Mindestens 80 Tote : Flammeninferno bei Athen: Einsatzkräfte schildern dramatische Szenen

Die Helfer stoßen im Osten der griechischen Hauptstadt immer wieder auf neue Leichen.
Die Helfer stoßen im Osten der griechischen Hauptstadt immer wieder auf neue Leichen.

Der Horror in Griechenland will kein Ende nehmen: Immer wieder werden im Osten Athens neue Leichen entdeckt.

shz.de von
25. Juli 2018, 13:07 Uhr

Athen | Die Szene wiederholt sich immer wieder: Feuerwehrleute und Freiwillige Helfer gehen von Tür zu Tür und suchen in den zerstörten Häusern in der Urlaubsregion von Rafina, Mati und Neos Voutzas im Osten Athens nach Opfern. "Hallo! Hallo! Ist jemand da", heißt es immer wieder. Es folgt Totenstille. Langsam gehen die Feuerwehrleute in die Häuser hinein. Sie haben Schlimmes gesehen und sind auf Schreckliches vorbereitet. Fernsehbilder zeigen die Szenen immer wieder.

Allein in den vergangenen zwölf Stunden wurden fünf verkohlte Leichen entdeckt. Bislang sind 80 Tote gezählt worden. Eines der Opfer starb am Mittwoch an schweren Verbrennungen in einem Krankenhaus in Athen.

Die Feuerwehrmänner müssen mit grausamen Bildern fertig werden. Foto: Imago/Lefteris Partsalis
Imago/Lefteris Partsalis
Die Feuerwehrmänner müssen mit grausamen Bildern fertig werden. Foto: Imago/Lefteris Partsalis

Die bange Frage: Wie viele Tote gibt es noch in den mehr als 1000 zerstörten Häusern? Dutzende Menschen werden noch vermisst. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und könnte Wochen dauern. Die meisten sind verkohlt. DNA-Tests werden in vielen Fällen notwendig sein, sagen Gerichtsmediziner immer wieder im Fernsehen. Die Bürgermeister der Region befürchten, dass die Zahl der Opfer am Ende dieses Dramas dreistellig sein könnte. Verwandte haben eine inoffizielle Seite eingerichtet und Fotos von Vermissten veröffentlicht. Details des Dramas werden nach und nach bekannt. Ein etwa 13 Jahre altes Mädchen habe sich in einen Steilhang gestürzt – als es keinen Ausweg mehr gab. "Ihre Kleider brannten. Das Flammeninferno hinter ihr. Sie stürzte in die Tiefe und war auf der Stelle tot", sagte eine Augenzeugin mit Tränen in den Augen im TV.

Überlebende unter Schock

Ebenfalls schrecklich ist das, was ein Feuerwehrmann aus der Ortschaft Mati erzählt. Er habe in einem verbrannten Auto die völlig verkohlten Leichen des Fahrers und der Beifahrerin gesehen. "Was sind das für Rucksäcke hinter ihnen, habe ich mich gefragt", sagte der Mann im Rundfunk. Dann stellte er schweißgebadet fest, die vermeintlichen Rucksäcke seien Kinder gewesen, die sich um den Hals ihrer Eltern offenbar in den letzten schrecklichen Minuten ihres Lebens geklammert hatten.

Für die Überlebenden muss es nun weitergehen. Es wird aber wohl sehr lange dauern, bis die Menschen sich von dem Erlebten erholt haben – und die Region. Die Strom-und Wasserversorgung, das Telefon und Internet sind weitgehend unterbrochen. Es könnte Wochen dauern, bis die Infrastruktur einigermaßen wieder intakt ist, schätzen Bürgermeister der Region. Tausende Häuser sind unbewohnbar und müssen abgerissen werden. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft von Athen eine Untersuchung eingeleitet. Die Ursachen der Katastrophe sollen ermittelt werden. Experten sind sich jedoch weitgehend einig. Egal aus welchem Grund der Brand ausbrach – die freiwilligen Helfer, die Feuerwehr und allen voran die Einwohner von Mati, Neos Voutzas und Rafina hatten keine Chance, die Katastrophe zu stoppen. Winde der Stärke 9 erzeugten binnen Minuten ein Flammenmeer. Wer Glück hatte, konnte sich zum nahegelegenen Meer flüchten und wurde von Fischern gerettet.

Ein Offizier der Küstenwache, der an den Rettungsaktionen aus dem Meer im Osten Athens teilgenommen hatte, ist sich sicher: "Diese Tragödie tut weh und wird uns noch lange beschäftigen."

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