zur Navigation springen

Apenrader Schützenverein : Flüchtlinge an die Waffen: Ambivalente Integration in Dänemark

vom
Aus der Onlineredaktion

Elf Syrer werden in Apenrade an den Schützenverein herangeführt. So richtig wohl fühlen sie sich dabei nicht.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 13:19 Uhr

Apenrade | 30 Flüchtlinge aus Syrien gewöhnen sich gerade an das dänische Miteinander. Sie leben in der Apenrade-Kommune und diese müht sich redlich, dass den Neuen der Einstieg in die Gesellschaft erleichtert wird. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen der Stadt und dem Jobcenter AOF Süd sollen die neuen Bürger der süddänischen Gemeinde an die Vereine herangeführt werden. Zwecks Integration werden ihnen verschiedene Sportarten nähergebracht, in denen sie sich auf Vereinsebene mit Dänen gemeinsam engagieren können. Darunter Fußball, Boccia, Volleyball, Leichtathletik, Tischtennis und Schießen.

Das Unterfangen sei ein guter Weg, um die Flüchtlinge zu integrieren, sagt Unternehmensberater Lars Lindskrog vom AOF Süd. Ziel sei es, so viele Menschen wie möglich in die Vereine zu führen.

So herrschte auch beim Apenrader Schützenverein am Montagabend großer Betrieb. Ein Gruppe von elf Flüchtlingen mit vorübergehendem Bleiberecht begab sich – angeführt von Lindskrog – zum vereinseigenen Schießstand im Keller unter einer Schule. Hier wurden ihnen die Grundregeln der Kunst des Waffensports beigebracht.

Der Präsident des Aabenraa Skytteforening, Stein Aarestrup, erklärte den Anwesenden, was der Abend bieten würde. Die Gewehre mit denen hier umgegangen werde, seien kein Spielzeug, man könne damit töten, erklärte der Oberste den Bürgerkriegsflüchtlingen. Er machte sie mit den Sicherheitsregeln an der Waffe vertraut. Danach wurden die Anwesenden zu den Zielscheiben gebeten.

Die syrische Elf wurde in zwei Teams aufgeteilt und das Scheibenschießen konnte beginnen. Einer bewies gleich großes Geschick im Zusammenspiel von Kimme, Korn und Abzug, für die anderen war der Waffengebrauch doch eher umständlich. Das sei bei den Dänen ganz genauso, sagte Kay-Werner Jacobsen, der Direktor des Vereins.

Für den 41-jährigen Mohammad Najjar war die Integrationmaßnahme an der Waffe doch eher eine ambivalente Beschäftigung. Es sei zwar lustig gewesen, aber er fühle sich schlecht dabei: „Als ich die Waffe in der Hand hielt, dachte ich, was die Armee in meinem Heimatland tut. Das war ein unangenehmes Gefühl, sagte Mohammad Najjar. Das Engagement in den Vereinen sei aber der richtige Weg, um mit den Dänen in Kontakt zu treten. In Zukunft wolle er aber lieber Basketball spielen.

Präsident Sten Aarestrup erwartet nicht, dass viele neue Mitglieder kommen. Er könne auch verstehen, dass einige keine Lust hätten, mit Waffen zu hantieren, wenn man bedenke, woher sie kommen. Aber es sei ein guter Weg, um den Sport den neuen Bürgern einmal zu zeigen. Das Angebot richte sich an alle.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert