Lesestoff : Gedruckter Guido Knopp

Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze Heinrich C. Dosedlas Blick auf Österreich vor dem Anschluss ans Dritte Reich.

shz.de von
02. April 2009, 11:11 Uhr

Der Klappentext verspricht es: „Der Weg Österreichs von der Monarchie zum Dritten Reich aus der Sicht der kleinen Leute“ – witzige, berührende, respektlose Zeugnisse, die bekannte Fakten in neuem Licht erscheinen lassen.“
Die Zeugnisse der Menschen, ja die finden sich in Dosedlas Buch, vor allem viele sozialistisch angehauchte „Gewährsleute, wie der Autor sie nennt, kommen in dem Buch zu Wort. Doch zu wirklich neuen Erkenntnissen kommt der Leser bei der Lektüre nicht. Denn die größtenteils auf Protokolle und alte Aufnahmen gestützte Berichterstattung behandelt vor allem politische Ereignisse. Und jeder Historiker weiß, dass hier das Urteil von Zeitzeugen am häufigsten trügt.
Schöner wäre es gewesen, dass die Menschen, die Dosedla zu Wort kommen lässt, mehr aus ihrem Leben erzählt hätten, so eine Art narrative Sozialgeschichte Österreichs. Doch so bleiben viele Urteile an der Oberfläche, auch wenn der Autor versucht, den historischen Hintergrund zu den Zitaten zu liefern. Oft wirkt das ein wenig wie ein unbeholfener Guido Knopp, der Zeitgeschichtliches mit Zeitzeugen-Statements würzt. Dennoch: Für populäre gedruckte Geschichtschilderungen ein netter Ansatz.
Heinrich C. Dosedla : Von Habsburg bis Hitler: Österreich vor dem Anschluss, Molden, ISBN-10: 3854852177, ISBN-13: 978-3854852179, 24,95 Euro

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