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Deutschland & Welt

21. Oktober 2017 | 07:12 Uhr

Warentest : Gefährliches Spielzeug in den Regalen

vom

Stiftung Warentest hat 50 Spielzeuge getestet und Alarm geschlagen - viele der Spielsachen sind mit Schadstoffen belastet. Aus den Regalen sind sie dennoch nicht verschwunden.

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2010 | 11:57 Uhr

Weichmacher, Schadstoffe und lose Kleinteile - im Oktober dieses Jahres testete die Stiftung Warentest Kinderspielzeug. Das Ergebnis war verheerend: Gleich 42 der insgesamt 50 getesteten Spielzeuge waren mit Schadstoffen belastet. Manche von ihnen wurden von den Testern sogar als gefährlich für den jüngsten Nachwuchs eingestuft, weil sich bei ihnen Kleinteile lösen und von Kindern verschluckt werden könnten. Aus dem Handel verschwunden sind allerdings nur die wenigsten dieser Produkte. Einer Untersuchung der Bundestagsfraktion von "Bündnis 90/Die Grünen" zufolge soll es gerade einmal zwei Rückrufe infolge des Berichts von Stiftung Warentest gegeben haben. Stattdessen gibt es nun oftmals Rabatte für die beanstandeten Spielsachen.
So erklärte Stiftung Warentest zum Beispiel, dass "Brio - meine erste große Eisenbahn" stark von Schadstoffen belastet sei. Aus dem Angebot genommen hat Amazon.de die Bahn aber nicht. Sie ist weiterhin bei Deutschlands größtem Online-Händler erhältlich - mit 18 Prozent Rabatt. In gleicher Weise wurde auch eine rote Eisenbahn von "Thomas und seine Freunde" aufgrund von Schadstoffen beanstandet. Bei dem Produkt, das laut Amazon.de für Kinder von "24 Monate bis acht Jahre" geeignet sei, gibt der Online-Händler ebenfalls Rabatt. Gewährt worden sein sollen die Rabatte dabei laut "Bündnis 90/Die Grünen" ab dem Erscheinen des Warentest-Berichtes. Auch das Einrichtungshaus Ikea hat offenbar keine Konsequenzen aus dem Urteil der Warentester gezogen. Das Stofftier "Gosig Golden" ist weiterhin bei dem schwedischen Möbelhaus bestellbar. Amazon.de teilte auf Anfrage von shz.de mit, dass unmittelbar nach Erscheinen des Tests Stellungnahmen der Hersteller eingefordert worden seien. Ein Hersteller habe daraufhin sein Produkt zurückrufen lassen. Dieses werde auch nicht weiter bei Amazon.de angeboten. "Von allen anderen Herstellern wurde uns bestätigt, dass sie nicht beabsichtigen, ihre Produkte wegen dieses Tests vom Markt zu nehmen oder zurückzurufen, da die Produkte die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen", so eine Sprecherin von Amazon.de. Beim Möbelhändler Ikea blieb eine entsprechende Anfrage von shz.de zunächst unbeantwortet.
"Das laut Testberichten mit Schadstoffen belastete Spielzeug ist immer noch im Handel erhältlich", fasst Bärbel Höhn von der Bundestagsfraktion "Bündnis 90/Die Grünen" die Situation in den Geschäften zusammen. "Ich fordere den Handel deshalb auf, diese Spielzeuge schnellstmöglich aus dem Verkehr zu ziehen", sagte die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf Anfrage von shz.de. Vor dem Hintergrund neuer EU-Richtlinien für Grenzwerte von Schadstoffen in Spielzeug forderte Höhn weiter: "Die Bundesregierung muss nun dringend im nationalen Alleingang niedrigere Grenzwerte für Kinderspielzeug festlegen." Dass das möglich sei, habe Dänemark bereits erfolgreich vorgemacht. Schon seit längerem wird dabei von Experten kritisiert, dass die Grenzwerte und Richtlinien für Spielzeug auf EU-Ebene unzureichend seien.

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