EM-Fieber : Finales Fußball-Fieber in Deutschland

Noch größer, noch bunter, noch lauter: Die Deutschen fiebern heute kollektiv dem Anpfiff des Endspiels der Fußball-EM gegen Spanien in Wien entgegen.

Avatar_shz von
29. Juni 2008, 05:04 Uhr

Bereits in den Morgenstunden zogen viele Fußball-Anhänger auf die Fan-Meilen in den Städten. Nachmittag herrschte schon Volksfeststimmung. Neue Party- Zonen waren hinzugekommen, viele zum Finale noch einmal vergrößert worden. Oft vertrieben Bands und Disc Jockeys den Fußballfreunden die Zeit bis zum Spielbeginn um 20.45 Uhr.

Tausende deutsche Touristen feierten schon tagsüber bei bis zu 32 Grad an der Playa de Palma auf Mallorca. Bars und Kneipen, die Großbildleinwände aufgestellt hatten, waren auf einen Großansturm eingerichtet. Ob "Oberbayern" oder "Bierkönig" - wer noch einen guten Stehplatz fand, hatte Glück.
"Wo guckst Du heute Abend?"
Die Veranstalter in Deutschland rechneten für den Final-Sonntag mit neuen Rekordzahlen beim Public Viewing. Vor den Großleinwänden wurden etliche Millionen Menschen erwartet. TV-Experten gingen zudem von rund 30 Millionen Fans vor den Fernsehern zu Hause sowie in den Kneipen und Vereinsheimen aus. Die Kurve der kollektiven Erregung in der Bundesrepublik stieg am Sonntag von Stunde zu Stunde. Ob in den Ausflugsorten, beim Kirchgang, beim Frühschoppen oder bei den nachbarlichen Gesprächen - es gab quasi nur ein Thema "Wo guckst Du heute Abend? - und eine gemeinsame Hoffnung: "Wir gewinnen - mit oder ohne Ballack."

Doppelt erleichtert waren am Sonntag mehr als 7500 Menschen in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen: Zum einen, weil in ihrem Ort eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurde. Zum anderen, weil durch die erfolgreiche Aktion dem EM-Fernsehabend in der eigenen Wohnung nichts mehr im Wege stand. Am Morgen hatten sie ihre Wohnungen für die Entschärfung verlassen müssen. Gut zwei Stunden später hatte der Sprengmeister die amerikanische Fliegerbombe unschädlich gemacht. "Es lief alles reibungslos, der Fußballabend ist gerettet", sagte eine Polizeisprecherin.
"Die große Mehrheit will keinen Krawall, sie will feiern"
Die Sicherheitskräfte in Deutschland sahen den Partys im allgemeinen mit Ruhe und Zuversicht entgegen. "Die jüngsten Erfahrungen beim EM-Halbfinale haben wieder gezeigt: Die große Mehrheit will keinen Krawall, sie will feiern", hieß es. Dennoch wurden in einigen Städten mehr Polizisten zur Sicherheitskontrolle eingesetzt als bei den EM-Spielen der deutschen Mannschaft in den vergangenen Wochen.

Die Polizei in Sachsen lenkte ihr Augenmerk verstärkt auf Rechtsextremisten. Beim EM-Halbfinale Deutschland gegen die Türkei waren einige deutsche Extremisten auf Türken losgegangen. In Leipzig und Dresden wurden die Fan-Areale abgesperrt. Am Einlass wurden Taschen auf Feuerwerkskörper und Glasflaschen untersucht.
"Alle sind friedlich, die Stimmung könnte nicht besser sein"

Auch in Wien hatten sich Tausende Fans aus Deutschland und Spanien bereits am Sonntagmorgen in der Innenstadt versammelt, um sich auf das EM-Finale am Abend im Ernst-Happel-Stadion einzustimmen. "Alle sind friedlich, die Stimmung könnte nicht besser sein", sagte EM- Sprecher Alexander Markatovits. Bis zum Abend wurden mindestens 40.000 deutsche Fans und etwa 15.000 Gäste aus Spanien in der Donaumetropole erwartet. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin stellten sich die Fans auf der größten Jubel-Meile bereits auf die nächste Party ein. An diesem Montag will die Nationalmannschaft mit den Berliner Fans feiern - möglichst mit dem EM-Pokal in der Hand, nachdem es vor zwei Jahren bei der Heim-WM "nur" zum dritten Platz gereicht hatte.

Teammanager Oliver Bierhoff hat erklärt, es sei der ausdrückliche Wunsch des Teams gewesen, in die Hauptstadt zu den Anhängern zu reisen. Seit der Fußball-WM 2006 sei Berlin wie ein Zuhause für die Spieler geworden. Damals hatten mehr als 1,5 Millionen Menschen zum WM-Abschluss eine Riesenparty am Brandenburger Tor gefeiert.
Enthusiasmus in Deutschland

Der oberste DFB-Funktionär, Präsident Theo Zwanziger, lobte insgesamt den Enthusiasmus in Deutschland während der EM. Man sehe wie bei der WM im eigenen Land die unglaubliche Begeisterung für den Fußball "und was Fußball für die Gesellschaft leisten kann". Zwanziger verwies auf die türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, "die nun nach dem Ausscheiden der türkischen Elf für Deutschland in den Fanmeilen stehen, das sind großartige Erlebnisse".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen