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Medien : Zeitbombe Steuerflucht

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Anfang 2008 machte der damalige Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, die Öffentlichkeit mehr auf sich aufmerksam, als er es je zuvor in seinem Amt getan hatte. Zumwinkel wurde von der Bochumer Staatsanwalt Steuerhinterziehung in großem Stil vorgeworfen.

Die Ermittlungen führten ins Fürstentum Liechtenstein, wohin der Post-Chef Millionen transferiert hatte, um sie am deutschen Staat vorbeizuschleusen. Der heute 69-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Steuerhinterziehung ist den kleinen Leuten nicht möglich - sie empfangen ihren Lohn oder ihr Gehalt, von dem schon vor der Überweisung der Steueranteil abgezogen wird. Die großen Fische suchen sich in immer größerem Stil ihre Schlupflöcher, wie der französische TV-Autor Xavier Harel in seinem Arte-Film «Zeitbombe Steuerflucht», an diesem Dienstag (20.15 Uhr) im Fernsehen zu sehen, aufzeigt.

Harel bereiste einschlägige Ecken dieser Welt wie die Cayman-Inseln, den US-Staat Delaware, die Insel Jersey, die Schweiz und Großbritannien und sprach mit Experten übers Thema.

Für Harel völlig unverständlich ist, wie die großen Banken, die gerade durch das Geld der Steuerzahler gerettet wurden, an immer wieder neuen Strategien arbeiten, um ihren Kunden Steuerhinterziehung möglich zu machen - meist übers Ausland. «Internationale Konzerne können Milliardengewinne erwirtschaften, ohne einen einzigen Euro Steuern zahlen zu müssen», berichtet Arte in der Programmankündigung. «Wohlhabende Steuerzahler wiederum bringen den Großteil ihrer Reichtümer mit Hilfe des Schweizer Bankgeheimnisses oder durch in Jersey ansässige Firmen vor dem Fiskus in Sicherheit.»

Bierernst ist Harels Bericht nicht, er wählt eine Prise Humor im Unterton dazu. In seinem Film schildert er nach Arte-Angaben die Steuersparmodelle großer Firmen wie Colgate, Amazon und Total und stellt auch die Beratungsfirmen wie KPMG, Ernst & Young sowie PricewaterhouseCoopers «für ihre Mithilfe bei der Plünderung der Gesellschaft an den Pranger», heißt es weiter.

Die Folgen der Steuerflucht sind vor allem im Süden Europas derzeit zu spüren, am meisten in Griechenland. Dort haben die Reichen rechtzeitig vorm Zugriff von Vater Staat den Exodus angetreten. Unter anderem deswegen steht Griechenland am Abgrund. Schätzungsweise 20 bis 30 Billionen Dollar werden jedes Jahr in Steuerparadiesen versteckt, berichtet Harel in seinem Film. Diese Summe entspreche zwei Drittel der weltweiten Schulden.

Wer keine Lust auf Steuerflucht-Analysen hat und ein Fußball-Muffel ist, wird es schwer haben im Dienstagabendprogramm. Denn wegen des WM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen die Färöer Inseln, zu sehen in der ARD, verzichten die meisten Sender auf Erstausstrahlungen. Das ZDF wiederholt den Klassiker «Pretty Woman», Sat.1 zeigt das Drama «Vincent will Meer» und RTL bringt noch einmal eine 2006 erstmals ausgestrahlte Folge der Krimiserie «Bones - Die Knochenjägerin».

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erstellt am 10.Sep.2013 | 00:07 Uhr

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