Großteil des Gewinns an eine Obdachlosenhilfsorganisation.

Die Ärzte haben bisher nichts mit der Aktion Arschloch! zu tun, es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Werbeaktion. Die Band wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert, hat aber bisher keine abgegeben. Einige Blogger und Kommentaroren auf die Website der Aktion haben die Hoffung geäußert, die Band würde die erzielten Gewinne für die Flüchtlingshilfe spenden.

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