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Klage am Obersten Gericht : Fischerstreit am Kattegat: Deutsche dürfen Dorsch fangen, Dänen nicht

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänische Behörden verbieten Landsleuten den Dorschfang im Kattegat. EU-Regeln erweitern so die deutschen Fischgründe.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 14:03 Uhr

Kopenhagen | Kurios: Dänischen Fischern ist es durch nationale Regeln verboten, im Kattegat auf Dorschfang zu gehen, EU-Regularien erlauben die Fischerei nach den begehrten Fischen allerdings. Das hat zur Folge, dass sich deutsche Fischerboote in dem Meeresgebiet zwischen Jütland und der schwedischen Westküste die Netze vollmachen, während die Dänen vor Anker liegen. Drei bereits sanktionierte Fischer aus Gilleleje wollen der Ungleichbehandlung nicht länger zusehen. Sie setzten sich juristisch gegen ihre deutschen Kollegen zur Wehr.

Die Ostsee sollte das Musterexemplar für ein nachhaltiges europäisches Fisch-Management werden. Doch die Entwicklung eines langfristigen gemeinsamen Fahrplans stockt. Und die Dorschbestände erholen sich nicht.

Die Kläger haben ihr Anliegen inzwischen bis zum dänischen Höchstgericht gebracht – dieses ist für Präzedenzfälle die zuständige finale Instanz. Weil sie sich über die dänischen Regeln hinweggesetzt hatten, wurden sie bereits sanktioniert.  In den ersten beiden Instanzen waren die Fischer wegen Verstoßes gegen dänische Vorschriften für schuldig befunden worden. Am Dienstag begann die Verhandlung vor dem Højesteret auf Schloss Christiansborg in Kopenhagen.

Das Fangverbot wird insgesamt kritisch beäugt. „Es hat dazu geführt, dass die Fischer in Gilleleje in hohem Grad die Fischerei aufgegeben haben. Viele haben ihre Fahrzeuge verkauft“, sagt der Vorsitzende von Dänemarks Fischereiverband, Svend-Erik Andersen. Außerdem seien die drei betreffenden Fischer gar nicht auf Dorschfang gewesen, sie hätten es auf Kaisergranat (Hummer) abgesehen gehabt.

„Die Situation ist unglaublich kompliziert und ich weiß nicht einmal, ob die Fischereibehörden sie durchschauten, als man das Verbot erließ. Ich glaube, den Dorschschwärmen ist es doch ziemlich egal, wenn sie nicht von Dänen gefangen werden, sondern von Deutschen“, sagt Bo Ascanius, der Anwalt der Fischer.

Der Fischereiverband stellt das dänische Verbot insgesamt infrage. „In dem Zeitraum, in dem die Fische laichen, zwischen Februar und April, kann das erklärbar sein, aber den Rest des Jahres ist der Dorsch in genau dieser Gegend nicht häufiger zu finden als anderswo“, sagt Andersen.

Dorschfang in der Ostsee

Während sich die Fischbestände in der Nordsee insgesamt erholt haben, ist der Dorsch eines der Problemkinder geblieben. Die EU hat die erlaubte Fangmenge für 2016 im Vergleich zu 2015 nach zähen Verhandlungen mit der Fischereilobby um ein Fünftel gesenkt. Die EU-Kommission hätte allerdings lieber noch stärker gekürzt.  Der Dorsch galt lange als „Brotfisch“ der Ostseefischer.

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