zur Navigation springen

Medien : Zehn Jahre «Menschen bei Maischberger»

vom

Als um sie die ARD-Welt rotierte, blieb es um Sandra Maischberger still. Nichts passierte. Niemand konnte ihr was anhaben. Sie behauptete ihren Sendeplatz am Dienstag mit der Talkshow «Menschen bei Maischberger», während Reinhold Beckmann, Anne Will und Co durch die Wochentage purzelten.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2013 | 08:07 Uhr

Zwei Jahre ist das her. Und zehn Jahre ist sie mit ihrem Format auf Sendung, aber immer noch auf der Suche nach dem endgültigem Stil. Auch wenn ihre Sendung immer dienstags läuft, fällt der 10. Geburtstag auf einen Montag.

Der Anfang war schwer, damals am 2. September 2003. Denn die Konkurrenz hieß Johannes B. Kerner im ZDF. «Der lief mit seiner Sendung schon erfolgreich, das war beinhart, Kerner war etabliert», erinnert sich die 47-Jährige heute. «Ich übernahm den Sendeplatz von Alfred Biolek, das ist so, wie wenn Sie als neuer Pastor in die Kirche kommen und der alte ist weg. Aber seine Gemeinde ist noch da und wartet nicht gerade auf Sie.»

Und die darf natürlich nicht in Scharen weglaufen. Schwierig, wenn man selbst noch auf der Suche nach der guten Form ist. «Der Stil verändert sich ständig, durch innere Bewegung und äußere Einflüsse», sagt Maischberger. «Am Anfang haben wir stark herumexperimentiert, zunächst mit einem sogenannten Interviewmagazin, weil ich dachte, es sei eine gute Formatidee - also unterschiedliche Gäste mit unterschiedlichen Themen zusammenzubringen, es hat aber nicht funktioniert.»

Dann habe man verschiedene Gäste zu einem Thema ins Gespräch kommen lassen wollen: «Also so, wie es Alfred Biolek früher gemacht hat und Markus Lanz heute manchmal praktiziert, aber das hat auch nicht funktioniert. Dann haben wir jeweils nur einen Gast eingeladen, aber das war nur ein einziges Mal erfolgreich: als Helmut Schmidt zu Gast war.» Anderthalb Jahre nur Experimente mit Kerner im Nacken. Dann die Wende: Man setze ein, zwei Politiker mit «normalen» Menschen» zusammen und lasse sie über gesellschaftspolitische Themen reden - «Dieses Format haben wir für die ARD aufgebrochen», resümiert die Moderatorin.

Die Gefahr liegt aber im Stillstand: Demnächst müsse weiter über die Eurokrise geredet werden, «über die Rente, das Gesundheitssystem, Soziales, die Arbeitswelt, die sich rapide verändere, Bildung und Erziehung.» Und das weiter mit wenigen Politikern? «Runden mit fünf, sechs Politikern haben in der Gesprächskultur keinen Fortschritt gemacht seit Anfang der neunziger Jahre, eher Rückschritte, also bleiben wir eher bei einer Kombination mit zwei bis drei aktiven Politikern.»

Die Debatte um eine Reduzierung der ARD-Talks hat Maischberger, die einst an der Seite von Erich Böhme im Sat.1-Wettstreit «Talk im Turm» bekannt wurde, nie so recht verstanden. Das ZDF mache ja auch jeden Abend seine Talkleiste, dann noch «Maybrit Illner», sagt sie. «Die ARD ist viel unterschiedlicher in ihrer Herangehensweise.» Dennoch gibt die ARD mit Wirkung vom nächsten Jahr an nach: Reinhold Beckmann, bisher immer donnerstags auf Sendung, wird den Club der fünf verlassen. Gegenwärtig laufen die Verhandlungen Maischbergers mit dem für sie zuständigen Westdeutschen Rundfunk (WDR), der mit Tom Buhrow einen neuen Intendanten hat. Maischbergers Vertrag läuft bis zum Jahresende 2013. Plant sie langfristig? «Ich weiß es nicht», sagt die Mutter eines sechsjährigen Sohnes. «Ich arbeite seit 1985 als Journalistin, jedes Jahr war anders, ich habe mich nie gelangweilt.»

Denn mit ihrer Firma Vincent TV produziert die gebürtige Münchnerin nicht nur ihren wöchentlichen Talk, sondern auch Dokumentarfilme. Im Gegensatz zu ihrer Gesprächsrunde muss sie für diese Aufträge immer wieder kämpfen - schrumpfende Etats sind der Grund. Dennoch: Im Herbst sendet Arte ein Doppelporträt mit den ehemaligen Staatschefs Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, Anfang 2014 kommt ein Dokudrama über den Berliner Bürstenfabrikanten Otto Weidt (1883-1947) ins Erste, der zur Nazi-Zeit mehrere Juden rettete.

Und dann arbeitet Maischberger zusammen mit ihrem aus Tschechien stammenden Mann Jan Kerhart (er führt bei Vincent TV auch die Geschäfte) an einem Porträt über ihren Vorgänger Alfred Biolek (79) - unter anderem fuhr sie mit ihm an seinen Geburtsort im heutigen Tschechien. Biolek hatte sich wegen seiner schlechten Erinnerungen lange gegen eine Rückkehr gesträubt. Bis Maischberger kam.

ARD Seite

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen