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Rettung auf dem Öresund : Flucht aus Dänemark: Asylbewerber wollten mit Boot nach Schweden

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Wird die Ostsee zum Mittelmeer? Ein Migrationsexperte rechnet mit weiter Fluchtbewegungen auf dem Öresund wie am Montag.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 09:44 Uhr

In Dänemark wollten sie nicht bleiben: Eine Gruppe von vier Bewohnern des Erstaufnahmelagers für Asylbewohner im dänischen Sandholm ist am Montag von Kopenhagen per Boot in Richtung Schweden aufgebrochen. Dort wollten sie um Asyl bitten. Doch das Boot kenterte, die vier konnten sich retten und schwammen auf die Insel Saltholm, von wo aus sie auf die nächste Insel, Peberholm schwimmen wollten.

Dass es zu Fluchtbewegungen auf dem Öresund kommen würde, hatten viele erwartet. Schwedische Medien berichteten in letzter Zeit häufiger über Versuche von Flüchtlingen, die die 16 Kilometer lange Strecke nach Schweden zu Fuß über die Autobahn auf der Öresundbrücke zu bewältigen.


Bewohner der Insel Saltholm alarmierten die Polizei, als sie sahen, dass zwei Personen sich 300 Meter vom Strand entfernt im Wasser befanden. Dort war das Wasser glücklicherweise so flach, dass sie noch immer Bodenkontakt hatten. Als die Polizei eintraf, gaben die beiden auf Englisch an, dass zwei andere weiter nach Peberholm geschwommen seien. Einer von ihnen wurde per Helikopter geborgen, beide wurden mit einer Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht.

Experte: Weitere Versuche zu erwarten

Unterdessen mahnt der Migrationsexperte der Uni Kopenhagen, Martin Lemborg-Pedersen, dass es durchaus noch mehrere solcher Fälle geben könnte. „Wenn es jetzt auf den Sommer zugeht, kann es durchaus eine Folge sein, dass mehr Flüchtlinge versuchen, den Öresund zu überqueren, sagt er.

Doch es sind nicht nur die hohen Temperaturen, die die Überfahrt für die Flüchtlinge reizvoll machen. Es liegt auch an der immer härteren Asylpolitik. „Wenn die gesetzlichen Möglichkeiten sich schließen und die Länder versuchen, Asylbewerber abzuschrecken, mit verlängerter Frist bis zur Familienzusammenführung und langwierigen Aufenthalten in Zeltlagern, dann kann das gute Bedingungen für Schleuser schaffen – und für gefährliche Routen wie die über den Öresund“, so Lemborg-Pedersen.

Auch auf der schwedischen Seite wird diese Ansicht geteilt. Ewa-Gun Westford, Pressesprecherin der Südschwedischen Polizei: „Wir glauben, dass mehr Versuche zu erwarten sind, jetzt, wo es bald Sommer wird. Im Winter sind es immer weniger Asylbewerber. Wir haben Hinweise und Angaben dazu bekommen, dass es Individuen gibt, die den Versuch planen, mit dem Boot herüberzukommen“, sagt sie „Radio24syv.“

Öresund noch nicht militarisiert wie Calais

Dennoch – Bilder wie am Mittelmeer erwartet Lemborg-Pedersen am Öresund nicht. Auch mit der Situation in Calais will er den Öresund nicht vergleichen. Dort haben sich große Menschenmengen versammelt, extrem scharfe Grenzkontrollen führen immer wieder zu verzweifelten Versuchen, den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren.

„In einigen Punkten haben wir dieselbe Lage wie in Calais, weil wir einen Tunnel zwischen beiden Ländern haben, der für legale Migration geschlossen ist. Das bedeutet, dass die Flüchtlinge dazu gedrängt werden, gefährliche Routen auszuprobieren“, sagt der Migrationsexperte. Doch: „Einer der großen Unterschiede ist, dass die Calais-Grenze sehr militarisiert ist. Selbst wenn mehr Grenzkontrollen da sind, so ist die englisch-französische doch auf einem weiter entwickeltem Stadium der militarisierten Grenzkontrolle“, so Martin Lemborg-Pedersen.

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