#MeToo-Debatte : Filmbranche will Beschwerdestelle gegen sexuellen Missbrauch gründen

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstützt das Projekt.
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Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstützt das Projekt.

Zum Auftakt der Berlinale kündigten zwölf Verbände eine Anlaufstelle für Betroffene an.

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15. Februar 2018, 13:04 Uhr

Berlin | Zum Auftakt der Berlinale hat die deutsche Film- und Fernsehbranche die Gründung einer Beschwerdestelle gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe angekündigt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bekräftigte am Donnerstag beim Deutschen Produzententag, sie werde den Aufbau des Projekts mit 100.000 Euro unterstützen.

Zu der Initiative haben sich mehr als ein Dutzend Bundesverbände zusammengeschlossen. Sie vertreten unter anderem Schauspiel, Regie, Maskenbild und Casting. Die Anlaufstelle soll möglichst schon im März die Arbeit aufnehmen.

Unterdessen wurde der Start der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin mit Spannung erwartet. Die Jury kündigte an, sie suche bei der Vergabe der begehrten Bären-Preise nach einer starken, einigen Stimme. „Wir nehmen das Festival ernst. Aber wir möchten für uns auch ein Fest daraus machen“, sagte Jury-Präsident Tom Tykwer („Lola rennt“, „Babylon Berlin“).

Am Abend sollte der Animationsfilm „Isle of Dogs“ von Wes Anderson das Festival eröffnen. Zu der Gala im Berlinale Palast am Potsdamer Platz wurden mehr als 1600 Gäste erwartet. US-Regisseur Anderson wollte die Hollywoodgrößen mitbringen, die den liebenswerten Hunden seines Films ihre Stimme liehen, darunter Greta Gerwig, Jeff Goldblum und Tilda Swinton.

Bezüglich des Themas #MeeToo mahnte die Schauspielerin Heike Makatsch („Hilde“) eine bedachte Debatte an. „Es kommt mir so vor, dass gerade jeder differenziertere Gedanke zum Thema, der vielleicht auch mal eine Ambivalenz benennt oder sogar eine Lanze bricht für die Gegenseite, so an den Pranger gestellt wird, dass es fast schon etwas von einer Meinungsdiktatur hat“, sagte Makatsch der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag).

Die Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300.000 verkauften Tickets als das weltweit größte Publikumsfestival. Bis zum 25. Februar sind 385 Filme aus 78 Ländern zu sehen. Die begehrten Bären-Preise werden am vorletzten Tag (24. Februar) verliehen. 19 Filme sind im Rennen, darunter vier deutsche.

Der japanische Komponist Ryuichi Sakamoto sagte als Jurymitglied: „Wir freuen uns darauf, gemeinsam 19 Filme zu genießen und von einem künstlerischen, nicht von einem politischen Standpunkt aus unser Urteil zu fällen.“

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