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Deutschland & Welt

16. Dezember 2017 | 14:19 Uhr

Konklave : Fragen und Antworten zur Papstwahl

vom

Heute kommen 115 Kardinäle im Vatikan zusammen, um einen neuen Papst zu wählen. shz.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Konklave in Rom.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2013 | 08:19 Uhr

Rom | Was ist das Konklave?
Heute kommen die wahlberechtigten Kardinäle zum "Konklave" zusammen, um einen neuen Papst zu wählen. Das geschieht von der Außenwelt abgeschlossen unter strengster Geheimhaltung. Das aus dem Lateinischen stammende Wort Konklave bedeutet verschlossener Raum. Es leitet sich von cum clave ("mit dem Schlüssel") ab. Das erste Konklave fand 1241 statt. 1274 fixierte Papst Gregor X. die Papstwahl in einem Konklave kirchenrechtlich. Dadurch sollten die Einflussnahme weltlicher Machthaber verhindert und ein zügiger Ablauf gewährleistet werden. Das längste Konklave dauerte vom 29. November 1268 bis 1. September 1271. Das kürzeste Konklave dauerte 1503 nur wenige Stunden. Papst Benedikt XVI. wurde 2005 am zweiten Tag im vierten Wahlgang gewählt.

Wo wird der Papst gewählt?
Seit 1996 ist die Sixtinische Kapelle als ausschließliche Wahlstätte festgeschrieben. Bislang fanden hier 24 Papstwahlen statt. Bis 1878 stimmten die Kardinäle auch an anderen Orten ab. Die Sixtinische Kapelle wurde zwischen 1475 und 1483 unter Papst Sixtus IV. erbaut. Besondere Berühmtheit erlangte die Kapelle durch ihre Ausschmückung mit Fresken. Die Deckenmalereien malte Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512.

Wer kann Papst werden?
Theoretisch kann jeder ledige, getaufte männliche Katholik im Mindestalter von 35 Jahren zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt werden. Im Kirchenrecht heißt es über einen neuen Papst: "Wenn der Gewählte noch nicht Bischof ist, ist er sofort zum Bischof zu weihen."

Wie sieht der Zeitplan für das Konklave aus?
Die Abstimmung folgt einem exakt festgelegten Zeitplan. Heute um 7 Uhr ziehen die Kardinäle in das Gästehaus Santa Marta im Vatikan ein. Drei Stunden später feiern sie die Wahl-Messe, bevor sie gegen 16.30 Uhr in einer feierlichen Prozession in die Sixtinische Kapelle einziehen. Danach folgt ein Wahlgang, um 19.15 Uhr feiern die Kardinäle gemeinsam das Abendgebet, gegen 19.30 Uhr fahren sie zurück ins Gästehaus.

Bis ein neuer Papst gewählt ist, soll es an den folgenden Tagen jeweils vier Wahlgänge geben, zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Die Wahlzettel werden nach Angaben des Vatikans jeweils nach den beiden Wahlgängen am Vormittag und am Nachmittag verbrannt, also etwa um 12 und um 19 Uhr. Dann ist auch vom Petersplatz aus der Rauch über der Kapelle zu sehen. Ist bereits der erste Wahlgang am Vor- oder Nachmittag erfolgreich, werden die Zettel sofort verbrannt. Dann könnte der weiße Rauch zwischen 10.30 und 11 Uhr oder zwischen 17.30 und 18 Uhr aufsteigen.

Wer sind die Favoriten auf die Papst-Nachfolge?
Kurz vor Beginn der Papstwahl kristallisiert sich noch kein klarer Favorit heraus. Es gibt jedoch einige Kardinäle, die sowohl in den Medien als auch bei den Buchmachern hoch im Kurs stehen. Immer wieder genannt wird der Mailänder Erzbischof Angelo Scola. Der 71-Jährige aus der Lombardei ist ein geschätzter Theologe und ein Mann des interreligiösen Dialogs. Ebenfalls gute Chancen ausrechnen darf sich den Einschätzungen zufolge Kardinal Odilo Pedro Scherer aus Brasilien. Der 63-Jährige gilt als konservativ, geradlinig und weltoffen - und könnte der erste Papst aus Lateinamerika werden. Scola belegt auch bei den britischen Buchmachern einen Favoritenplatz. Sie prognostizieren ein enges Rennen zwischen ihm, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (64) aus Ghana und dem bisherigen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) aus Italien. Turkson gilt als volksnah, mediengewandt und selbstbewusst, der Norditaliener Bertone war die „rechte Hand“ des zurückgetretenen deutschen Papstes Benedikt XVI. Auch Timothy Dolan und Marc Ouellet wurden immer wieder als mögliche neue Päpste ins Spiel gebracht. New Yorks Erzbischof Dolan (63) gilt als Konservativer mit viel Witz und könnte der erste Nordamerikaner auf dem Stuhl Petris werden. Auch der 68-jährige Kanadier Ouellet ist in theologischen Fragen sehr konservativ, er gilt zudem als scheu, intellektuell und völlig integer.

Was bedeuten der weiße und der schwarze Rauch?
Wenn die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zum Konklave versammelt sind, gibt es nur ein erlaubtes Kommunikationsmittel mit der Außenwelt: Rauchzeichen. Die erfolgreiche Wahl eines neuen Papstes wird durch weißen Rauch signalisiert. Schwarzer Rauch zeigt an, dass ein oder zwei Wahlgänge erfolglos waren. Erzeugt wird der Rauch seit dem Konklave vom April 2005 von zwei gusseisernen Öfen. In einem Ofen, der seit 1939 verwendet wird, werden die ausgezählten Wahlzettel verbrannt. In einem modernen Ofen aus dem Jahr 2005 wird mit Hilfe von Chemikalien weißer oder schwarzer Rauch produziert. Der Rauch steigt aus einem eigens für das Konklave auf dem Dach der Sixtina installierten Schornstein. Die Ursprünge dieser Tradition liegen weitgehend im Dunkeln. Schon für die Konklave des 17. Jahrhunderts zeigen Darstellungen der Sixtinischen Kapelle einen Ofen, in dem offenbar die Stimmzettel verbrannt wurden.

Was passiert nach der Papstwahl?
Hat ein Kandidat die Zwei-Drittel-Mehrheit erhalten, wird der Gewählte gefragt, ob er die Wahl annimmt und welchen Papstnamen er tragen will. Erst danach verkündet Weißer Rauch aus der Sixtina und Glockengeläut des Petersdoms die erfolgreiche Wahl. Der dienstälteste Kardinaldiakon tritt an den Mittelbalkon des Petersdoms und verkündet die Wahl mit den Worten "Habemus Papam" (lat. für "Wir haben einen Papst") und teilt den Namen des Gewählten mit. Dieser tritt dann vor die versammelte Menge auf dem Petersplatz und spendet seinen ersten Segen "Urbi et orbi".

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